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Rohstoffe
Öl und Gold: Trader setzen auf den Ausbruch

Gold: In den vergangenen Monaten legte der Preis zu. Keystone

In den letzten Wochen zog es Öl und Gold stark nach oben. Gab es dafür politische und fundamentale Auslöser, so könnte die Charttechnik jetzt bei beiden Assets den Ausbruch bringen.

Von Georg Pröbstl
am 13.04.2017

Gold hat als sicherer Hafen ausgedient und Öl wird nie wieder 100 Dollar je Barrel kosten – das war die Meinung zum Edelmetall und dem fossilen Energieträger noch vor ein paar Jahren. Jetzt allerdings hat sich das Bild gedreht. Beide Assets sind wieder stark gefragt, die Preise steigen. Seit Dezember ist der Goldpreis um 150 Dollar je Unze oder rund 15 Prozent nach oben geklettert, alleine seit Mitte März beträgt das Kursplus beim gelben Metall mehr als sechs Prozent. Und Rohöl konnte seit November 20 Prozent zulegen und sprang alleine in den letzten beiden Wochen um zehn Prozent nach oben.

Auslöser für den aktuellen Preisanstieg bei Gold sind politische Unsicherheiten. Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist nicht nur wegen Ukraine angespannt, sondern jetzt vor allem wegen des Syrien-Konflikts. Der Raketenbeschuss syrischer Luftwaffenstützpunkte durch die USA nach den vermeintlichen Giftgasbombardements der syrischen Regierung trieb Anleger in Scharen in das Edelmetall. Und zu allem Überfluss zeichnet sich jetzt auch noch eine zunehmende Spannung zwischen der Supermacht und Nordkorea ab. Die asiatische Diktatur testet Atomwaffen, die USA wollen ein Ende dieser Übungen. Ein US-Flugzeugträger ist auf Kurs in Richtung des kommunistischen Regimes und in den Staaten geht die Befürchtung um, Nordkorea könne bereits in zwei Jahren Raketen mit einer Reichweite bis in die USA entwickeln.

Unsicherheiten in Europa und steigende Goldnachfrage

Und dann baut sich zunehmende Unsicherheit für die Eurozone und Europa auf. In Frankreich steht die Präsidentenwahl kurz bevor und neben der rechtsgesinnten Marie Le Pen, die weniger EU und mehr Nationalstaaten in Europa will, gewinnt jetzt auch noch der linksorientierte Kandidat Mélenchon an Fahrt. Der Politiker ist ebenfalls tendenziell stärker pro Frankreich und will EU-Verträge neu verhandeln. Die Angst geht um, dass Frankreich möglicherweise wie schon Grossbritannien der EU den Rücken kehren könnte.

Diese gesamte politische Gemengelage hinterlies zuletzt ihre Spuren am Terminmarkt. Grosse und kleine Goldspekulanten hatten in den letzten Wochen ihre Long-Positionen deutlich ausgebaut. Zudem erlebte auch der wichtige Gold-ETF, der SPDR Gold Trust,  alleine im April wegen des starken Mittelzuflusses einen Anstieg an psychisch hinterlegtem Gold um rund zehn Tonnen oder etwa 1,5 Prozent auf aktuell 842,4 Tonnen.

Gold: wichtige Chartmarken sind jetzt erreicht

Nach den jüngsten Kurssteigerungen ist Gold jetzt auch wieder charttechnisch richtig spannend. Denn sowohl beim kurz- wie auch beim langfristige Abwärtstrend ist die obere Begrenzungslinie nun erreicht. Möglicherweise treiben charttechnisch orientierte Spekulanten den Unzenpreis schon in Kürze über diese Hürde. Zudem ist Gold auch Anfang April deutlich über die wichtige 200-Tage-Linie geschossen. Das könnte dem Preis weiter Auftrieb geben.

Bei Öl dagegen stehen derzeit eher fundamentale Aspekte im Fokus der Börsianer. Seit Ende März gibt es Gerüchte, wonach die Ende November 2016 beschlossenen Förderkürzungen der OPEC und weiterer Ölförderstaaten auch im zweiten Halbjahr 2017 und damit länger als ursprünglich vereinbart gelten sollen. Zudem fielen die Lagerbestände der USA an Rohöl in der vergangenen Woche unerwartet stark um knapp 2,2 Millionen auf 533,4 Millionen Barrel. Analysten hatten mit einem Rückgang um 1,5 Millionen Barrel gerechnet. Zudem gingen auch die Benzinbestände in der vergangenen Woche um rund 3,0 Millionen Barrel und damit ebenfalls deutlich stärker, als von Analysten erwartet, zurück. Die Experten hatten ein Abschmelzen der Vorräte um 1,7 Millionen Barrel vorausgesagt.

Öl: Ausbruch aus dem Abwärtstrend steht bevor

Fallende Lagerbestände und die Verlängerung der Förderbeschränkungen zogen den Ölpreis in den letzten beiden Wochen so auch fast an den starken Widerstand knapp unter 57 Dollar je Barrel. Da könnte es technisch gesehen sogar zweifach zum Ausbruch kommen. Denn in dem Bereich verläuft auch der mittelfristige Abwärtstrend von Brent. Zudem konnte das Nordseeöl die 100-Tage-Linie erst vor wenigen Tagen nach oben durchbrechen. Bei der US-Ölsorte WTI ist die Konstellation fast exakt die gleiche. Lediglich der Widerstand liegt dort bei rund 54 Dollar für das Fass.

Mit einem Call auf das Edelmetall (ISIN: CH0345428673, Basis und Knock-out jeweils 1183,86 Dollar, Laufzeit endlos) hebeln trading-orientierte Anleger einen Ausbruch des Goldpreises über Abwärtstrend und 200-Tage-Linie mit einem aktuellen Faktor von 12,7. Bei Öl-Sorte Brent greifen Trader wegen der etwas stärkeren Ausschläge beim Ölpreis auf einen Call mit etwas moderaterem aktuelle Hebel von 4,8 (ISIN: CH0317913298, Basis 44,6513 Dollar, Knock-out 46,39 Dollar, Laufzeit endlos). Aber auch hier setzen Spekulanten auf den Ausbruch. 

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