Seit längerem steht die Euro-Zone im Fokus von Medien und Kommentatoren. Ein kleines Land im hohen Norden wird da fast völlig übersehen: Dänemark. Die nur 5,6 Millionen Einwohner starke Nation hat einiges zu bieten. Da wäre zum einen eine florierende Wirtschaft. Bereits sieben Quartale in Folge erzielen die Dänen positives Wachstum. Das sorgt für eine gute Stimmung, und viele Ökonomen erwarten, dass die Konjunktur nach der Rezession im 2013 in eine stabile Erholungsphase treten wird. «Das bedeutet einen Zeitraum, in dem Wachstumsraten von rund 2 Prozent wieder zur Vollbeschäftigung führen», erklären die Analysten von Nordea. Sie gehen für dieses Jahr von einer Steigerung des Bruttoinlandprodukts von 1,75 Prozent und 2016 von 2,0 Prozent aus.

Zur Hilfe kommt den Dänen der schwache Euro. Zwar haben die Nordlichter eine eigene Währung, anders als die Schweiz aber keine Aufwertungsproblematik. Die Krone ist nämlich an den Euro gebunden. So werden die Ausfuhren, rund 60 Prozent gehen in den Euro-Raum, nicht negativ beeinflusst. Apropos Geld: Beim Bezahlen ist die alte Wikinger-Nation vielen anderen Ländern bereits weit voraus. Ein Drittel der Bürger besitzt die Bezahl-App «Mobile Pay», welche die Konsumenten einfach und schnell per Smartphone zahlen lässt. Das Land schafft 2016 im Zuge der Ankurbelung der Wirtschaft sogar die Bargeldpflicht ab. Kleinere Läden, Tankstellen oder Restaurants müssen künftig kein Cash mehr akzeptieren. Dadurch können Unternehmen Zeit und damit Kosten sparen.

Börse Kopenhagen: OMX erstmals vierstellig

An der Börse führt die positive Grundstimmung zu steigenden Kursen. Der Leitindex OMX Copenhagen 20 hat im laufenden Jahr erstmals in seiner Geschichte den vierstelligen Kursbereich erreicht. 1041 Punkte beträgt das aktuelle Rekordhoch. Es sind vor allem Schwergewichte wie Novo-Nordisk (ISIN DK0060534915), welche den Index nach oben ziehen. Der Pharmariese ist sogar noch deutlich schneller unterwegs als der Gesamtmarkt. Während der OMX Copenhagen 20 seit Jahresbeginn um knapp 35 Prozent zulegte, verteuerte sich Novo-Nordisk um mehr als die Hälfte.

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Das muss aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Der Diabetesspezialist ist lediglich mit einem KGV von zwölf auf Basis 2016 bewertet. Zudem bringt der dänische Blue Chip eine Dividendenrendite von 6,2 Prozent. Kurzfristig richtet sich das Augenmerk auf den anstehenden Zwischenbericht, der am 7. August veröffentlicht wird. Goldman-Sachs-Analyst Keyur Parekh geht von «starken Geschäftszahlen» für das zweite Quartal aus. Beim Umsatz erwartet der Experte ein Wachstum von einem Viertel. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm schafft zusätzliches Vertrauen und sichert den Kurs nach unten ab.

Vestas hat wieder Rückenwind

Ein deutlich heisseres Investment stellt hingegen Vestas (ISIN DK0010268606) dar. Der Windkraftspezialist operiert nach längerer Durststrecke erst seit dem vergangenen Jahr wieder in den schwarzen Zahlen. Das wird an der Börse mit hohen Aufschlägen belohnt. Seit Anfang 2014 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Das charttechnische wie auch fundamentale Momentum spricht für den Titel. Optimistisch stimmt die jüngste Meldung über die Verlängerung von Steuervorteilen für Windkraftanlagen in den USA. Vestas erzielt bereits rund die Hälfte der Erlöse in Übersee. Nach Ansicht von Barclays-Analyst David Vos ist damit der wichtigste Unsicherheitsfaktor für die Gewinnprognosen verschwunden. Er stufte die Vestas-Aktie von «Equal Weight» auf «Overweight» hoch.

Nach Rekordaufträgen und einer Prognoseanhebung im ersten Quartal dürfte auch das zweite Vierteljahr bei diesem Windkrafthersteller gut gelaufen sein. Die Dänen meldeten in den vergangenen Monaten zahlreiche Ordereingänge rund um den Globus. Am 19. August wird Vestas das nächste Mal ihre Bücher öffnen. Risikobereite Anleger greifen bereits im Vorfeld zu.

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Pandora – der dänische Wachstumsstar

Als Paradebeispiel in Sachen Wachstum gilt der dänische Designer und Vermarkter von Schmuck Pandora (ISIN DK0060252690). Zwischen 2012 und 2014 legte der Gewinn je Aktie im Durchschnitt um zwei Drittel zu. Ganz so dynamisch wird es in diesem Jahr zwar nicht weitergehen, allerdings kann sich das vom Analystenkonsens erwartete Plus von 33 Prozent sehen lassen. Dieses Tempo soll auch 2016 anhalten. Von den Finanzanalysten bekommt Pandora Höchstnoten, obwohl der Titel in den letzten zwei Jahren um 250 Prozent  gestiegen ist. Das positive Votum kommt nicht von ungefähr. Die Pandora-Aktie ist angesichts des starken Wachstums mit einem 2016er-KGV von 17 immer noch günstig bewertet.

Die Wachstumsstärke stellte Pandora zum Jahresauftakt 2015 erneut unter Beweis. Die Quartalsbilanz lässt sich kurz zusammenfassen: Der operative Gewinn schnellte um 40 Prozent nach oben, übertraf damit die Analystenschätzungen und zog eine Prognoseanhebung nach sich. Insbesondere in den etablierten Märkten wie den USA, Grossbritannien, Australien und Deutschland war Pandora erfolgreich unterwegs. Zum Wachstum beigetragen, haben neue Produkte wie eine Schmuckserie zum Valentinstag oder 60 zusätzliche Themen-Produkte für Walt Disney. Seit dem vergangenen Jahr arbeiten die Dänen mit dem US-Konzern zusammen. Wie die Halbjahresbilanz ausgefallen ist, werden Anleger am 11. August erfahren.