Das ist ein Witz! Auf Finanzseiten im Internet sind per heute, Freitag, Neuemissionen von Obligationen mit Zinsen von 0,0 Prozent, bei einer Laufzeit von zwei Jahren, wie etwa bei einer Anleihe der Bundesrepublik Deutschland. Eine Emission der Zürcher Kantonalbank bietet auch nur einen Coupon von 0,125 Prozent, hat dafür aber eine Laufzeit von zehn Jahren! Spitzenreiter der aktuellen Neuemissionen mit einem Coupon von 2,0 Prozent, bei einer Laufzeit von fast vier Jahren, ist die deutsche HSH Nordbank. Könnte man da vielleicht noch über eine Zeichnung nachdenken – aber auch nur, wenn man viel Kurssteigerungsphantasie mitbringt –, so sind die anderen beiden Titel eher nur der etwas weniger gefährliche Ersatz für Bargeld unter dem Kopfkissen.

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Die Nullzinspolitik der Notenbanken ist ein Desaster, und auch, wenn der Staat bei seinen Zinslasten für Schulden derzeit einen guten Schnitt macht und es auch günstige Kreditkonditionen für Verbraucher oder Hypotheken gibt, – in der Summe sind die tiefen Zinsen eher ein Minusgeschäft für ein Land.

Nullzins – ein Verlustgeschäft, …

Das hat kürzlich die Frankfurter DZ Bank für Deutschland errechnet. Die Einsparungen durch Nullzinspolitik der Notenbanken sehen folgendermassen aus: Nach Berechnung der Banker sparten sich die Deutschen zwischen 2010 und 2016 wegen der Niedrigzinsen 144 Milliarden Euro an Zinslasten. Dem stehen allerdings Einbussen im selben Zeitraum durch geringere Sparerträge – beispielsweise für Lebensversicherungen – in der Höhe von 343 Milliarden Euro gegenüber. Insgesamt machen die Bürger dadurch ein Verlustgeschäft infolge Niedrigzins im genannten Zeitraum von 199 Milliarden Euro. Je Bundesbürger sind das 2500 Euro seit 2010.

Andererseits spart natürlich der deutsche Staat wegen der günstigeren Finanzierungskonditionen Geld. Nach eigenen Angaben der deutschen Bundesregierung lag die Ersparnis zwischen 2008 und 2015 bei 100 Milliarden Euro. Berücksichtigt man die Verluste der Bürger, so ergibt sich daraus summa summarum immer noch ein Negativgeschäft von etwa 100 Milliarden Euro.

… dennoch sind üppige Renditen möglich

Prozentual ähnliche Verlustverhältnisse dürfte es auch in der Schweiz geben. Sie als Anleger müssen das aber nicht hinnehmen. Denn, auch wenn Bundesobligationen keinen Ertrag mehr bringen und auch viele andere Festverzinsliche so gut wie nichts mehr abwerfen, – wer genau hinsieht, findet doch gelegentlich noch Bonds, die mehr bringen als den Inflationsausgleich.

Bei Heideldruck beispielsweise gibt es 7 Prozent Zins pro Jahr, bei Fiat Chrysler sind es 5 Prozent und bei Air Berlin sogar 16 Prozent. Allerdings: Höhere Renditen und Chancen sind in der Regel auch mit grösseren Risiken verbunden. Bei Obligationen ist das ein grösseres Verlustrisiko in Form von Zahlungsausfällen bei Zins und Tilgung.

Rating und Bonität – ein Kompass für Anleger

Dieses Risiko bewerten Ratingagenturen wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch mit verschiedenen Benotungsstufen für den jeweiligen Emittenten. Für Anleger ist das eine Orientierungshilfe, um die Gefahr von Zahlungsverzug oder gar Zahlungsausfällen besser einschätzen zu können.

Bei allen drei Agenturen sind Ratings mit dreimal A die besten – nur wenige Staaten, wie beispielsweise die Schweiz, halten diese Bestnote. Dann kommen Abstufungen hin bis zu nur noch einem A, von dort zu B in verschiedenen Varianten. Ab ba1 oder BB+ folgt dann der Bereich des nicht mehr Investmentgrade – also von spekulativen Anlagen, bei denen bei einem Abgleiten der Konjunktur eine Verschlechterung der Zahlungssicherheit möglich ist. B1 oder B+ sind schon hochspekulativ, mit hohem Risiko von Zahlungsausfällen. Emittenten mit einem C-Rating sind noch riskanter, dort gibt es teilweise schon Zahlungsverzug oder dieser kann nur unter günstigen Bedingungen vermieden werden.   

Heideldruck – da läuft ein Turnaround, möglicherweise wird der Bonds klar zu günstig sein

Allerdings: Hohe Renditen bei einer Reihe von Unternehmens-Bonds bedeuten noch lange nicht, dass Anleger dort Geld verlieren müssen. Viel hängt oft von der Stimmung ab – fällt der Kurs des Bonds, etwa wegen schlechter Unternehmensmeldungen, dann steigt automatisch die effektive Rendite bei fixem Coupon. Denn der Nominalzins bezieht sich auf einen Obligationenkurs von 100 Prozent. Notiert die Anleihe nur bei 80 Prozent, dann ist die Rendite entsprechend um 25 Prozent höher.

Trotz eines Emittenten-Ratings nur von B3 – hochspekulativ – und einem Rating der Anleihe des Unternehmens sogar im C-Bereich, scheint der Firmenbonds von Heidelberger Druckmaschinen doch nicht so spekulativ zu sein, wie das Rating und auch der hohe Zins im Moment noch widerspiegelt. So schaffte der SDAX-Konzern aus Deutschland im vergangenen Jahr den Turnaround, und das Management beim Druckmaschinenhersteller blickt zuversichtlich in die Zukunft. Renditejäger greifen deshalb beim Firmenbonds von Heideldruck zu (ISIN: DE000A1KQ1E2, Rendite bis zum Laufzeitende am 15.4.18 rund 7,0 Prozent pro Jahr).

Zahlungsausfälle sind schlecht fürs Image und ein Bonds von Fiat Chrysler

Was Ratings nämlich nicht aussagen: Grosse oder zumindest sehr grosse mittelständische Konzerne wie Heideldruck können sich einen Zahlungsausfall bei ihren Obligationen kaum erlauben. Dann nämlich wäre künftig der Weg zu dieser Finanzierungsform massiv beschränkt. Wer würde schon Bonds von Firmen zeichnen, die vor kurzem eine Emission nicht oder nur zum Teil bedient haben?

Vor diesem Hintergrund ist auch ein vergleichsweise nicht optimales Rating bei Fiat Chrysler zu betrachten. So kommt sowohl der Emittent wie auch der Bonds auf ein Rating nur von B1 und B2, was damit eindeutig nicht Investmentgrade ist. Aber auch Fiat Chrysler dürfte aus Imagegründen alles daran setzen, künftig ihre Bonds pünktlich zu bedienen. Eine jährliche Rendite von rund 5,0 Prozent scheint bei der Obligation (ISIN: USN31738AB82, Laufzeit bis 15.4.23) deshalb ein guter Kaufgrund zu sein.

Air Berlin – etwas riskant, aber es gibt kurzfristige Kurschancen

Möglicherweise deutet auch die hohe Rendite einer Obligation von Air Berlin nicht auf eine extreme Bonitätsschwäche, wie auf den ersten Blick zu befürchten ist. Die Effektivverzinsung des Bonds (ISIN: XS1051723895, Laufzeitende 9.5.19) liegt immerhin bei rund 16 Prozent, und der Kurs der Anleihe liegt mit 75 Prozent weit unter dem Rückzahlungssatz von 100. Angesichts eines hohen Verlusts im vergangenen Jahr könnte es sein, dass die Fluggesellschaft früher oder später bei den Zins- und Tilgungsdiensten Probleme bekommen wird. Aber schon kleine operative Besserungen im Fluggeschäft könnten den Kurs des Bonds nach oben hieven und die Rückzahlungsperspektiven klar verbessern. Die Anleihe ist eben spekulativ – und da gibt es neben hohen Renditen auch die Chance auf schnelle Kursgewinne.