Keine drei Jahre ist Shinzo Abe im Amt. Und doch lässt sich schon jetzt sagen, dass der japanische Ministerpräsident einen Neologismus geprägt hat, der seine Zeit an der Spitze des asiatischen Landes überdauern wird: «Abenomics». Mit dieser Wortneuschöpfung verbindet die Wirtschaftswelt eine extrem lockere Fiskal- und Geldpolitik, mit deren Hilfe Abe Japan aus der Abwärtsspirale von fallenden Preisen und tiefem Wachstum befreien möchte.

Ein Dreh- und Angelpunkt ist die Währung. Seit Ende 2012 gab der Yen in Relation zum US-Dollar um mehr als einen Drittel nach. In der Hoffnung auf eine exportgetriebene Wachstumsphase erlebte auch die Tokioter Börse eine immense Hausse. In der bisherigen Amtszeit Abes hat sich der Nikkei 225 annähernd verdoppelt.

Verbraucher zurückhaltend

Gerade, als der Leitindex über die Marke von 21'000 Punkten ausbrechen wollte, setzte es für die «Abenomics» jedoch einen herben Dämpfer: Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 1,6 Prozent. Anfang 2015 hatte Japan noch ein Wachstum von 4,5 Prozent verzeichnet. Als ein Bremsklotz entpuppte sich der private Konsum. Die für 60 Prozent des BIPs verantwortlichen Ausgaben gingen erstmals seit einem Jahr zurück. Hier machten sich die gestiegenen Lebenshaltungskosten bemerkbar. Trotz des schwachen Yens musste Japan auch fallende Exporte hinnehmen.

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«Wenn der private Konsum weiter schwächelt, dann ist das ein erneuter Rückschlag für die Regierung Abe», kommentierte Hiromichi Shirakawa, Chefvolkswirt für Japan bei der Credit Suisse, die jüngsten Daten. Vor diesem Hintergrund droht der Liberaldemokratischen Partei bei den im kommenden Jahr anstehenden Parlamentswahlen ein Machtverlust. «Das könnte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass zusätzliche Konjunkturprogramme folgen werden», meint der CS-Ökonom. Genau hier liegt eine der zentralen Chancen des japanischen Aktienmarktes. Mit weiteren Stimulierungsmassnahmen respektive einer Ausweitung der ultralockeren Geldpolitik könnte Tokio den Aufwärtstrend wieder in Gang bringen.

Starkes Gewinnwachstum

Der Unternehmenssektor präsentiert sich trotz der jüngsten Konjunkturflaute in einer soliden Verfassung. UBS Wealth Management traut dem marktbreiten TOPIX auf Sicht von zwölf Monaten ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 12 bis 14 Prozent zu. Damit liegt Japan deutlich über dem globalen Mittel. Fumio Nakakubo, regionaler Anlagechef der Grossbank, verweist in einer aktuellen Publikation zudem auf die Ausschüttungspolitik. Unter Ausblendung des Finanzsektors würden die TOPIX-Konzerne Barmittel in der Höhe von umgerechnet rund einer halben Billion US-Dollar horten. Diese immense Summe könnten die Unternehmen nutzen, um ihre Aktienrückkäufe zu forcieren. Dafür spricht auch die jüngste Einführung eines Corporate-Governance-Kodex. Er soll die Gesellschaften dazu motivieren, mehr Aktien zurückzukaufen.

Zu den Konzernen, die bereits Nägel mit Köpfen gemacht haben, zählt Mitsubishi UFJ Financial (ISIN JP3902900004). Die grösste Bank des Landes kaufte eigene Anteilsscheine in einem Volumen von 100 Milliarden Yen oder umgerechnet rund 780 Millionen Franken. Gepaart mit einer starken Geschäftsentwicklung – im abgelaufenen Quartal verdiente das Geldhaus mehr als erwartet – bescherte die Massnahme dem Blue Chip eine deutliche Outperformance: Während der TOPIX im bisherigen Jahresverlauf um knapp einen Fünftel zulegte, dehnte sich der Börsenwert von Mitsubishi UFJ Financial um 31 Prozent aus. Das Gros der Analysten rechnet damit, dass es dabei bleiben wird. Nach Angaben von Reuters lautet das Konsens-Rating auf «Outperform».

Toyota mit Aktienrückkaufprogramm …

Auch bei Toyota (ISIN JP3633400001) heben die Experten mehrheitlich den Daumen. In puncto Performance legte die Autoaktie jedoch nach dem Top von Ende März den Rückwärtsgang ein. Dabei ist das Unternehmen stark in die Fiskalperiode 2015/16 gestartet. Das dritte Mal in Folge meldete Toyota für das Auftaktquartal einen Rekordgewinn. Neben dem eingeschlagenen Sparkurs machte sich einmal mehr die Yen-Abwertung bemerkbar. Hingegen schwächelte der Absatz, er ging von April bis Juni leicht zurück. Gleichwohl hält das Management an den Zielen fest und möchte 2015/16 wie im Vorjahr knapp 10,2 Millionen Fahrzeuge verkaufen.

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Ausserdem soll die operative Marge bei etwas mehr als 10 Prozent verharren. Im Vergleich mit VW, der deutsche Konzern löste die Japaner im ersten Halbjahr als Weltmarktführer mit der grössten Zahl an verkauften Fahrzeugen ab, liegt Toyota hier weit voraus. Volkswagen bezifferte die viel beachtete Kennzahl im zweiten Quartal auf 6,2 Prozent. Derweil treffen die Probleme in China beide Unternehmen. Die Japaner liessen zuletzt durchblicken, dass dieser Markt derzeit wenige Möglichkeiten biete, noch Geld zu verdienen. Der Ausschüttungspolitik kann dies keinen Abbruch tun, auch bei Toyota läuft ein Aktienrückkauf. Gleichzeitig bringt der Blue Chip eine Dividendenrendite von rund 3 Prozent mit.

… und breite Risikostreuung mit einem TOPIX-ETF

Ungeachtet dessen zählt die drohende Wachstumsdelle im Reich der Mitte zu den grössten Gefahren, die sich Anleger mit dem Kauf japanischer Aktien ins Portfolio holen. Streuen lässt sich das Risiko über eine diversifizierte Positionierung. An der SIX ist beispielsweise ein Exchange Traded Fund (ISIN LU0392496773) auf den TOPIX kotiert. Dieser Indexfonds bildet den bereits 1969 eingeführten und mit mehr als 1600 Unternehmen bestückten Börsengradmesser passiv ab. Dafür veranschlagt der ETF-Anbieter Comstage eine jährliche Gesamtkostenquote von 0,45 Prozent.

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