Noch nicht einmal das erste Quartal ist vorbei, doch schon jetzt lässt sich sagen: Anleger müssen im Börsenjahr 2014 mit einer ruppigeren Gangart rechnen. Zweimal ging der SMI bereits mit einem Tagesverlust von mehr als 2 Prozent aus dem Handel. Im gesamten vergangenen Jahr gab es nur sieben derart schwache Tage. Die erhöhte Nervosität wird auch an den zwischenzeitlich starken Ausschlägen des Volatilitätsindex VSMI, der die erwartete Kursschwankungsbreite des SMI wiedergibt, deutlich. Viele Investoren haben jetzt nach fünf Jahren Börsenaufschwung Angst, Geld in Aktien zu stecken.  

Kapitalschutz-Zertifikate könnten eine Alternative sein. Bei diesen strukturierten Produkten ist der Einsatz vollständig oder zu einem gewissen Grad durch den Emittenten garantiert. Gleichzeitig ist der Anleger bei Kurssteigerungen mit von der Partie. Laut Manuel Dürr, Head Public Solutions bei Leonteq, ist das Interesse der Anleger zuletzt gestiegen: «Wir offerieren laufend Kapitalschutz-Zertifikate.» Allerdings sei dies derzeit nicht ganz einfach.

Garantie-Produkte – tiefes Zinsniveau belastet

Die Entwicklung an den Rentenmärkten macht den Emittenten einen Strich durch die Rechnung. Grundsätzlich gilt bei Garantie-Produkten: Je höher das Zinsniveau, desto attraktiver die Konditionen für den Anleger. Ursächlich für diesen Zusammenhang ist die Derivate-Struktur dieser Produkte. Es handelt sich dabei um Nullcouponanleihen. Da der Zins bei solchen Bonds erst bei Verfall zur Auszahlung kommt, liegt der anfängliche Preis unter 100 Prozent. Diesen Abschlag zieht die Bank heran, um eine Option zu erwerben und um damit die Partizipationskomponente des Kapitalschutz-Zertifikats darzustellen. Ist der Coupon der Obligation jedoch nur niedrig, bleibt nichts für die Partizipation übrig.

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Nach einer Erholung im vergangenen Jahr kamen die Renditen zuletzt deutlich zurück. Zehnjährige Bundesobligationen werfen weniger als 100 Basispunkte – 1,0 Prozent im Jahr – ab. Ende 2013 waren es noch 1,25 Prozent. «Der Rückgang der längerfristigen Zinsen macht die Konstruktion von Produkten mit vollem Kapitalschutz und mit einer Laufzeit von einem bis zu vier Jahren fast unmöglich», erläutert Experte Dürr. Allerdings haben die Emittenten verschiedene Schrauben, an denen sie drehen können.

Lange Laufzeit – Partizipation mit Garantie

«Eine Möglichkeit ist, die Laufzeit zu verlängern, um so von der ansteigenden Zinsstrukturkurve zu profitieren», sagt der Fachmann. Diesen Weg geht Leonteq bei einem neuen Kapitalschutz-Zertifikat auf heimische Blue Chips. Sechs Jahre müssen Anleger dabei bleiben, um sich auf die vollständige Garantie verlassen zu können. Ob das Investment eine Rendite abwirft, hängt von folgenden Aktien ab: Nestlé, Novartis, Roche, Swisscom und Zurich. An möglichen Steigerungen der Titel nimmt das Produkt am Laufzeitende unbegrenzt teilt. Gibt der Aktienkorb nach, greift der Kapitalschutz.

Einzig auf Nestlé basiert ein neues Produkt der Bank Vontobel. Auch hier liegt das Garantieniveau bei 100 Prozent. Allerdings partizipieren Anleger nur zu 84 Prozent an steigenden Notierungen beim SMI-Schwergewicht. Dieser Faktor respektive der Kapitalschutz würde deutlich tiefer ausfallen, hätte die Emittentin nicht zusätzlich eine Referenzanleihe in die Struktur eingebaut. Mit den Erträgen aus einer Obligation von ThyssenKrupp kann Vontobel die Konditionen aufpeppen. Allerdings müssen Halter des Produkts dafür das Ausfallrisiko des deutschen Stahlkonzerns in Kauf nehmen. Angesichts einer Verschuldung von mehr als vier Milliarden Euro lässt sich diese Gefahr nicht völlig von der Hand weisen. Was zeigt, dass der Spagat aus dem Investment im grössten Blue Chip der Schweiz und einem Vollkasko-Schutz für das Kapital momentan nicht möglich ist.

Vier Produkte für sicherheitsorientierte Anleger

1) Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN: CH0234032776): Leonteq packt fünf SMI-Mitglieder in eine Neuemission und gibt zum Laufzeitende im Jahr 2020 eine vollständige Garantie für den Kapitaleinsatz ab.

2) Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN: CH0141511821): Nur durch die Hinzunahme einer Referenzanleihe von ThyssenKrupp kann Vontobel einen vollständigen Kapitalschutz mit einer 84-Prozent-Partizipation an Nestlé verbinden.

3) Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN: CH0227570295): 95 Prozent Garantie und die Partizipation an der Kursentwicklung des schwächsten Basiswerts aus einem Aktienkorb aus Nestlé, Novartis und Swiss Re bietet Julius Bär bei diesem im Dezember 2014 fälligen Produkt.

4) Kapitalschutz-Zertifikat (ISIN: CH0228293756): Nach oben nimmt das Notenstein-Produkt bis zu einem Plus von maximal 20 Prozent an steigenden SMI-Kursen teil. Nach unten ist das Kapital zu 90 Prozent geschützt.