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Aussichten
Opel-Kauf: Experten sehen keinen neuen Champion

PSA-CEO Tavares, Opel-Chef Neumann, GM-Lenker Ammann (v.l.): Analysten sind skeptisch. Keystone

Der Automobilkonzern PSA kauft Opel und will so einen «europäischen Auto-Champion» schaffen. Doch Analysten sind weit weniger euphorisch als die Franzosen selbst – ungeachtet des Höhenflugs der Aktie.

Von Annika Janssen
am 09.03.2017

PSA tritt aufs Gaspedal. Der französische Autokonzern, zu dem die Marken Peugeot und Citroën gehören, will «einen europäischen Auto-Champion» schaffen. Der erste Schritt dazu ist aus Sicht von PSA gemacht: Konzernchef Carlos Tavares verkündete die ambitionierten Ziele seines Unternehmens am Montag, als er auch die Übernahme des europäischen Autogeschäfts von General Motors (GM) durch PSA vermeldete.

Konkret heisst das: Der deutsche Autoproduzent Opel und dessen britische Schwester Vauxhall gehören in Zukunft zu PSA. Ausserdem übernehmen die Franzosen gemeinsam mit der Grossbank BNP Paribas auch den europäischen Autofinanzierer GM Financial. Insgesamt sei der Deal für GM 2,2 Milliarden Euro wert, wovon PSA 1,8 Milliarden Euro und BNP Paribas den Rest bezahle, teilten die beiden Unternehmen am Montag in Paris mit. Wenn die Kartellbehörden dem Deal zustimmen, wäre PSA nach Volkswagen der zweitgrösste Autokonzern Europas mit einem Marktanteil von 17 Prozent.

Höhenflug bei Peugeot-Aktie

PSA hat sportliche Ziele. Nicht nur für den Gesamtkonzern, sondern auch für Opel. Die Marke schreibt seit Jahren Verluste. Als Teil von PSA soll sie schon sehr bald wieder glänzen und Gewinne einfahren.

Aktionäre scheinen die Ziele des PSA-Konzerns für realistisch zu halten: Nach Bekanntgabe der Opel-Übernahme kletterte die Peugeot-Aktie am Montag zwischenzeitlich auf einen Stand von 20 Euro und damit so hoch wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr. Aktuell steht der Titel bei 19,77 Euro. Auch das ist ein lange nicht gesehener Höchststand, nachdem der Valor sich schon in den vergangenen Monaten im Wert gesteigert hatte. 

Fokus auf Europamarkt

Analyst Sascha Gommel von der Commerzbank beurteilt die Transaktion positiv. Er verweist darauf, dass PSA-Chef Tavares in den vergangenen Jahren Peugeot und zuvor bereits Renault-Nissan erfolgreich saniert habe. Zudem sieht er Potenzial, weil sich die Produktpaletten der Marken Peugeot, Citroën und Opel ähneln und somit Wege für Synergien frei werden.

David Lesne von der UBS blickt skeptischer auf den Deal zwischen PSA und Opel: Das Geschäft gehe zwar zu einem attraktiven Preis über die Bühne. Die Strategie dahinter betrachtet der Analyst aber mit gemischten Gefühlen: Sowohl die PSA-Marken als auch Opel seien stark auf Europa fokussiert und hätten nur begrenztes Exportpotenzial. Lesne stuft die Peugeot-Aktie als «Neutral» ein und gibt als Zwölfmonats-Kursziel 18 Euro aus. Viel Fantasie steckt aus seiner Sicht also nicht in dem Titel, trotz der Opel-Übernahme.

PSA will Opel aus der Krise holen

Auch Frank Schwope, Aktienanalyst der Nord LB, betrachtet den Deal zwischen PSA und GM mit Skepsis. «Man wird sehen, ob PSA Opel tatsächlich in die schwarzen Zahlen bringen kann», sagt er.

Am Montag hatte PSA einen Drei-Jahres-Plan vorgestellt, der Opel wieder profitabel machen soll, und zugleich zumindest kurzfristige Jobgarantien für die Beschäftigten beim Hersteller versprochen. Spätestens ab dem Jahr 2020 werde der Konzern dann wohl den Rotstift ansetzen, Sparten zusammenlegen und auch Jobs abbauen, erwartet Schwope. 

Versuch könnte nach hinten losgehen

Schwope findet die Übernahme strategisch nicht besonders klug: «Die Kombination der drei Massenmarken Peugeot, Citroën und Opel ist nicht glücklich», sagt der Analyst – auch mit Blick auf den PSA-Konkurrenten Volkswagen, der neben den massentauglichen Herstellern Volkswagen, Škoda und Seat auch die Luxusmarken Audi und Porsche unter seinem Dach vereint.

Die PSA-Marken könnten sich auf lange Sicht kannibalisieren, fürchtet Schwope: «Opel könnte zwar weiter auf den chinesischen Markt vorstossen, aber das dürfte Jahrzehnte dauern.» So werde es schwierig, alle drei Massenmarken gleichermassen erfolgreich zu machen. 

Einsparungen von knapp 2 Milliarden Euro

PSA selbst sieht in der Übernahme von Opel viele Chancen. Der Konzern will nach der Transaktion Fahrzeugplattformen zusammenführen, Fabriken besser ausnutzen, die Effizienz erhöhen. Dadurch will der Konzern jährlich 1,7 Milliarden Euro einsparen. Ob das gelingt oder ob der Opel-Deal eine strategische Fehlentscheidung war, das wird sich erst langfristig herausstellen.

Optimistische Investoren können bei der PSA Group einsteigen, um gegebenenfalls von Opels neuer Erfolgsgeschichte zu profitieren. Wer skeptisch ist, sollte abwarten. Klar ist in den Augen der meisten Analysten zunächst nur eines: Der Weg zu einem Champion am Automarkt wird für PSA mindestens lang.

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