Der aktuelle Preisrückgang am Ölmarkt scheint so manches Researchhaus auf dem falschen Fuss zu erwischen. Jedenfalls senkten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit Citigroup, DNB, J.P. Morgan und Société Générale allein seit Anfang August vier Institute ihre Prognosen für das Schwarze Gold. Noch vor drei Monaten deutete vieles daraufhin, als könne der Energieträger nach einem herben Ausverkauf wieder Boden gutmachen.

Beispielsweise klopfte Brent-Öl im Mai an der Marke von 70 US-Dollar je Barrel und notierte damit um gut drei Viertel über dem Anfang Jahr erreichten Mehrjahrestief von 39,06 Dollar. Mittlerweile ist der Preis aber wieder deutlich unter die 50er-Marke abgetaucht. Einen ähnlichen Verlauf zeigt WTI, wobei die US-Gattung bereits so günstig zu haben ist wie zuletzt im Frühling 2009.

Globale Ölschwemme …

Zentraler Auslöser des jüngsten Preisrücksetzers sind die globalen Angebotsdaten. Die ursprüngliche Korrektur hat Kratzer beim US-Schiefergasboom hinterlassen. Im September könnte die Produktion in den Staaten laut einer Prognose der Energiebehörde EIA den fünften Monat in Folge fallen. Dennoch sind die Tanks weiter prall gefüllt. «Trotz des kontinuierlichen Lagerabbaus seit Mai liegen die US-Rohöllagerbestände noch immer um knapp 100 Millionen Barrel über dem langjährigen Durchschnitt», stellen die Rohstoffanalysten der Commerzbank fest. Hinzu kommt, dass die Organisation erdölexportierender Länder ihren Marktanteil offenbar mit aller Macht verteidigen möchte. Im Juli förderte die OPEC im Durchschnitt pro Tag 31,5 Millionen Barrel. Damit haben die zwölf Mitgliedsländer ihre Produktion gegenüber dem Niveau des vergangenen Jahres um 4,8 Prozent erhöht.

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Kurzfristig ist allein wegen der weltweit zunehmenden Konjunktursorgen kaum mit einer Preiserholung zu rechnen. Zudem neigt sich in den USA die Sommerfahrsaison ihrem Ende zu. Die darauffolgende nachfrageärmere Zeit nutzen viele Raffinerien für Wartungsarbeiten. Nach Ansicht der Citigroup dürfte die Instandhaltungsphase die Lagerbestände weiter aufblähen. «Das Produktionswachstum im Iran und im Irak sollte dies verschärfen», ergänzen die Experten. Die schwachen Fundamentaldaten veranlassten die US-Bank dazu, an der eigenen Preisprognose Hand anzulegen. Bei Brent-Öl taxiert die Citigroup den Durchschnittswert für 2015 jetzt auf 54 US-Dollar je Barrel, während sie die Nordseesorte im kommenden Jahr bei 53 Dollar sieht. Für WTI erwarten die Analysten sowohl im laufenden Jahr als auch im 2016 einen mittleren Kurs von 48 Dollar.

… und starke Preisausschläge bei Schwarzem Gold

Behalten die Experten Recht, wird sich der Ölmarkt auf mittlere Sicht stabilisieren. Auf ein solches Szenario sind Renditeoptimierungsprodukte, allen voran der Barriere Reverse Convertible (BRC), ausgerichtet. Für diese Struktur spricht im aktuellen Umfeld auch die hohe Volatilität beim Schwarzen Gold. Im bisherigen Jahresverlauf zeigen die beiden Gattungen eine Kursschwankungsbreite von jeweils rund 40 Prozent. Selbst der vom Mindestkurs-Ende gebeutelte SMI erreicht nur etwa die Hälfte dieses Wertes. Beim BRC verfolgen Anleger eine sogenannte Schreiberstrategie. Das heisst, sie treten de facto als Verkäufer von Volatilität auf. Mit dem dabei erzielten Erlös finanzieren die Emittenten die Konditionen des Produkts. Daher gilt: Je stärker die Kurse ausschlagen, desto attraktiver fällt das Chance-Risiko-Profil aus. Naturgemäss steigt mit der Volatilität aber auch die Gefahr, dass es zu einer Schwellenverletzung kommt.

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Frisch am Markt ist ein auf WTI basierendes Produkt (ISIN CH0284406375) der ZKB. Die Kantonalbank garantiert dem Anleger hier einen Coupon von 4,35 Prozent p.a. Mit 30,63 US-Dollar liegt die Barriere um knapp einen Viertel unter dem aktuellen Ölpreis. Solange der nächstfällige Terminkontrakt bis Ende April 2016 nicht auf diese Marke abtaucht, gibt die Emittentin den Nominalwert von 1000 Franken vollständig zurück. Geht dieses Kalkül nicht auf, ist die Tilgung an den WTI-Preis gekoppelt – Produktinhaber sind also dem vollen Risiko des Energieträgers ausgesetzt.

25 Prozent im Jahr mit Öl

Am 26. August startet der Börsenhandel mit einer Neuemission (ISIN CH0290463352) der UBS. Hier liegt die Barriere bei 67 Prozent des anfänglichen WTI-Preises. Zudem zahlt die Grossbank einen Coupon von 5 Prozent p.a. aus. Im Aufschlag gegenüber dem ZKB-Pendant kommt zum einen der Zinsvorsprung des US-Dollars – das UBS-Derivat lautet auf die Rohstoffvaluta – gegenüber dem Franken zum Ausdruck. Ausserdem läuft dieser BRC ein Jahr und damit rund vier Monate länger als das Vergleichsprodukt.

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Bereits am 12. Januar 2016 endet die Laufzeit eines Leonteq-BRC (ISIN CH0234031067). Acht Tage später überweist die Emittentin den Coupon in der Höhe von 8,25 Prozent p.a. Anleger bekommen auch den vollständigen Nominalwert ausbezahlt, wenn WTI bis dahin nicht auf 33,96 Dollar abrutscht. Aktuell lässt sich daraus ein Risikopuffer von gut 16 Prozent errechnen. Da das Polster zur Lancierung des Derivats deutlich höher ausfiel, notiert der BRC weit unter pari. Anleger müssen bei einem Kauf allerdings auch die aufgelaufenen Marchzinsen zahlen. Alles in allem liegt die annualisierte Renditechance aktuell bei mehr als einem Viertel. Diese üppigen Ertragsaussichten könnten angesichts des relativ dünnen Risikopuffers jedoch rasch passé sein.