Die Medizinwelt blickt in diesen Tagen gebannt nach Chicago. In der US-Metropole findet vom 30. Mai bis 3. Juni die 50. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) statt. Sie gilt als weltweit wichtigster Kongress dieser Art. 25'000 Mediziner diskutieren dort über die Fortschritte im Kampf gegen Krebs. Die Veranstaltung geniesst auch bei Börsianern grosse Aufmerksamkeit. Schliesslich ist die Onkologie ein riesiges Wachstumsfeld. 2013 lagen die globalen Umsätze mit Krebsmedikamenten bei 76 Milliarden US-Dollar. Bis 2020 sieht der Marktforscher IMS einen Anstieg auf 120 Milliarden Dollar.

Roche lädt im Rahmen der ASCO am 1. Juni zu einer Investorenkonferenz. Insgesamt stellen die Basler in Chicago Daten zu 27 verschiedenen Medikamenten vor. Dabei handelt es sich um neun bereits zugelassene Wirkstoffe. Die restlichen Präparate befinden sich in der frühen Entwicklung. Im Mittelpunkt des Interesses dürfte die Immuntherapie stehen. Dabei wird der gesamte Körper in den Kampf gegen einen Tumor einbezogen. Auf diese Weise soll langfristig die extrem belastende Chemotherapie überflüssig gemacht werden.

Roche mit neuen Krebsmedikamenten

Am 31. Mai stellt Roche die Phase-eins-Studie zu einem sogenannten Anti-PDL1 bei fortgeschrittenem Blasenkrebs vor. Roche bezeichnet das Medikament als «die am weitesten fortgeschrittene Krebs-Immuntherapie in der klinischen Entwicklung» des Unternehmens. Nach Ansicht von MainFirst hat der Markt hier schon hohe Erwartungen aufgebaut. «Wir rechnen aber nicht mit einer Enttäuschung», schreibt das Analysehaus in einem Kommentar. Entsprechend stufen die Frankfurter den Genussschein mit «Outperform» ein und taxieren das Kursziel auf 310 Franken – ein Aufschlag von rund 17 Prozent auf die aktuelle Notiz.

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Trotz der positiven Aussichten hatte Roche gegenüber Novartis im bisherigen Jahresverlauf in puncto Kursperformance der Aktie das Nachsehen. Der heimische Konkurrent punktete mit einem milliardenschweren Konzernumbau. Die Krebstherapie spielt dabei ebenfalls eine zentrale Rolle. Novartis kauft für 14,5 Milliarden US-Dollar die Onkologie-Sparte des britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline. Der Deal bedeutete eine klare Kampfansage der Nummer zwei, weltweit, an Roche, den mit Abstand führenden Anbieter von Krebsmedikamenten.

Novartis-Präparat mit Potenzial zum Blockbuster

Beim ASCO-Treffen stellt Novartis Studien zu Medikamenten gegen Lungen-, Blut- und Hautkrebs vor. Dazu zählt das Ende April in den USA deutlich früher als erwartet zugelassene Präparat Zykadia. Analysten räumen dem Wirkstoff gegen Lungenkrebs das Potenzial zum Blockbuster ein. An der Börse herrscht jedenfalls Vorfreude: Zuletzt kletterte Novartis erstmals über die Marke von 80 Franken. Geht es nach den Analysten der Société Générale, ist noch mehr drin. Vor wenigen Tagen erhöhten die Franzosen das Kursziel auf 93 Franken.

Im Gleichlauf mit Novartis legte im bisherigen Jahresverlauf auch die Aktie von Merck & Co. prozentual zweistellig zu. Der US-Pharmakonzern gibt an der ASCO ein Heimspiel. Merck & Co. betreibt wie Roche intensive Forschungen auf dem Gebiet der Immuntherapie. Dabei hat sich der Antikörper MK-3475 als grosser Hoffnungsträger herausgestellt.

Merck & Co. holt auf

An der Konferenz präsentieren die Amerikaner ganze 16 Studien zu diesem Wirkstoff. Dazu zählen erste Ergebnisse in der Behandlung von Lungenkrebs. Die Immuntherapie hat für das Management höchste Priorität. Schliesslich sollen die Investitionen Merck & Co. zu einem führenden Anbieter auf dem Feld der Onkologie machen. Eine zentrale Rolle spielen in dieser Strategie die Partnerschaften mit Biotechfirmen.

Der Dow-Jones-Konzern arbeitet unter anderem mit Incyte zusammen. Dieses Unternehmen zählt zu den zehn grössten Positionen der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech. Generell ist das Portfolio der Investmentboutique aus Küsnacht stark auf die Krebsforschung ausgerichtet. Gut ein Drittel entfällt auf diesen Bereich. Möglicherweise hilft die ASCO dem Anlagevehikel, Boden gutzumachen. Nachdem BB Biotech Anfang Jahr ein Rekordhoch markiert hatte, geriet aber auch diese Aktie voll in den Sog einer allgemeinen Branchenkorrektur.

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Vier Pillen für Börsianer

Der Pharmakonzern ist mit Abstand der führende Anbieter von Krebsmedikamenten. An der ASCO stellen die Basler neue Ergebnisse der Forschung auf dem Gebiet der Immuntherapie vor. Anleger markieren sich den 1. Juni im Kalender. An diesem Tag findet eine spezielle Veranstaltung für Analysten statt. Möglicherweise wird das den Kurs der Aktie treiben.

Mit dem Kauf der Onkologie-Sparte von GlaxoSmithKline bläst die globale Nummer zwei zur Aufholjagd gegenüber dem Basler Nachbarn. An der Börse konnte Novartis bereits Boden gutmachen. Der milliardenschwere Konzernumbau hievte die Aktie auf ein Allzeithoch.

Der US-Konzern möchte ein führender Anbieter im Onkologiebereich werden. Dabei setzt Merck auf die Immuntherapie, wie die an der ASCO geplanten Präsentationen zeigen. Der US-Blue-Chip ist auf der Basis der Gewinnschätzungen für 2016 etwas günstiger bewertet als Novartis und Roche.

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Die Beteiligungsgesellschaft gilt als ein Pionier auf dem Gebiet der Biotechnologie. Grösstenteils ist BB Biotech in US-Unternehmen positioniert. Aktuelles Schwergewicht ist die auf onkologische und entzündliche Krankheiten spezialisierte Celgene. Rang zwei im Portfolio nimmt SMI-Highflyer Actelion ein.