Per Saldo hat sich Öl im ersten Quartal weiter verbilligt. Ende März notierte die Nordseesorte Brent um rund 4 Prozent unter dem 2014er-Ultimo. Für die US-Gattung Western Texas Intermediate (WTI) stand sogar ein Minus von mehr als einem Zehntel zu Buche. Trotz der roten Vorzeichen lässt sich bei beiden Sorten kurzfristig eine Stabilisierung erkennen.

Schliesslich hatte das schwarze Gold zuvor einen dramatischen Ausverkauf erlebt. Fest steht auch, dass Öl im ersten Quartal zu den besonders schwankungsfreudigen Anlagen zählte. Beispielsweise liegt die historische Volatilität von Brent im bisherigen Jahresverlauf bei mehr als 47 Prozent. Der Fünfjahresdurchschnitt liegt hingegen mit 25 Prozent nur halb so hoch.

Hohe Volatilität bei Öl – Derivate sind jetzt besonders attraktiv

Wegen der aktuell relativ hohen Volatilität ist der Blick auf strukturierte Produkte auf Öl derzeit besonders interessant. Beispielsweise hat die Hektik am Ölmarkt unmittelbare Folgen für die Konditionen von Barrier Reverse Convertibles. Bei solchen Derivaten tritt der Anleger de facto als Volatilitätsverkäufer auf. Dabei gilt die Faustformel: Je stärker die Kurse ausschlagen, desto attraktiver sind die Konditionen in Form von Rendite oder Risikopuffer.

Am 15. April beginnt der Börsenhandel mit einer Neuemission der UBS. Ihr Barrier Reverse Convertible (ISIN CH0276408082) basiert auf Brent und bringt einen garantierten Coupon von 6 Prozent p.a. mit. Gleichzeitig verfügt die Nordseesorte über einen Risikopuffer von indikativ 30 bis 35 Prozent. Solange dieses Polster während der kurzen Laufzeit von einem halben Jahr hält, zahlt die Bank den Nominalwert von 1000 US-Dollar vollständig zurück. Sollte der Energieträger hingegen neue Tiefststände sehen und die Barriere brechen, besteht Verlustgefahr.

Fracking-Boom – die Zahl der Bohrstellen in den USA geht deutlich zurück

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Im Vergleich zu diesem Investment, das nur auf eine stabile Entwicklung abzielt, braucht es für die direktionale Positionierung mehr Mut. Schliesslich ist der Ölmarkt fundamental von einem extrem hohen Angebot geprägt. Dreh- und Angelpunkt ist der Fracking-Boom in den USA. Mit dieser in Europa umstrittenen Fördermethode schafften es die Staaten zurück in die Riege der Öl-Supermächte. Die U.S. Energy Information Administration (EIA) erwartet für 2015 in den Staaten eine durchschnittliche tägliche Fördermenge von 9,2 Millionen Barrel Rohöl.

Geht die Prognose auf, hätte sich die Produktion innert fünf Jahren um mehr als zwei Drittel erhöht. Allerdings lässt die aktuelle scharfe Preiskorrektur bei Öl den Sektor nicht mehr kalt. Im ersten Quartal ging die Zahl der in den USA aktiven Bohrstellen um gut 40 Prozent auf 1048 zurück. Zu Weihnachten wurde noch an mehr als 1800 Stellen gezapft. Dieser Entwicklung trug die EIA in ihrem jüngsten Marktausblick Rechnung. Darin kürzte sie die für das laufende Jahr erwartete tägliche Produktionsmenge um 200'000 Barrel.

Analysten rechnen mit einem Abbau des Überangebots bei Öl

Die Rohstoffanalysten der Commerzbank halten sogar einen noch stärkeren Rückgang für möglich. «Wir können uns vorstellen, dass der Produktionsrückgang akzentuierter ausfällt als von der EIA prognostiziert und dass die Produktion merklich unter neun Millionen Barrel pro Tag fallen wird», schreiben sie in einem Kommentar. Die Experten rechnen daher damit, dass das Überangebot im zweiten Halbjahr abgebaut wird. «Die US-Rohölvorräte dürften ab dem Sommer sogar schrumpfen, während die Versorgungslage auf dem europäischen Markt tendenziell reichlicher wird», meinen die Frankfurter.

Vor diesem Hintergrund trauen sie WTI eine Aufholjagd gegenüber Brent zu. Mit 51,09 US-Dollar je Barrel notiert die US-Sorte momentan um rund fünf Dollar unter dem Öl-Wert der Nordseesorte. Konkret rechnet die Commerzbank bei WTI bis in das vierte Quartal mit einem Preisanstieg um gut 20 Dollar.

Auf WTI setzen und den Contango umgehen …

Anleger, die von diesem Szenario überzeugt sind und entsprechend investieren möchten, greifen zu einem Tracker-Zertifikat (ISIN CH0037069876). Das Produkt bildet WTI mit Hilfe des CMCI Index ab. Mit einer Position über die gesamte Forwardkurve hinweg versucht die Methodik, die Unwägbarkeiten des Terminmarktes zu umgehen. Momentan ist eine solche Vorgehensweise nötig, da Öl deutlich im Contango notiert.

Das heisst, länger laufende Futures kosten mehr als in naher Zukunft fällige. Bei WTI beträgt die Diskrepanz zwischen dem im Mai auslaufenden Kontrakt und einem zwölf Monate später zur Lieferung anstehenden Pendant 14 Prozent. Bei nach traditionellem Muster gestrickten Rohstoffindizes zieht der regelmässige Austausch des zugrunde liegenden Futures im Contango Rollverluste nach sich. CMCI schneidet im Vergleich dazu besser ab. Das genannte Produkt lautet auf Schweizer Franken und ist mit einer Währungsabsicherung versehen. Die UBS ruft eine Managementgebühr von 0,72 Prozent p.a. auf.

… oder eine Trading-Gelegenheit nutzen

Neben einem solchen, längerfristig ausgerichteten Investment könnte sich am Ölmarkt schon bald eine Trading-Chance auftun. Auch das gilt insbesondere für WTI. Die US-Sorte kletterte gerade über die 55-Tage-Linie und näherte sich anschliessend dem oberen Rand der seit Anfang Jahr zu beobachtenden Seitwärtsbewegung. Sollte WTI den Widerstand im Bereich von 54 US-Dollar überwinden, könnte die Aufwärtsdynamik zunehmen.

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Für die Umsetzung einer solchen Wette bieten sich Mini-Futures an. Zu den umsatzstärksten, auf WTI basierenden Produkten dieser Art zählt an der SIX eine Variante (ISIN CH0262559153) der Bank Vontobel. Das Derivat nimmt mit einem Hebel von 4,5 an einem steigenden Ölpreis teil. Mit 41,16 US-Dollar liegt der Stop-Loss um knapp einen Fünftel unter dem aktuellen Stand von WTI. Sobald der Energieträger auf diese Marke zurücksetzt, verfällt das Produkt vorzeitig. Anleger müssten sich dann mit einem geringen Restwert zufriedengeben. Das heisst: Verbilligt sich das schwarze Gold im zweiten Quartal wieder, wird das eingesetzte Kapital schnell abschmelzen.