Das ist ein Mega-Deal: Anfang Februar verkündete der US-Pharmariese Pfizer die geplante Übernahme des Konkurrenten Hospira Inc. Geplanter Kaufpreis: 17 Milliarden Dollar und ein Aufschlag auf den letzten Hospira-Kurs vor Bekanntgabe der Kaufabsicht von rund 40 Prozent.

Hospira ist allerdings nicht nur im Bereich Pharma allgemein unterwegs, sondern speziell auch in der Nische der Biosimilars. Biosimilars sind Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika. Experten erwarten für diesen Sektor in den nächsten Jahren einen gewaltigen Boom – ähnlich der Entwicklung der Generika-Industrie in den letzten 30 Jahren. Anders als bei Generika – das sind Nachahmermedikamente von chemischen Pharmazeutika – bei denen eine Vielzahl von Patenten schon vor Jahrzehnten ausgelaufen und entsprechend kostengünstige Kopien schon längst am Markt etabliert sind, steht der Sektor der Biosimilars erst vor dem grossen Schub.

Biosimilars – viele Patente laufen aus

Denn hier laufen bis etwa 2020 bei etwa 80 Prozent der Biopharmazeutika die in den 80er- und 90er-Jahre entwickelt wurden die Patente aus. Bis 2020 sollen so Biopharmazeutika im Volumen von weltweit etwa 70 Milliarden Dollar ihren Patentschutz verlieren. Biosimilars können dann an den Start gehen. Von einigen hundert Millionen Dollar noch vor ein paar Jahren auf bis zu 25 Milliarden Dollar im 2020 wird ihr Marktvolumen geschätzt. Wer sich hier jetzt first mover Vorteile sichert – beispielsweise mit der Übernahme eines Biosimilar-Entwicklers wie Hospira – kann damit schon in wenigen Jahren mit grossen Gewinnen rechnen.  

Für die Biosimilar-Industrie wird aus zwei Gründen ein gewaltiger Schub prognostiziert. Zum einen bekommen immer mehr Menschen in Schwellenländern durch steigende Einkommen Zugang zur Gesundheitsvorsorge, zum anderen setzen die gesetzlichen Gesundheitssysteme in den Industriestaaten zunehmend auf Kostensenkung. So bringen Biosimilars, ähnlich wie Generika, Preisersparnisse im Vergleich zu den Originalpräparaten von etwa 20 bis 30 Prozent.   

Die Zahl der alten Menschen nimmt rasch zu

Abgesehen vom anlaufenden Hype um Biosimilars – auch in der herkömmlichen Biopharma-Industrie kommen neue Medikamente auf den Markt, etwa gegen Krebs oder diverse Erberkrankungen und fördern damit den Boom im Biosektor. Dazu kommt: Die Gesundheitsindustrie besitzt generell einen starken Basistrend und zwar nach oben.

So stieg die durchschnittliche Lebenserwartung der Weltbevölkerung zwischen 1950 und 2010 von 23,5 auf 28,5 Jahre. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen UN soll das durchschnittliche Alter der Menschen im 2050 schon bei 38,1 Jahre liegen. Zusätzlich wird ein weiterer rasanter Anstieg der Weltbevölkerung erwartet. Die Zahl der Menschen auf dem Globus soll von derzeit rund sieben Milliarden Menschen auf etwa elf Milliarden Menschen im Jahr 2100 wachsen. Damit steigt die Zahl der Alten rasant an. UN rechnen mit einer Verdopplung der Menschen im Alter von über 60 Jahren bis ins Jahr 2050 auf einen Anteil von dann rund 20 Prozent an der Weltbevölkerung.

Performance: Gesundheitssektor lässt Gesamtmarkt weit zurück

Für die Konzerne aus dem Pharma- und Gesundheitssektor ist das alles ein ideales Wachstumsumfeld. Denn umso älter die Menschen werden und umso mehr ältere Menschen leben, umso grösser wird der Bedarf an Medikamenten oder entsprechenden Gesundheitsdienstleistungen. Börsianer haben das schon längst erkannt und setzten seit Jahren auf die Branche. So verbucht der Gesundheitssektor in den letzten Jahren deutlich grössere Kurssteigerungen als der Gesamtmarkt. Während beispielsweise der Stoxx Europe 600 in den letzten fünf Jahren ein Plus von rund 50 Prozent bringt, gab es im Stoxx Europe 600 Health Care Kurssteigerungen um 100 Prozent.

Und kommt Übernahmefieber wie im Biopharma-Sektor hinzu, sind die Steigerungen noch stärker. So hat sich beispielsweise der Nasdaq Biotechnology-Index in den letzten fünf Jahren bereits vervierfacht. Dabei kamen die Zuwächse kontinuierlich voran. Grössere Rückschläge oder längere Durststrecken im Aufwärtsdrang suchen Anleger hier seit 2009 fast vergebens. Börsianer, die von den genannten Basistrends – Alterung, Gesundheit, steigende Einkommen – profitieren wollen, haben mehrere Favoriten auf ihrer Kaufliste, darunter:

3 Gesundheits-Favoriten für Börsianer

Whole Foods Market (ISIN: US9668371068): Der Betreiber von Naturkost- und Biosupermärkten profitiert vom Trend hin zu gesundheitsbewusster- und bio-Ernährung. Im ersten Quartal steigerte der Konzern aus Austin im US-Bundesstaat Texas nicht nur den Umsatz auf vergleichbarer Fläche, also bereinigt um neue Geschäfte, um 4,5 Prozent, sondern schaffte mit einem Umsatzanstieg von 10 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar ein Rekordergebnis.

Formycon (ISIN: DE000A1EWVY8): Nachdem die Aktie von Hospira (ISIN: US4410601003) infolge Übernahmeangebot in wenigen Wochen ganz kräftig gestiegen ist, dürfte sich beim Experten für Biosimilars aus München noch eine günstige Einstiegsgelegenheit bieten. Seit Empfehlung in stocksDIGITAL im November hat sich der Kurs zwar schon verdoppelt – doch Formycon hat  inzwischen drei Biosimilars in der Pipeline. Davon sollen zwei Nachahmerprodukte von Blockbustern in der Entwicklung sein. In den nächsten Wochen werden verschiedene Meldungen erwartet. Mittel- bis langfristig ist mit weit höheren Kursen zu rechnen.

Straumann (ISIN: CH0012280076): Der Hersteller von Zahnimplantaten überzeugt mit starken Jahreszahlen. 2014 kletterten die Umsätze organisch um 6 Prozent auf 710 Millionen Franken. Dabei gab es wegen guter Geschäfte in Asien und Europa im vierten Quartal sogar ein Plus von 9 Prozent. Das grössere Umsatzvolumen und Effizienzmassnahmen brachten beim operativen Ergebnis eine klar überproportionale Steigerung um 28 Prozent auf 148 Millionen Franken. Für dieses Jahr peilt  Straumann erneut einstelliges Umsatzwachstum an. Die Aktie hat den Widerstand bei rund 280 Franken fast erreicht. Fällt die Marke könnte der schnelle Sturm auf 300 Franken kommen.

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