Nebenwerte starten eine Rally: Während die 20 Mitglieder im SMI in den letzten sechs und zwölf Monaten lediglich um 6,7 und 10,2 Prozent zulegen konnten, drücken die Firmen im SPI deutlich stärker auf das Tempo. In den letzten sechs Monaten schaffte der breite Schweizer Aktienmarkt ein Plus von 8,9 Prozent, auf Jahressicht liessen die 208 Mitglieder des Index Schweizer Blue Chips noch weiter hinter sich zurück: 15,6 Prozent beträgt das Plus im SPI in zwölf Monaten. Das bedeutet eine Outperformance von 5,4 Prozent im Jahr gegenüber dem Schweizer Leitindex.

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Wie es scheint, zählen die Nebenwerte im SPI damit derzeit zu den Favoriten der Anleger. Immerhin gibt es eine Reihe von Titeln mit enormen Steigerungen. Lonza und Kardex schafften seit Anfang 2013 fast eine Verdopplung, Meyer Burger verdreifachte sich sogar im selben Zeitraum. Im SMI hingegen ist Actelion mit einem 12-Monats-Plus von 80 Prozent der Top-Performer – danach kommt lange nichts. Die Aktie von Adecco als Nummer zwei im Index schafft nicht einmal 40 Prozent Kursgewinn in einem Jahr.  

Nebenwerte mit klarer Outperformance

Das die Aktien von kleinen Unternehmen schneller laufen als Blue Chips, ist jedoch nicht neu und wird im Small-Cap-Effekt beschrieben. Danach ist über lange Zeiträume von 50 Jahren oder mehr eine Outperformance von Nebenwerten gegenüber den grossen Standardtiteln von rund 2 Prozent im Jahr zu beobachten.

Im SPI zählten zuletzt viele Technologie- und Pharmaaktien, aber auch Turnaroundspekulationen zu den Kursraketen. Bei diesen Unternehmen sind die Risiken  aber beispielsweise wegen geringer Kunden- oder Umsatzbasis vergleichsweise hoch. In der Krise rauschen die Titel oft wieder in den Keller.

Jede Menge Value im SPI

Trotz dieser mehr oder weniger riskanten Papiere hat Obermatt-Investing in einem aktuellen Ranking (siehe Tabelle) des SPI eine ganze Reihe von Firmen selektiert, die hinsichtlich der Value-Kriterien die volle Punktezahl erreichen. Auf 100 Punkte kommen dabei neben den bereits genannten Unternehmen wie Lonza und Meyer Burger auch Pargesa, die Basler Kantonalbank, Carlo Gavazzi, Goldbach Group, VP Bank und – als einziges SMI-Mitglied ABB.

Die genannten acht Firmen sind laut Obermatt-Ranking die gegenüber Aktien vergleichbarer Grösse am stärksten unterbewerteten Firmen im SPI. Zur Ermittlung der Unterbewertung greift das Researchhaus auf die klassischen Kennzahlen der Fundamentalanalyse Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnis, Dividendenrendite und Kurs-Umsatz-Verhältnis zurück.

Spannende Charttechnik bei Meyer Burger und Basler Kantonalbank

Zieht man neben diesen Kennziffern zusätzlich die Charttechnik zu Rate, scheint insbesondere Meyer Burger trotz der hohen Kursgewinne der letzten Monate vielversprechend zu sein. Nach dem jüngsten Kurssprung notiert die Aktie des Maschinenbauers kurz vor dem Widerstand bei 20 Franken. Klappt der Sprung über diese Hürde, könnte das technisch betrachtet rasch weitere Steigerungen von 10 bis 20 Prozent bis in den Bereich um 24 Franken auslösen.

Anders die Aktie von Carlo Gavazzi. Der Titel scheint im Moment am Widerstand um 225 Franken wie festgezurrt zu sein. Die Überwindung dieser Marke wirkt derzeit wenig wahrscheinlich. Die Basler Kantonalbank hingegen hängt aktuell im Bereich ihrer starken Unterstützungszonen um 75 Franken. Das Chance-Risiko-Profil scheint damit bei der Bank im Moment besonders attraktiv zu sein, zumal der Wert gleichzeitig an der oberen Begrenzung des Abwärtstrends notiert. Da könnte bald ein Schub einsetzen.