Ein Kursplus von zuletzt 50 Prozent in nur zwei Wochen – ganz klar: Die Aktie von Pantaleon ist einer der Top-Performer an der Börse seit November. Auslöser für den Schub waren Meldungen zum operativen Geschäft. Für Anleger interessant: Trotz der Kursexplosion steht die Story des Medienunternehmens erst am Anfang.

Das angestammte Kerngeschäft von Pantaleon ist die Produktion von Filmen für Kino und TV. Im Juli allerdings stieg der Konzern aus Berlin mit dem Launch seiner eigenen Plattform in ein wachstumsstarkes Business ein: Video-on-Demand (VoD) und Streaming. Bei diesem Angebot können die Nutzer Filme via Internet kaufen und auf dem Computer, dem Smartphone, Tablet oder Smart-TV ansehen. Dadurch werden die Nutzer unabhängig vom starren TV-Programm und können jederzeit sehen, was sie wollen.

Bei diesem Geschäft denken viele jetzt sofort an den grossen Player der Branche Netflix. Der US-Konzern wächst rasant und ist Anlegern viel Geld wert. Immerhin sind sie bereit für den US-Streaming-Konzern für dieses und nächstes Jahr KGVs von über 100 zu bezahlen. Bei einem Jahresumsatz von etwa sieben Milliarden Dollar bringt es der Nasdaq-Titel auf eine Börsenbewertung von mehr als 50 Milliarden Dollar.

Enorme Wachstumschancen

Mit seiner Video-on-Demand-Plattform Pantaflix steht Pantaleon dagegen zwar erst am Anfang und das Unternehmen kostet auch nur rund 60 Millionen Euro an der Börse. Doch es gibt starke Perspektiven und reichlich Phantasie. So bietet Pantaleon eine neuartige VoD-Plattform, bei der Filmproduzenten ihre Filme kostenlos einstellen können und dafür 75 Prozent der damit erzielten Umsätze erhalten. In der Branche sind sonst eher Anteile von lediglich etwa zehn Prozent üblich. Pantaleon erhält 25 Prozent der Erlöse und hat im Vergleich zu anderen Anbietern wie Netflix den grossen Vorteil, dass sie für die Filme nichts bezahlen muss. Denn während beispielsweise Netflix für Content tief in die Tasche greift, ist Pantaleon mehr ein Vermittler zwischen Produzent und Kunde.

Die Video-Plattform hebt sich in ihrem Angebot in zwei weiteren Punkt von den Konkurrenten ab. Zum einen adressiert sich die Plattform unter anderem stark an Migranten, die dort Filme aus ihren Heimatländern sehen können – Schätzungen zufolge umfasst alleine diese Zielgruppe der Migranten weltweit etwa 215 Millionen Menschen. Zum anderen plant Pantaleon-Chef Dan Maag den grossen Wurf: Seine Video-Plattform soll bereits in zwölf bis 18 Monaten die grösste Film-Bibliothek weltweit bieten. 40'000 Filme sollen dort Ende 2017 enthalten sein, ein Jahr später bereits 160'000 und Ende 2019 schon 220'000. Während Pantaleon auf seiner Plattform schon wenige Monate nach dem Start beispielsweise in Deutschland bereits 1200 Filme in der Bibliothek hat, sind es beim Milliardenkonzern Netflix auch nur 1500 Filme.

Hohes Kurspotential

Vor wenigen Tagen berichtete Pantaleon über den Start in den vier asiatischen Ländern Japan, Indonesien, Philippinen und Vietnam. China und weitere Ländern dürfte bald folgen und schon im nächsten Jahr könnte das Angebot weltweit verfügbar sein. Gut informierte Kreise kalkulieren folgendermassen: Je Film soll es vier Streams – also Nutzer, die den Film kaufen – geben und das soll pro Nutzung netto rund 3,0 Euro kosten.

Bei einer Bibliothek von geschätzt durchschnittlich 100'000 Filmen in 2018 könnte Pantaleon daraus für sich einen Umsatzanteil von etwa 30 Millionen Euro generieren. Da könnte ein Gewinn von über zehn Millionen Euro oder rund zehn Euro je Aktie drin sein. Im Jahr danach könnte es dann bereits doppelt so viel sein. Bei einem im Vergleich zu Netflix moderatem 20er-KGV wären dann schon in der Jahren Kurse um 400 Euro und die Vervielfachung der Aktie vorstellbar.

Pantaleon AG
ISIN: DE000A12UPJ7
Gewinn je Aktie 2018e: 9,50 €
KGV 2018e: 6,3
Dividende/Rendite 2016e: -
EK je Aktie: 4,36 €
EK-Quote: 35,6%
KBV: 13,8
Kurs/Ziel/Stopp: 60,0/125,0/41,60 €

 

* Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) spezialisiert. Seit Jahresbeginn erreicht das Musterdepot eine Performance von +13 Prozent, während der Dax stagniert. Seit Start im April 2010 steht ein Zuwachs von +259 Prozent (Dax: +63 Prozent).

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