Verbraucher freuen sich über den starken Franken, denn die Preise fallen im Detailhandel für viele Güter. Und der Einkauf im Ausland, im Euroraum, wird günstiger. Durch den SNB-Entscheid gibt es quasi über Nacht einen Extra-«Franken-Rabatt» von rund 20 Prozent.

Unternehmen profitieren im Einkauf ebenfalls vom starken Franken. Ganz besonders bei Rohöl, denn dort gibt es gleich einen doppelten Effekt: Starker Franken gegenüber dem Dollar – der Greenback hat in der vergangenen Woche gegenüber dem Franken 15 Prozent verloren – und der Ölpreisverfall. Seit Juni hat die Nordseesorte Brentöl in Dollar gerechnet mehr als 50 Prozent verloren. Zwar notierte der Franken gegenüber dem Dollar vor sechs Monaten noch bei 0,90, doch zusammen mit dem Ölpreisverfall entsteht daraus ein Preisvorteil von 60 Prozent. 

Billiges Öl – Verlierer …

Wie wirkt sich das billige Öl auf die Konjunktur und auf die Gewinne aus? Zumindest für US-Energieunternehmen sind die Prognosen kräftig nach unten korrigiert worden. Für das vierte Quartal rechnen Analysten in diesem Bereich mit einem Ergebnisrückgang von 21,2 Prozent. Deshalb erwarten Experten wie der Datenanbieter Factset im S&P 500 für die abgelaufene Berichtssaison für das letzte Quartal nur ein kleines Gewinnplus von 0,6 Prozent. Vor vier Monaten hat die Prognose noch bei +10 Prozent gelegen. So gesehen wundert es nicht, dass der S&P 500 seit Monaten mehr oder weniger auf der Stelle tritt. 

Anzeige

Aber auch in Europa gibt es Verlierer durch das billige Öl. So droht dem Energiesektor, der für rund 10 Prozent der Unternehmensgewinne in Europa steht, basierend auf historischen Erfahrungen bei einem Ölpreisrückgang von 50 Prozent ein Rückgang beim Gewinn um 25 Prozent. Ebenfalls rund 10 Prozent tragen auch die Sektoren Chemie, Versorger und Minen zu den gesamten Gewinnen in Europa bei, und unter dem Strich wird wohl auch hier der Nettoeffekt negativ sein.

… und Gewinner

Doch in den anderen Branchen werden deutliche Gewinnsteigerungen erwartet. «Bei einem Ölpreisrückgang um 50 Prozent erwarten wir in den anderen 80 Prozent der Branchen in Europa einen Anstieg beim Nettogewinn je Aktie von 7 Prozent», rechnet Sebastian Rädler, Analyst bei Morgan Stanley, vor.

Allgemein gehen die Analysten bei Morgan Stanley derzeit für 2015 für den MSCI Europe sogar von einem Anstieg bei den Gewinnen je Aktie von 10 Prozent aus. Auf Übergewichten sind dabei zyklische europäische Gesellschaften eingestuft. Rückblickend auf die letzten fünf Jahre haben die Analysten von Morgan Stanley analysiert, welche Titel bei einem Ölpreisverfall tendenziell gestiegen sind.

Top-Profiteure: Givaudan und Schweizer Unternehmen

Auffällig dabei: Unter den zwanzig Firmen mit der höchsten negativen Korrelation – also mit den grössten Kursgewinnen bei fallendem Ölpreis – stammen vier aus der Schweiz. Auf Platz eins mit der eindeutig grössten negativen Korrelation von -52,2 Prozent rangiert der Hersteller von Aromen und Duftstoffen: Givaudan. Die Aktie des SMI-Mitglieds hatte seit Beginn des Preisverfalls bei Öl tatsächlich bis vor einer Woche schon 30 Prozent Gewinn. Der SMI schaffte bis zum Crash vor dem SNB-Entscheid zum Mindestkurs nur rund 5 Prozent.

Platz elf belegt der Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen: Schindler (-28,0 Prozent). Platz zwölf der Sanitärspezialist Geberit (-27,5 Prozent) und Platz 18 der Agrarkonzern Syngenta (-25,0 Prozent). Allerdings vergibt Morgan Stanley derzeit für keinen dieser Titel eine Kaufempfehlung. Unter den 20 ölsensitivsten Titeln ist dies hingegen bei der auf den Rängen vier und fünf platzierten irischen Fluglinie Ryanair (-33,6 Prozent) und beim Eurotunnel-Betreiber Groupe Eurotunnel (-32,5 Prozent) der Fall. Mit «Übergewichten» stuft Morgan Stanley den deutschen Anbieter von Duft- und Geschmacksstoffen ein: Symrise (-28,8 Prozent).

Anzeige

Swatch – fällt Öl, fällt auch die Aktie des Uhrenbauers

Von den zwanzig Aktien mit der höchsten negativen Korrelation gegenüber dem Ölpreis haben in den vergangenen drei Monaten bis zur Drucklegung der Studie vom 9. Januar nur zwei Titel eine negative relative Performance gegenüber dem MSCI Europe Index aufgewiesen. Bei den zwanzig Werten mit einer relativ starken positiven Korrelation gegenüber dem Ölpreis haben sich hingegen elf in den vergangenen drei Monaten relativ schwach entwickelt gegenüber dem Gesamtmarkt.

Aus der Schweiz ist in diesen Top-20 übrigens nur der Uhren-Hersteller Swatch Group (+25,6 Prozent) enthalten. Am stärksten positiv mit dem Ölpreis korreliert sind übrigens der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton (+36,7 Prozent), der französische Stahlrohr-Hersteller Vallourec (+34,7 Prozent) und der ebenfalls aus Frankreich stammende Produzent von petrochemischen Produkten, Arkema (+33,6 Prozent).

Anzeige