Weshalb sollten Anleger im aktuellen Tiefstzinsumfeld in Kreditpapiere ­investieren?
Richard Mooser: Generell gilt, dass Kreditpapiere dank ihren Risikoaufschlägen ­einen gewissen Schutz in einem Umfeld plötzlich steigender Zinsen aufweisen. Zudem eignen sich solche Anleihen besonders im Schweizer-Franken-Kapitalmarkt, wo das Gros aller ausstehenden Obligationen tief negative Renditen ­aufweist. Bei entsprechend sorgfältiger ­Auswahl können die Belastungen eines diversifizierten Portfolios bei kürzeren Restlaufzeiten deutlich optimiert werden.

Welche Segmente bevorzugen Sie zurzeit?
Grundsätzlich erachte ich die sorgfältige Auswahl einzelner Emittenten als entscheidender als die Wahl von Sektoren. Schuldnern aus dem Umfeld «Rohstoffe» und/oder «Energiegewinnung aus fossilen Energieträgern» gegenüber wäre ich eher zurückhaltend, und wenn ich kaufen würde, dann nur äusserst selektiv. Das Segment «Clean Energy» hingegen bietet interessante Aussichten, zumal die momentan tiefen Bewertungsniveaus wegen der historisch tiefen Grosshandelspreise spannende Einstiegsgelegenheit bietet. Leider sind im Schweizer-Franken-Kapitalmarkt bislang nur wenige Investitionsmöglichkeiten vorhanden gewesen und das Universum beschränkt sich auf einzelne Papiere von Wasserkraftwerken.

Und bezüglich Fondslösungen?
Es gibt wenige alternative Fondslösungen. Was hingegen sicher in jedes Franken-Obligationenportfolio gehört, sind Schweizer Pfandbriefe, wegen ihres sehr attraktiven Aufschlags und der beacht­lichen Marktliquidität. Da dürfte sich die relative Bewertung tendenziell eher wieder verteuern.

Für welche Kunden sind Geldmarkt­anlagen sinnvoll?
In der Schweiz wohl nur noch für diejenigen Investoren, welche eine noch höhere Belastung als die bekannten 0,75 Prozent auf Bargeld zahlen müssen. Es gilt dabei, die Liquidität und die Ausstiegsmöglichkeiten stets im Auge zu behalten.

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Wie negativ wird der Zins in der Schweiz noch werden?
Es wird wohl noch etwas dauern, aber ich denke, die ultimativen Tiefs haben wir unmittelbar nach der britischen Abstimmung vergangenen Juni gesehen. Es wäre wünschenswert und machbar, wenn die Schweizerische Nationalbank innerhalb der kommenden zwölf Monate von den Negativzinsen wieder abrücken würde. Es gäbe genügend andere Wege, dem leicht überbewerteten Franken entgegenzutreten.

Und wie steht es mit inflationsgeschützten Anleihen?
Da bisweilen keine der globalen mone­tären Massnahmen zu einer Beschleunigung der jeweiligen Geldkreisläufe geführt hat, frage ich mich ernsthaft, woher Inflation in absehbarer Zeit kommen soll.

Seit 30 Jahren sinken die Renditen von ­US-Treasuries – wann kommt es zur Trendumkehr?
Die könnte durchaus noch etwas auf sich warten lassen, solange aus anderen entwickelten Ländern der negativen Zins­politik wegen genügend Kapital dem amerikanischen Markt zufliesst. Zudem dürfte der eher mässige Verlauf der amerikanischen Wirtschaft – abgesehen vom Arbeits- wie auch vom Immobilienmarkt – kaum zu einem schnellen Anheben der Leitsätze durch die amerikanische Notenbank Federal Reserve führen. Eine graduelle Verflachung der Zwei- bis Zehn-Jahres-Kurve in den USA wäre hierbei ein denkbares Szenario.

Wie sollten Anleger, die in Schweizer ­Franken denken, mit Schwellen­länderbonds umgehen?
Eine gesunde Beimischung im Rahmen einer Gesamtallokation dürfte den Erträgen förderlich sein. Wer jedoch das notwendige Detailwissen nicht mitbringt, tut gut daran, dies mittels breit diversifi­zierter, währungsabgesicherter Fonds zu tun. Die Gefahr eines neuerlichen Einbruchs, ausgelöst durch einen noch stärkeren Dollar, scheint indes überschaubar.