Mario Draghi ist immer für eine Überraschung gut. Diesem Ruf wurde der Chef der Europäischen Zentralbank am gestrigen Donnerstag einmal mehr gerecht. Entgegen allen Erwartungen senkte die EZB ihren Leitzins um zehn Basispunkte auf 0,05 Prozent. In einer Pressekonferenz kündigte Draghi zudem den Kauf von Kreditverbriefungen, im Fachjargon Asset Backed Securities (ABS), sowie von Pfandbriefen an. Damit verstärkt der Italiener den Kampf gegen die Deflation und versucht, das flaue Wachstum in der Eurozone zu stimulieren.

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Die Kapitalmärkte reagierten prompt: Der Euro und die Anleihenrenditen sackten deutlich ab. Nach dieser Steilvorlage aus dem Frankfurter EZB-Tower dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) kaum etwas an ihrer Gangart ändern. Sie veröffentlicht am 18. September die geldpolitische Lagebeurteilung. Zuletzt kamen an den Märkten sogar Mutmassungen auf, wonach die SNB den Mindestkurs von 1.20 Franken je Euro anheben könnte. Fest steht, dass der auf der heimischen Valuta lastende Aufwertungsdruck zugenommen hat. Mit 1.2044 Franken markierte der Euro nach dem EZB-Beschluss den tiefsten Stand seit Ende November 2012. Für viele heimische Exportunternehmen ist diese Entwicklung eine echte Belastung. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Schweizer Konjunktur im zweiten Quartal stagnierte und damit das erste Nullwachstum seit rund zwei Jahren verzeichnet.

Floater – höhere Renditen und Kapitalschutz

Angesichts der skizzierten Gemengelage bewegen sich Anleger mit Euro- und Frankenkonten bis auf Weiteres im «zinsfreien» Raum. Wer nicht auf regelmässige Ausschüttungen verzichten möchte, findet im Markt für strukturierte Produkte aber eine Vielzahl an Investments, die mit vergleichsweise hohen Coupons locken. Einen mit Rentenmarkt-Anlagen durchaus vergleichbaren Charakter zeigen die sogenannten Floater: Zum Laufzeitende ist die Rückzahlung des Nominalbetrages garantiert. Der Coupon ist in der Regel an einen bestimmten Referenzzinssatz gekoppelt. Da sich dieser nicht selten nahe bei null bewegt, leisten die Banken gewöhnlich eine Mindestzahlung – den Floor.

Neben Produktwährung und -laufzeit ist die Bonität des Emittenten für die Konditionen eines solchen Floored Floaters massgebend. Schliesslich handelt es sich bei strukturierten Produkten rechtlich um Inhaberschuldverschreibungen. Daher ist die Tilgung an die Kapitalkraft des jeweiligen Anbieters gekoppelt. Floater-Zertifikate sind allerdings häufig auf dem SIX-Segment «COSI» kotiert. Dabei wird das Emittentenrisiko mittels einer Pfandbesicherung weitestgehend ausgeschlossen. Um die Konditionen aufzupeppen, greifen die Banken gerne auf eine Referenzanleihe zurück. Dabei nimmt der Investor die Ausfallgefahr eines weiteren Schuldners in Kauf. Als Kompensation für dieses Risiko erhält er einen höheren Coupon.

Neuemissionen: Mehr oder weniger Zins – die Referenzanleihe ist entscheidend

Vontobel lanciert gerade eine Serie an Floored Floaters. Bis zum 22. September stehen die Produkte in Franken respektive Euro in der Zeichnung. Gleichzeitig bietet die Privatbank die Wahl zwischen zwei verschiedenen Referenzanleihen. Umfasst die Struktur eine Obligation der Banco Brasil, beläuft sich der Mindest-Coupon in der Franken-Variante auf 1,1 Prozent p.a. 20 Basispunkte mehr schüttet die Emittentin aus, sobald der Floater mit einem Bond des US-Bürospezialisten Staples kombiniert wird. Hoffnung auf eine höhere Ausschüttung sollten sich Anleger vorerst nicht machen: Der dem Produkt zugrunde liegende Dreimonats-Franken-Libor liegt aktuell bei 0,018 Prozent. Damit der Referenzzins den Floor bis zum Laufzeitende in fünf Jahren überbieten könnte, müsste die SNB einen drastischen Kurswechsel einschlagen.

Floored Floater auf Dreimonats-Franken-Libor (ISIN CH0241728440)

1,3 Prozent p.a. beträgt der Mindestcoupon dieser Neuemission. Zum Laufzeitende im September 2019 garantiert die Bank Vontobel den 1000 Franken betragenden Nominalwert vollständig. Für zusätzliche Sicherheit sorgt der Pfandmechanismus «COSI». Die Emittentin hat in die bis zum 22. September in der Zeichnung stehende Struktur eine Referenzanleihe des US-Unternehmens Staples eingewoben.

Floored Floater auf Dreimonats-Euribor (ISIN CH0241728457)

In der Produktwährung Euro kann die Bank Vontobel deutlich höhere Mindestausschüttungen offerieren. Bei identischer Laufzeit und Referenzanleihe beträgt der Floor 1,75 Prozent p.a. Ein Blick auf die aktuellen Geldmarktkonditionen erklärt den Unterschied zum Teil: Der Dreimonats-Euribor notiert bei 0,15 Prozent und damit rund 13 Basispunkte über dem Franken-Libor mit identischer Laufzeit.

Floored Floater auf Dreimonats-Franken-Libor (ISIN CH0242045406)

Die Referenzanleihe dieses Produkts kommt von der Raiffeisen Bank International. Vorausgesetzt, das österreichische Institut gerät nicht in Schieflage, zahlt Leonteq den Nominalwert im September 2019 vollständig zurück. Eine Pfandbesicherung ist bei dieser Emission nicht vorgesehen, der Anleger trägt also auch das volle Emittentenrisiko. Quartalsweise erhält er im Gegenzug den Coupon von mindestens einem Prozent p.a. Mehr gibt es nur, falls der Referenzzinssatz über den Floor klettern sollte.

Capped Floored Floater auf Dreimonats-US-Dollar-Libor (ISIN CH0249031722)

Die Credit Suisse schüttet auf den Nominalwert von 1000 US-Dollar mindestens 1,60 Prozent p.a. aus. Steigt der Referenzsatz von aktuell 0,23 Prozent über diese Marke, profitiert das Produkt bis zum Cap davon. Den Höchstbetrag taxiert die Credit Suisse auf 6 Prozent p.a. Per September 2021 besteht ein vollständiger Kapitalschutz. Neben der relativ langen Laufzeit sorgt der Zinsvorsprung des Dollarraums für die vergleichsweise hohe Minimumausschüttung dieser Neuemission.