In nur wenigen Branchen liegen Chance und Risiko so dicht beieinander wie im Technologiesektor. Ein Beispiel: Während die hierzulande kotierte AMS auf Jahressicht schon um mehr als die Hälfte abgestürzt ist, kletterte die Aktie des Banksoftware-Spezialisten Temenos um 37 Prozent. Anleger, die den Tech-Sektor im Visier haben, sollten auch einmal einen Blick über die Grenze ins Nachbarland Deutschland werfen. Dort lassen sich zurzeit einige sehr vielversprechende Tech-Werte finden.

Um einen schnellen Überblick über die aktuelle Situation der Technologie-Titel zu bekommen, nehmen Börsianer zuerst den TecDAX unter die Lupe. Dieser enthält die 30 grössten Unternehmen aus diesem Bereich in Deutschland. Auch, wenn die Kurskurve in diesem Jahr bisher nach unten gezeigt hat, langfristig ist das Barometer dem DAX klar überlegen. Auf Sicht von fünf Jahren zeigt sich beim TecDAX ein Anstieg um drei Viertel, der DAX brachte im selben Zeitraum nur die Hälfte an Gewinn.

Software AG – ein fulminantes Comeback

Einzelne Titel liefen darüber hinaus noch deutlich besser. Als Paradebeispiel im kurzfristigen Bereich hebt sich hier die Software AG (ISIN DE0003304002) hervor. Während der TecDAX seit dem Jahresbeginn einen Zehntel an Wert verloren hat, schoss die Software-Aktie um mehr als 25 Prozent nach oben. Ausschlaggebend für die gute Performance war die Wende im operativen Geschäft. Deutschlands zweitgrösstes Softwarehaus musste wohl in den zurückliegenden Jahren Gewinneinbussen verkraften, doch 2015 ist das Comeback gelungen.

Im ersten Quartal 2016 setzte sich der positive Trend fort. Ein unerwartet starkes Lizenz-Geschäft bei Unternehmenssoftware beschleunigte die Umsatz- und Gewinnentwicklung. Der Umsatz zog um 9 Prozent an, der operative Gewinn legte um einen Viertel zu. Folglich verbesserte sich die operative Rendite von 25 auf 29 Prozent. An der Prognose für das Gesamtjahr hält Konzernchef Karl-Heinz Streibich fest. Diese sieht einen Anstieg der Marge auf 30 bis 31 Prozent vor. Angesichts des guten Zwischenberichts könnte bei der Aktie noch mehr drin sein. DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer rechnet sogar mit einer «Anhebung des Ausblicks» im Laufe des Jahres. Anleger steigen ein und nutzen das starke Momentum der Aktie.

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Nemetschek: Hohe Wachstumsdynamik

Auch beim TecDAX-Mitglied Nemetschek (ISIN DE0006452907) scheint die bisherige Prognose für das Gesamtjahr zu defensiv zu sein. Der Spezialist für Bausoftware konnte den Umsatz im Auftaktquartal um 16,7 Prozent steigern, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist mit plus 20,7 Prozent überproportional vorangekommen. «Wir haben einen hervorragenden Jahresauftakt hingelegt», freut sich Vorstand Patrik Heider. Er geht für das Gesamtjahr von einem Konzernumsatz zwischen 319 und 325 Millionen Euro sowie von einem Ebitda zwischen 77 und 80 Millionen Euro aus.

Am oberen Ende dieser Prognosen ergibt sich bei den Erlösen ein prognostiziertes Wachstum von 14 Prozent, beim Gewinn von 15 Prozent. Der Jahresauftakt verlief allerdings deutlich besser, sodass letzten Endes mehr drin sein sollte. Die Aktie hat zuletzt ein Rekordhoch markiert und ist danach in eine Konsolidierung übergegangen. Anleger setzen auf einen schnellen Sturm der Aktie in Richtung psychologischer 50-Euro-Marke.

S&T: Anleger setzen auf den Indexaufstieg

Noch nicht im TecDAX notiert die Aktie des IT-Dienstleisters S&T (ISIN AT0000A0E9W5). Allerdings könnte es sein, dass das Unternehmen noch in diesem Jahr in die Tech-Elite aufsteigen wird. Beim Kriterium Marktkapitalisierung liegt S&T bereits vor zwei anderen Mitgliedern des Index. Etwas zulegen, muss hingegen bis zum nächsten regulären Überprüfungstermin im September noch der Handelsumsatz. Derweil laufen die Geschäfte aber rund beim Spezialisten für Cloud-Computing, IT-Security und Smart Energy.

Im ersten Quartal legten Umsatz und Gewinn weiter zu. Aufgrund eines starken Auftragseingangs geht Vorstandschef Hannes Niederhauser sogar davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal beschleunigen wird. Da Niederhauser in der Regel zuverlässig prognostiziert, werden wohl im Zuge erwarteter positiver Unternehmensnachrichten immer mehr Investoren auf den S&T-Zug aufspringen. Börsianer spekulieren hier auf den Aufstieg in den TecDAX.

Intershop: «Hot Stock» für Mutige

Die Intershop Communications (ISIN DE000A0EPUH1), nicht zu verwechseln mit der hierzulande bekannten Intershop Holding, ist in Sachen Wachstum noch im Hintertreffen. Im Startviertel ging der Umsatz sogar um 27 Prozent zurück. Allerdings lag dies an Projektverschiebungen, die nun in den kommenden Monaten abgewickelt werden sollen. Doch es kommen auch gute Nachrichten aus der Firmenzentrale in Jena. Nach jahrelangen Querelen im Vorstand und um den Grossaktionär Ebay hat sich der E-Commerce-Spezialist aus dessen Fängen befreit. Der US-Konzern veräusserte seinen Anteil an Shareholder Value Management AG, einem Frankfurter Vermögensverwalter.

«Die Gesellschaft ist bekannt für eine erfolgreiche Aktienselektion – insbesondere bei Nebenwerten – und auch dafür, dass sie ihre Beteiligungen aktiv begleitet», berichtet ein Branchenkenner. Intershop hat dadurch nicht nur die Möglichkeit, operativ ihr Potenzial voll auszuschöpfen, auch dürfte der neue Grossaktionär der Wertsteigerung der Gesellschaft höchste Priorität einräumen. Die Aktie ist nach Bekanntgabe des Deals bereits etwas angesprungen, musste allerdings nach den Quartalszahlen das Gros der Kursgewinne wieder abgeben. Mutige Anleger nutzen den Taucher zum Aufbau einer ersten Position.