Pfizer will Astrazeneca. Nach einem der jüngsten Medienberichte hat es der US-Pharmariese auf den britischen Rivalen AstraZeneca abgesehen und würde dafür 100 Milliarden Dollar ausgeben. Während der Pfizer-Deal noch Spekulation ist, macht der kanadische Arzneimittelhersteller Valeant schon Nägel mit Köpfen. Zusammen mit dem Investor Bill Ackman möchte das Unternehmen für 47 Milliarden Dollar den kalifornischen Schönheitsmedizin-Spezialisten Allergan schlucken. Die US-Firma ist für ihr Anti-Faltenmittel Botox bekannt.

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Tatsächlich grassiert in der Pharmabranche seit einigen Monaten das Übernahmefieber. So hat sich das Volumen der Übernahmen im Pharmasektor nach Angaben von Thomson Reuters seit Jahresbeginn auf knapp 78 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdoppelt.

Novartis mischt mit

Dabei ist eine Übernahmewelle, eine Konsolidierung in der Pharmabranche, ohne dass die heimischen Player mitwirken, kaum möglich. Schliesslich sind Roche und Novartis die beiden grössten Pharmakonzerne Europas. Vor allem der Letztgenannte sorgt aktuell für Schlagzeilen. So hat Novartis vor wenigen Tagen überraschend ihre Tiergesundheitssparte für rund 5,4 Milliarden Dollar an den US-Wettbewerber Eli Lilly und die Geschäftseinheit Impfstoffe für 7,1 Milliarden Dollar an GlaxoSmithKline veräussert. Mit den Briten möchte Novartis zudem ein Joint Venture für nicht verschreibungspflichtige Medikamente gründen. Darüber hinaus übernimmt Novartis von Glaxo für 16 Milliarden Dollar die Rechte an Krebsmitteln.

Der von Novartis-Chef Joe Jimenez vor einem Jahr eingeleitete Konzernumbau mit verstärktem Fokus auf Augenheilkunde, Pharma und Nachahmermedikamente, kommt in den Geschäftszahlen an. In den ersten drei Monaten legte der Reingewinn des SMI-Mitglieds im Vorjahresvergleich um 24 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten im Durchschnitt nur 2,7 Milliarden Dollar erwartet. Der Konzern aus Basel profitierte dabei unter anderem vom Verkauf des Blutdiagnostik-Geschäfts zu Jahresbeginn. Dieser Deal spülte 900 Millionen Dollar in die Novartis-Kasse.

Minus durch Generika wird ausgeglichen

Auch die Erlöse kletterten moderat nach oben, blieben allerdings mit 14,0 Milliarden Dollar leicht unter den Erwartungen. An der Jahresprognose ändert sich nichts: Auf Konzernebene wird 2014 von einem Umsatzplus im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich gerechnet. Die Einbussen durch die Generikakonkurrenz, die sich voraussichtlich auf bis zu 2,7 Milliarden Dollar belaufen werden, werden damit mehr als wettgemacht. Das operative Kernergebnis des Konzerns soll dabei überproportional zum Umsatz steigen. 

Bei Investoren kommt der Umbau von Novartis an. Die Valoren kletterten in diesem Jahr bereits um 7 Prozent und damit mehr als doppelt so stark wie der Gesamtmarkt. Die jüngsten Meldungen katapultierten die Novartis-Aktie sogar bis auf fünf Rappen an das Allzeithoch bei 77.15 Franken vom November 2006 heran.

Margen und Dividenden steigen

Die Genussscheine der Novartis-Beteiligung Roche sind sogar einen Schritt weiter. Während die Aktie von Roche noch unter ihrem Allzeithoch notiert, konnten die Genussscheine bereits im vergangenen Jahr neue Höhen erklimmen.

Für Société-Générale-Analyst Stephen McGarry ist das Ende der Fahnenstange bei Novartis nicht erreicht. Er hat die Einstufung auf «Buy» belassen und das Kursziel nach dem angekündigten Konzernumbau und Strategiewechsel von 86 auf 90 Franken angehoben. Grund: Der Pharmakonzern dürfte künftig höhere Margen erzielen und zudem verstärkt das Augenmerk auf steigende Ausschüttungen an die Aktionäre lenken. Bei Roche gehört dies längst zur Tagesordnung. Nach einer Rekorddividende für 2013 hat der Konzern bereits einen weiteren Aufschlag in Aussicht gestellt. Das wäre die 28. Erhöhung in Folge.