Selten waren die geldpolitischen Massnahmen der führenden Notenbanken so unterschiedlich und so schwierig einzuschätzen wie im aktuellen Umfeld. Gerade sicherheitsorientierte Anleger, die traditionell auf  festverzinsliche Geldanlagen, insbesondere in Staatsanleihen, vertrauen, stehen vor einem Dilemma: Galten Staatsanleihen aus Industrieländern lange Zeit als «sicherer Hafen» mit stabilen Erträgen, so zeigt die Euro-Staatsschuldenkrise, dass auch Staatsanleihen sehr wohl ein Risiko enthalten können. Mit der expansiven Geldpolitik lassen sich nach Abzug der Inflation zudem bei europäischen Staats-Bonds kaum mehr positive Renditen erzielen, teilweise sind sie aktuell sogar im negativen Bereich.

Im laufenden Jahr wird die unterschiedliche Geldpolitik der verschiedenen internationalen Zentralbanken die Anleihenmärkte weiterhin stark beherrschen. Das Halten hoher Liquidität wirkt sich durch die niedrigen Zinssätze für Anleger negativ aus, obwohl viele gerne in Anleihen investieren würden. Durch die Komplexität der Geldpolitik und ihre Auswirkungen sind jedoch viele Investoren verunsichert.

Mögliche Lösungsansätze

Ein Lösungsansatz stellt aus unserer Sicht die Reduzierung und Umverteilung der hohen angesammelten Liquidität in einen flexiblen Anleihenansatz dar, bei dem die Risiken der verschiedenen Anleihenmärkte eingeschätzt werden können, aber auch deren Möglichkeiten genutzt werden. Die Umsetzung eines flexiblen Anleihenansatzes setzt voraus, dass man nicht streng an einem Vergleichsindex festhält, da eine nahezu identische Abbildung des Index mit einer Konzentration von Risiken einhergehen kann. So sind oftmals die Risiken der Titel innerhalb eines Vergleichsindex ähnlich und können so zu einem Klumpenrisiko führen. Beispielsweise bilden in einem Index mit Fokus auf Staatsanleihen die Zinsrisiken und die Bonität der Staatsanleihen die grössten Risiken. Betrachtet man den vielfach genutzten Vergleichsindex Barclays Global Aggregate Bond Index, so sieht man, dass sich 80 Prozent des Risikos auf die Duration (die sogenannte mittlere Kapitalbindungsdauer) konzentriert. Mit der Möglichkeit, die Duration zu verkürzen oder sogar eine negative Duration einzugehen, lassen sich die genannten Zinsrisiken effizienter steuern und teilweise sogar immunisieren.

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Neben der Vermeidung von Klumpenrisiken bietet aber auch die Ertragsseite bei einem flexiblen Ansatz mehrere Möglichkeiten. So können bei der Loslösung von einem Vergleichsindex verschiedene Selektionskriterien für Wertpapiere miteinander kombiniert werden. Als eine Folge kann die Auswahl von Anleihen auf Basis der Einschätzungen auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene (Top-down-Ansatz) mit Einschätzungen auf Unternehmens- oder Länderebene (Bottom-up-Ansatz) kombiniert werden, um Ertragsquellen aufzuspüren und auszunutzen. 

André Bantli, Head Distribution BlackRock Schweiz