Das Land ist weit weg – auf der anderen Seite des Globus –, doch Anleger sollten sich einmal den Philippine-Stock-Exchange-Index PSEi ansehen. Nach einer längeren Durststrecke kam die Börse Manila nämlich im vergangenen Jahr wieder auf die Erfolgsspur zurück. Und seit Anfang Jahr kletterte der Index bereits um 15 Prozent.

Getrieben werden die Kurse von einem recht ansehnlichen Wirtschaftswachstum. Im Vorjahr legte das Bruttoinlandprodukt um 7,2 Prozent zu, und wenn es nach den Volkswirten beim Researchhaus Capital Economics geht, dann wird die Wachstumsrate in diesem und in den beiden nächsten Jahren mit jeweils 6,5 Prozent auch nicht viel niedriger sein. Stimmen die erwähnten Konjunkturprognosen von Capital Economics, dann werden die Philippinen bis auf Weiteres zu den am schnellsten wachsenden Ländern in der Region zählen. Die Ratingagenturen haben eine solche positive Entwicklung auf den Philippinen bereits mit Hochstufungen der Kreditwürdigkeit des Landes honoriert, und Ausländer griffen im bisherigen Jahresverlauf auch wieder häufiger zu als noch im Vorjahr.

Wettbewerbsvorteil: Niedrige Löhne und günstige Demografie

Einer der Gründe für den Aufschwung ist die zunehmende politische Stabilität im Land. Staatspräsident Benigno Aquino hat das Geschäftsumfeld verbessert und so das Vertrauen von  Investoren gestärkt. Insgesamt wird das Land, das früher immer wieder von Unruhen und Militärputschs heimgesucht wurde, heute politisch als viel stabiler wahrgenommen. 

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Eine vorteilhafte Demografie im Land mit seinen rund 98 Millionen Einwohnern und vielen jungen Menschen schafft für eine wachsende Zahl an Arbeitskräften eine gute Grundlage für Wachstum. Immerhin wird bis 2030 ein Anstieg der Bevölkerungsgruppe im Alter von 15 bis 24 Jahren um 40 Prozent erwartet – das ist mit Abstand der höchste Wert in Asien. Einerseits steckt im niedrigen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von nur 2951 Dollar – im Durchschnitt Asien–Pazifik ohne Japan sind es 5278 Dollar – noch viel Aufholpotenzial und damit eine Nachholchance etwa für den Konsum, andererseits sind die niedrigen Löhne ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um Produktionsstätten internationaler Konzerne. Ebenfalls als wichtige Konjunkturstütze zu werten, sind die Überweisungen der im Ausland arbeitenden Philippiner. Sie sandten im Vorjahr mehr als 20 Milliarden Dollar in die Heimat, was immerhin rund 10 Prozent des Bruttoinlandproduktes entspricht. 

Philippinen – ein paar Fakten zur Wirtschaft

Doch es gibt auch einige Fallstricke für die Wirtschaft. So lag die Inflationsrate im Mai mit 4,5 Prozent über der Zielmarke, und weil auch wegen einer relativ hohen Kapazitätsauslastung weiterer Preisdruck droht, scheinen Leitzinserhöhung unausweichlich zu sein. Dafür spricht auch eine Geldmenge, die laut den Analysten von Jefferies zuletzt mit einer Jahresrate von 35 Prozent gewachsen ist. Und auch der Anstieg der Ausleihungen an den Immobiliensektor ist mit einer Zuwachsrate von 20 Prozent hoch.

Abzuwarten bleibt auch, wie sich eine Zinswende in den USA auswirken wird. In solchen Fällen kommt es in Schwellenländern wie den Philippinen oft zu Kapitalabzug internationaler Investoren. Um diese Gefahr abzuwenden oder zu mildern, helfen aber eventuell das Plus in der Leistungsbilanz sowie eine moderate Staatsverschuldung von rund 50 Prozent bezogen auf das Bruttoinlandprodukt. Bereits im Hinterkopf zu behalten, sind auch die 2016 anstehenden Wahlen, zu denen Präsident Aquino nicht mehr antreten darf.

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Börse Manila – nicht ganz moderat bewertet

Die grösste Bürde, die aus Anlegersicht der Aktienmarkt in Manila mit sich herumschleppt, ist aber eine relativ hohe Bewertung. Legt man die Daten von J.P. Morgan zu Grunde, dann ist die Eigenkapitalrendite für 2014 mit geschätzten 14,6 Prozent zwar im regionalen Vergleich hoch, doch das gilt auch für das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Mit 2,7 für 2014 ist das unter den asiatischen Börsen nach Indien der zweithöchste Wert. Auch das KGV ist mit fast 20 für 2014 recht happig. Dabei sollen die Unternehmensgewinne in diesem und im nächsten Jahr im Verhältnis dazu um vergleichsweise moderate 6,4 und 14,5 Prozent zulegen. Das KGV für den MSCI-Emerging-Markets-Index bewegt sich übrigens bei deutlich tieferen 10,9.

Günstig sind philippinische Aktien folglich nicht, was sich auch daran ablesen lässt, dass es unter den grösseren Aktien keinenTitel mit einem einstelligen KGV gibt. Auch die Dividendenrenditen fallen in der Regel eher mager aus. Mit einer erwarteten Dividendenrendite von 6,0 Prozent ist die Aktie von Philippines Long Distance Telephone (ISIN: US7182526043) eine der wenigen Ausnahmen. Der Titel ist jedoch mit einem 16er-KGV kein echtes Schnäppchen.

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Anleger setzen auf Indexzertifikate auf den PSEi

Wegen der schwierigen Informationsbeschaffung und der besseren Risikostreuung ist jedoch ein Index-Zertifikat auf den MSCI-Philippines-Index (ISIN: DE000DB6HDF8) einem Einzelinvestment vorzuziehen. Abgesehen von einem längerfristigen Anlagehorizont könnte der PSEi der Börse Manila sogar kurzfristig nach oben gehen, denn der Index notiert derzeit an der unteren Begrenzungslinie seines Aufwärtstrends vom Februar. Im Fall eines Rebounds von der Linie könnten da ganz schnell 5 bis 10 Prozent Gewinn auflaufen.