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Ausblick
Öl: «Die Situation im Nahen Osten ist brandgefährlich»

Öl: «Die Situation im Nahen Osten ist brandgefährlich»
Saudi-Arabien: Die Lage im Nahen Osten wirkt sich auf den Ölpreis aus. MCT/Kontributor/Getty Images

Anleger erwarten 2018 ein gutes Jahr für Aktien und Anleihen, sagt Experte Burkhard Varnholt. Viele würden auf einen günstigen Einstieg warten. Was den Ölpreis bewegt und welche Firmen überzeugen.

Von Julia Fritsche
2017-11-10

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Burkhard Varnholt*: Gegenwärtig treffe ich zahlreiche Anleger – institutionell und private. Der Gesamteindruck ist: die meisten sind «unterinvestierte Bullen». Mit anderen Worten, sie erwarten 2018 ein gutes Jahr für Aktien und Anleihen und bedauern, immer noch auf zu hohen Cash- oder Anleihen-Positionen zu sitzen, mit denen sie auf einen günstigen Einstieg warten. Daraus ergeben sich drei zentrale Fragen für Investoren und Finanzmärkte: Erstens, lohnt es sich heute noch, in Aktien zu investieren? Zweitens, wie lange unterstützt die Geldpolitik noch die Risikonehmer? Und schliesslich drittens, könnte Inflation oder eine Korrektur der Kapitalmarktrenditen das Bild trüben?

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Kurzfrist-Prognosen stiften in der Vermögensverwaltung nur begrenzt Nutzen. Wichtiger ist die laufende Optimierung von Gesamtportfolios und die Kalibrierung der bestehenden Risiken und Prämien auf das aktuelle Marktumfeld. Die Möglichkeit einer erneuten Aufwärtsbewegung an der Schweizer Börse ist mit den starken Fundamentaldaten, der Schwäche des Frankens und der hohen Investoren-Liquidität nochmals gestiegen.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Unsere Prognose sieht den SMI dann bei 9940 Punkten.

Schweizer Unternehmen präsentieren momentan ihre Quartalszahlen – wer hat bei Ihnen einen starken Eindruck hinterlassen?
Drei Unternehmen sind besonders positiv aufgefallen. Georg Fischer fällt mit starkem Wachstum in allen Segmenten auf, teilweise ist dies vom starken Wirtschaftswachstum getrieben. Der beste Performer im Schweizer Telekommarkt ist aktuell Sunrise. Optimistisch stimmt, dass es dem Unternehmen gelungen ist, Marktanteile zu gewinnen. Zuletzt führt Straumann das Wachstum fort und erschliesst neue Märkte.

Der Nikkei springt von Hoch zu Hoch. Wo ist die Decke?
Der Nikkei dürfte noch weiter steigen. Er zählt zu unseren favorisierten Märkten und wir schätzen die Gewinndynamik, die Bewertungen und die expansive, japanische Geldpolitik als sehr hilfreich für japanische Aktien ein.

Donald Trump zeigt sich verärgert über das Handelsdefizit der USA mit Japan. Was ist dran am Vorwurf an die Adresse Japans?
Es scheint vor allem diplomatische Rhetorik zu sein. In seinem ersten Jahr hat Donald Trump nicht den befürchteten Handelskrieg mit Asien gezündet. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das nun tun wird, ist angesichts der drängenderen Probleme (Nordkorea) und der guten Wirtschafts- und Börsenlage unwahrscheinlich.

Welcher Faktor hat zurzeit besonders grosse Auswirkung auf den Ölpreis und was heisst das für die nächsten Monate?
Die Situation im Nahen Osten ist brandgefährlich. Das Abtauchen des libanesischen Premierministers in Saudi-Arabien, die verbale Eskalation seines alten Konfliktes zum Iran und die tragische Gewaltspirale in Jemen verheissen nichts Gutes. Der Stellvertreter-Konflikt in Syrien könnte rasch weitere Länder der Region mitziehen. Sollte diese Spirale von Gewalt und Konflikt im Nahen Osten weiter eskalieren, wird der Nahe Osten das «Zünglein an der Waage» sein, welches den Ölpreis kurzfristig bewegt.

*Burkhard Varnholt ist Anlagechef der Swiss Universal Bank und Vize-Chef des Global Investment Committee der Credit Suisse.

 

 

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