Ob das jetzt auf Bill Gross zurückgeht oder nicht, sei dahingestellt. Auf jeden Fall gab der deutsche Bund-Future als Barometer für das Kursniveau langlaufender deutscher Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren am Mittwoch deutlich nach. Der Future fiel dabei von 160 auf rund 159 Prozent. Das war der grösste Kursverlust des Obligationen-Indikators seit Anfang März. Erst vor einer Woche hatte der Index sein Allzeithoch bei 160,6 Prozent erreicht. Deutsche Rentenpapiere notieren damit auf der einen Seite kursmässig auf Rekordniveau, die Zinsen auf der anderen Seite sind so tief wie nie zuvor.

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Bill Gross hatte, als der renommierteste Bonds-Experte weltweit, am Dienstag via Twitter die Ansicht geäussert, der Bund-Future sei eine einmalige Gelegenheit für eine Short-Spekulation, also eine Wette auf fallende Kurse.

Ultralockere Geldpolitik und Bonität

Weshalb dieser Rat kommt, liegt auf der Hand: Der Bund-Future lief rund ein Jahrzehnt lang zwischen 1998 und 2008 in einer Spanne zwischen 100 und 120 Prozent, doch seit fünf Jahren zieht es den Indikator infolge der Unsicherheit über die Bonität vieler Euro-Länder und auch wegen der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beständig nach oben. Zum einen sorgen tiefe Leitzinsen auch für fallende Zinsen bei Staats-Bonds und entsprechend für steigende Kurse, zum anderen war die Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen als sicherer Hafen in den letzten Jahren beständig hoch. Auch das bringt höhere Kurse und bei fixem Coupon entsprechend fallende Zinsen.  

Nach Ansicht des Bondsexperten Gross dürfte damit aber bald Schluss sein. Der Investor erwartet Kursrückgänge bei deutschen Bonds, wenn die Probleme der Eurozone gelöst werden, und er hält deutsche Renten im Vergleich zu US-Bonds ohnehin auch für überbewertet.

Deutsche Staatsanleihen – das Kurspotenzial ist ziemlich ausgeschöpft

Nicht nur von Kursrückgängen, sondern sogar von einem Crash am Bondsmarkt, warnen Experten immer wieder. Denn angesichts der aktuellen Zinsen auf Nullniveau werfen Staatsanleihen zum einen keine Rendite mehr ab, zum anderen dürfte das Kurssteigerungspotenzial ziemlich ausgeschöpft sein. Und das war für viele Investoren bisher die einzige Hoffnung auf Gewinn. Weitere Kurssteigerungen wären jetzt aber nur noch bei zunehmend negativen Renditen drin.  

Gut möglich, dass Gross recht behält und schon bald mehr und mehr Anleger insbesondere den sicheren Hafen deutscher Staatsbonds verlassen werden. Dabei dürften die Tage extrem hoher Bewertung am deutschen Rentenmarkt ohnehin gezählt sein, denn den jüngsten Schub hat es dort Mitte Januar nach Ankündigung des Ankaufsprogramms für Bonds durch die EZB gegeben. Das Programm ist aber begrenzt bis September 2016. Spätestens, wenn der Kaufdruck am Rentenmarkt seitens der Notenbank dann nachlässt, ist mit fallenden Bonds-Kursen und mit wieder steigenden Zinsen zu rechnen.

Grosse Chancen, geringe Risiken

Mit seiner Aussage, ein Short auf den Bund-Future sei eine einmalig gute Gelegenheit, dürfte Gross damit ziemlich richtig liegen. Denn weil in nicht absehbarer Zeit eher mit fallenden Kursen bei deutschen Renten und damit beim Bund zu rechnen ist, dürfte kaum noch Kurspotenzial vorhanden sein. Den klaren Gewinnchancen stehen damit eher nur sehr geringe Verlustrisiken entgegen.

Etwas risikofreudige Anleger, die davon ausgehen, dass Gross richtig liegt und dass der Bund Future maximal nur noch geringfügig über sein bisheriges Hoch steigen kann, wählen einen Put mit einem Knock-out nicht allzu weit über dem aktuellen Future-Kurs und mit hohem Hebel (ISIN: DE000TD097M6, Laufzeit endlos, Knock-out und Basispreis jeweils 163,2652, Hebel 38,0, Bezugsverhältnis 1:1). Fällt der Bund Future beispielsweise wieder auf das Niveau von Anfang Januar im Bereich von 156 Prozent, also um etwa vier Prozentpunkte, entsprechend 400 Basispunkten, würde sich der Put im Kurs in etwa verdoppeln. Bei einem Rückgang des Future um rund zehn Prozentpunkte auf 150 Prozent wäre eine Verdreifachung möglich.

Staatsanleihen – raus aus dem Depot!

Wer etwas weniger riskieren will, wählt einen Put mit etwas höherem Knock-out und entsprechend geringerem Hebel (ISIN: DE000TD187L7, Laufzeit endlos, Bezugsverhältnis 1:1, Knock-out und Basis jeweils 166,7695, Hebel 20,7). Bei einem Kursrückgang des Future auf 156 Prozent wären aber auch hier noch rund 50 Prozent Gewinn drin, bei einem Stand von 150 Prozent im Bund Future sogar die Verdopplung.

Staatsbonds – dazu zählen auch Schweizer Bundesobligationen – sollten Anleger ohnehin nicht mehr im Depot halten. Denn kommt der Crash bei deutschen Bundesanleihen, dürfte das auch an Schweizer Obligationen nicht spurlos vorübergehen und fallende Kurse bringen.