Seit einiger Zeit verzeichnen die Obligationenfonds anhaltende und hohe Mittelzuflüsse. In der Schweiz waren es seit dem Jahresbeginn bis Ende April gegen 10 Milliarden Schweizer Franken. Die Obligationenfonds stellen hierzulande mit rund 275 Milliarden Schweizer Franken und einem Marktanteil von rund einem Drittel die zweitgrösste Fondskategorie dar. Eigentlich ein Paradox, werfen doch viele Staats-Bonds keine Zinsen mehr ab und steckt doch auch in dieser Fondskategorie ein Ausfallrisiko. Diese spezielle Entwicklung ist auf europäischer Ebene ebenfalls zu beobachten.

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Ein wesentlicher Treiber für wenig rentierende Langfristbonds einiger EU-Staaten ist mit Sicherheit das Quantitative-Easing-Programm der Europäischen Zentralbank, die den europäischen Obligationenmarkt praktisch leergekauft hat. Viele Anlagestrategen warnen aber vor einer drohenden Blasenbildung im Obligationenbereich. Nichtsdestotrotz kaufen Investoren nach wie vor Staatsanleihen, weil sie wohl von anhaltend tiefen oder gar von noch tieferen Zinsen ausgehen.

Blase bei Staatsobligationen – es fehlen Erfahrungswerte

Auch besser rentierende und risikoreichere Obligationenpapiere werden nachgefragt auf der fast schon verzweifelten Suche nach höheren Renditen. Eine Staatsanleihenblase hatten wir bis anhin noch nie, und somit fehlen auch die entsprechenden Erfahrungswerte. Klar ist hingegen, dass in einem solchen Umfeld steigende Zinsen und der mögliche Verzicht der Zentralbanken auf weitere Lockerungsprogramme massive Folgen für die Finanzmärkte und Volkswirtschaften haben werden, denn Staatsanleihen spielen derzeit eine zentrale Rolle im Finanzsystem. Die Anlegerinnen und Anleger sollten deshalb gerade auch im Obligationenbereich mit Vor- und Umsicht agieren.     

Markus Fuchs, Geschäftsführer der Swiss Funds & Asset Management Association SFAMA