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Öl, Euro, Übernahmen – Papier- und Verpackungsaktien im Visier

MeadWestvaco: Die Fusion mit Rock-Tenn sorgt für gute Stimmung am MWV-Firmensitz in Richmond. Keystone

Der europäische Papier- und Verpackungssektor profitiert nicht nur vom billigen Öl und Euro, sondern bietet auch Übernahmephantasie. Dabei sind viele Branchenvertreter noch moderat bewertet.

Von Jürgen Büttner
am 29.01.2015

Öl war monatelang im freien Fall, der Euro ist gegenüber dem Dollar schon 2014 unter die Räder gekommen und rutscht weiter ab. Börsianer fragen sich, wer zu den Gewinnern zählt, und Analysten rechnen sich die Finger wund dazu, welche Branchen und Aktien von diesen Preisverschiebungen besonders profitieren könnten.

Eindeutig als einer der Gewinner kristallisieren sich die europäischen Vertreter aus der Papier- und Verpackungsindustrie heraus. Die Unternehmen des Sektors freuen sich nicht nur über niedrigere Energiekosten, was sich in niedrigeren Produktions- und Transportkosten niederschlägt, sondern sie profitieren auch beim Export vom schwachen Euro.  

Sektor mit Übernahmephantasie

Im aktuellen Umfeld sind obendrein verstärkte Fusionsaktivitäten in der Branche zu erwarten, was reichlich Übernahmephantasie mit sich bringt. Als Beleg für diese These dient die im Dezember für den isländischen Konkurrenten Promens Group vorgelegte Kaufofferte des britischen Anbieters von starren Kunststoffverpackungen, RPC Group.  

Bei der US-Investmentbank Jefferies haben die zuständigen Analysten Justin Jordan und Cole Hathorn vor dem Hintergrund dieser günstigen Rahmendaten im Vorfeld der Berichtssaison ihre Kursziele für einige europäische Branchenvertreter erhöht. Zudem rechnen sie in der aktuellen Quartalssaison mit ansprechenden Ergebnissen. In den nächsten vier Wochen werden elf europäische Sektor-Mitglieder ihre Zahlen vorlegen.

Smurfit Kappa – günstige Bewertung

Als Top-Empfehlungen stellen die Analysten von Jefferies die irische Smurfit Kappa Group heraus. Beim Produzenten von papierbasierten Verpackungen (ISIN: IE00B1RR8406) rechnen die Experten für 2015 und 2016 mit Gewinnsteigerungen von 14,2 und 9,3 Prozent. Eine Aussicht, die den Kurs zuletzt schon auf neue Rekorde getrieben hat. Die Aktie konnte dadurch aus ihrem mittelfristigen Seitwärtstrend ausbrechen und so ein klares Kaufsignal generieren. Das Unternehmen will seine Zahlen am 11. Februar veröffentlichen.

Jefferies prognostiziert beim 2014er-Gewinn 1,51 Euro je Aktie und erwartet für 2015 einen Anstieg auf 1,72 und für 2016 auf 1,87 Euro. Auf der Basis von 2015 ergibt sich daraus ein moderates und im Branchenvergleich günstiges 12er-KGV.  

Mondi plc – starke Bilanz

Ähnlich gut gestaltet sich die Ausgangslage bei Mondi plc (ISIN: GB00B1CRLC47). Der Aktienkurs des Papier- und Verpackungsmittelherstellers mit Doppelsitz in London und Johannesburg ist längere Zeit nur auf der Stelle getreten, hat aber den Seitwärtstrend vor zwei Wochen mit einem Sprung auf ein Allzeithoch hinter sich gelassen. Der Kursanstieg ist auch fundamental durch die laut Jefferies höchste Kapitalrendite im Sektor untermauert worden. Dazu besteht wegen der starken Bilanz die Chance auf Kapitalrückzahlungen an die Aktionäre oder auf Übernahmen.

Trotz der Probleme, die sich derzeit aus den Russland-Aktivitäten des Unternehmens ergeben, sieht Jefferies keinen Grund, an den Ergebnisprognosen zu rütteln. Jefferies sieht ein 2015er-KGV von 14,6 und billigt dem Titel noch rund 15 Prozent Kurspotenzial bis 13,25 zu. 

RPC Group – positive Impulse durch Übernahme von Promens  

Mit günstiger Bewertungsrelation sowie einem starken freien Cashflow kann RPC Group (ISIN: GB0007197378) aufwarten. Der Produzent von starren Kunststoffverpackungen, der über einen guten Produktmix verfügt und der vielleicht von der Aussicht auf sinkende Harzkosten profitieren wird, verdient laut Deutsche Bank in diesem Jahr 0,40 britische Pfund je Aktie, im nächsten Jahr könnten es 0,47 Pfund sein. Für 2016 ergibt sich daraus ein geschätztes KGV von 11,6.

Bei einer attraktiven Dividendenrendite von rund 3 Prozent halten die Analysten der Deutschen Bank Kurse von 6,30 Pfund – rund 20 Prozent Potenzial – für gerechtfertigt. Die Experten erwarten auch aus der Übernahme der Promens Group positive Impulse.

Rock-Tenn – Fusion mit MeadWestvaco beflügelt

Trotz aktueller operativer Nachteile durch den festen Dollar, präsentieren sich auch Vertreter der US-Papier- und Verpackungsindustrie in einer guten Verfassung. Mit dem aktuellen Sprung aus der Trading Range kann beispielsweise Rock-Tenn Co. (ISIN: US7727392075) aufwarten. Beflügelt hat dabei die vor kurzem eigefädelte Fusion mit dem Konkurrenten MeadWestvaco. Dieser Zusammenschluss wird als sinnvoll eingestuft, und es entsteht eine grosse Gesellschaft, mit einem Umsatz von 15,7 Milliarden Dollar.

Noch vor der genannten Fusion hielten die Analysten von Citigroup für den Hersteller von Faltschachteln, Wellpappe-Verpackungen und POS-Displays Kurse von 72 Dollar für gerechtfertigt. Wegen sinkender Produktionskosten und einer stärkeren Nachfrage in Nordamerika wurden die Gewinnschätzungen für 2015 von 3,80 auf 4,00 Dollar und für 2016 von 4,26 Dollar auf 4,50 Dollar angehoben. 2017 sollen es 4,85 Dollar sein. Mit einem 14er-KGV auf Basis 2016 ist die Aktie nicht sonderlich teuer.

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