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Nestlé & Co. – Konsum-Branche im Aufwind

Nestle: Die Aktie zählt zu den Top-Konsum-Titeln der Analysten. Keystone

Die Verbraucherstimmung steigt und mit ihr die Kurse der Konsumaktien. Welche Chancen die vier grossen Sektortitel Nestlé, Henkel, Unilever und Tesco bieten.

Von Christian Ingerl
am 12.02.2015

Beinahe senkrecht ging es zuletzt mit den Aktien aus der Konsumgüterindustrie nach oben. Das Sektorbarometer STOXX Europe 600 Consumer Goods legte allein in den vergangenen vier Wochen um 13 Prozent zu und schnitt damit weit besser ab als der Gesamtmarkt. Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Branche derzeit zum Liebling der Börsianer machen. Da sind zum einen die extrem tiefen Zinsen, zum anderen der niedrige Ölpreis. Beides hilft den Konsumenten, Geld zu sparen – fallende Heiz- und Benzinkosten und niedrigere Ausgaben für Finanzierungen. Dieser Mix heizt letztendlich die Verbraucherstimmung an.

Das sieht auch der deutsche Marktforscher GfK Gesellschaft für Konsumforschung so. Der Meinungsforscher prognostiziert für das laufende Jahr einen realen Anstieg des privaten Konsums zwischen 1,0 und 1,5 Prozent für die gesamte EU. Unterdurchschnittlich dazu beitragen, soll der Detailhandel mit einem erwarteten Plus von nur 0,5 Prozent. Ein verändertes Kaufverhalten sowie stagnierende Preise lassen hier kein höheres Wachstum zu. Im Non-Food-Handel sieht es hingegen deutlich besser aus. Der Markt wird im 2015 voraussichtlich um 1,3 Prozent zulegen und sich damit besser entwickeln als im vergangenen Jahr.

Tesco: Ein heisser Turnaroundkandidat

Aber nicht nur die positiven Marktaussichten machen den Sektor interessant. Zahlreiche Branchenvertreter befinden sich aktuell in einer Umbruchphase. Wie zum Beispiel Tesco (ISIN GB0008847096). Die britische Supermarktkette startete jüngst eine Offensive gegen die Discounter, die dem Konzern bereits seit längerem das Leben schwer machen. Der neue Firmen-Chef Dave Lewis setzt den Rotstift an, um Tesco wieder auf Rendite zu trimmen. So sollen die Investitionen halbiert und die jährlichen Kosten um 250 Millionen Pfund gesenkt werden. Zudem werden Geschäftsteile verkauft und Filialen geschlossen.

Auf der anderen Seite reduzieren die Briten für hunderte Markenprodukte die Preise dauerhaft, um wieder mehr Kunden in die Läden zu locken. «Der aktuelle Strategiewechsel und die Sparmassnahmen sind der erste Schritt zu einer Trendwende», gibt sich Lewis zuversichtlich. Börsianer honorieren den Kurs des Tesco-CEOs mit deutlichen Aufschlägen. In den vergangenen vier Wochen steht ein Plus von knapp einem Fünftel zu Buche. Im Langfristchart ist dies aber nur ein kleiner «Zacken» nach oben, denn auf Sicht von fünf Jahren liegt der Titel noch um 40 Prozent im Minus. Tesco ist damit aber eine heisse Turnaroundwette.

Unilever: Möglicherweise Abspaltung von Unternehmensteilen 

Dass Lewis sein Handwerk versteht, hat er bereits beim Konsumgüterriesen Unilever (ISIN NL0000009355) bewiesen. Bevor der neue Tesco-Chef im September den Vorsitz übernommen hat, hatte er bei den Niederländern einzelne Abteilungen auf Erfolg getrimmt. Unilever selbst ist aber längst nicht am Ende im Prozess, das Beste aus sich herauszuholen. Auf operativer Ebene richtet sich das Unternehmen nämlich ebenfalls gerade neu aus.

Dazu möchte Unilever die Sparte «Brotaufstriche» in eine eigenständige Einheit auslagern. Das neue Unternehmen «Baking, Cooking and Spreading» soll bereits Mitte 2015 voll funktionsfähig sein. Marktspekulationen zufolge könnte diese Ausgliederung auch der erste Schritt zu einem Verkauf sein. Trotz der zuletzt eher durchwachsenen Geschäftszahlen zeigt die Aktie, aufgrund der Hoffnung auf eine rosige Zukunft, einen klaren Aufwärtstrend.

Nestlé: Cashflow und Gewinn sollen Fahrt aufnehmen

Geht es um Konsumaktien, darf selbstverständlich Nestlé (ISIN CH0038863350) nicht fehlen. Auch wenn der führende Nahrungsmittelhersteller derzeit unter dem starken Franken leidet – Nestlé erwirtschaftet mehr als 98 Prozent ihrer Erträge im Ausland und konnte die Kursdelle wieder um mehr als zur Hälfte ausbügeln. Einige Experten sehen die Währungseinflüsse als eingepreist und richten ihren Blick wieder in die Zukunft.

«Das Unternehmensportfolio und die Stärke des Geschäfts bleiben attraktiv und bieten Spielraum für weitere Verbesserungen beim Cashflow», formuliert das Analysehaus Bernstein Research seine positive Meinung. Zudem könnten die Valoren durch Aktienrückkäufe über 2015 hinaus Unterstützung bekommen. Auch die Experten von Berenberg zählen Nestlé zusammen mit Henkel derzeit zu den Top-Favoriten. «Die Gewinnentwicklung bei den grossen Nahrungsmittel- und Konsumgüterherstellern dürfte Fahrt aufnehmen», glaubt Analyst James Targett und verweist darüber hinaus auf die hohen Dividendenrenditen.

Henkel: Ein Favorit für 2015

Die deutsche Henkel (ISIN DE0006048408) hat auch J. Safra Sarasin auf dem Radar und verleiht ihr ebenfalls das Prädikat «Favorit für 2015». Der Konzern ist gut diversifiziert und kann so von verschiedenen Konsumtrends profitieren. Rund die Hälfte des Geschäfts entfällt auf das Klebstoffsegment mit Marken wie Pritt oder Pattex. Die zweitgrösste Sparte setzt auf Waschmittel und auf Haushaltspflegeprodukte.

Wie es im Gesamtjahr 2014 gelaufen ist, wird sich am 6. März bei der Bilanzvorlage zeigen. Henkel muss sich dabei an ihrer ausgegebenen Prognose, das bereinigte Ergebnis je Aktie von 2013 bis 2016 durchschnittlich um 10 Prozent pro Jahr zu steigern, messen lassen.«Dank einer guten Kostenkontrolle müssten die ambitionierten Mittelfristziele in greifbare Nähe rücken», meint Sarasin-Analyst Michael Romer.

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