Was ist nur mit den Biotech-Aktien los? Seit Ende Februar fallen ihre Kurse. Um mehr als 15 Prozent tauchte der NASDAQ-Biotechnology-Index mit seinen 121 Mitgliedern seit dem Rekordhoch vom 25. Februar 2014 ab.

Bis dahin galten US-Biotech-Aktien ausgesprochen als Kursraketen. So hat sich der NASDAQ-Biotechnology-Index allein in den vergangenen drei Jahren nahezu verdreifacht. Angesichts dieser Dynamik überrascht es nicht, dass sich viele Anleger schon an den New-Economy-Hype bei der Jahrtausendwende erinnert fühlen. Die Angst geht um vor einem Crash. Viele Anleger fragen sich: Handelt es sich bei den jüngsten Rückschlägen um eine temporäre Korrektur, die angesichts der starken Kursgewinne überfällig war? Oder hat sich eine Biotech-Blase gebildet, die bald platzen kann?

400er-KGV im Sektor

Aktienexperte Michael P. Regan von Bloomberg weist auf die extrem hohe Bewertung des Sektors hin. Der NASDAQ-Biotechnology-Index wird mit dem 400-Fachen der aktuellen Gewinne und mit mehr als dem 90-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Auch Jonathan Krinsky, Analyst bei MKM Partners, sieht die Kursperspektiven der Branche tendenziell skeptisch: Eine «ziemlich beträchtliche Korrektur in den nächsten Monaten» sei möglich.

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Optimisten verweisen hingegen auf die hohen Wachstumsraten und sehen keine Gründe, weshalb sich an der guten Performance in Zukunft etwas ändern sollte. Zwei Punkte geben allerdings zu denken. Zum einen hat die Fed damit begonnen, die Liquidität zurückzufahren, was sich für cash-hungrige Wachstumsfirmen als Problem erweisen könnte. Zum anderen sorgte unlängst ein Brief der demokratischen Partei an die US-Firma Gilead Sciences für einiges Aufsehen. Darin forderten die Politiker das Unternehmen auf, zu erklären, warum das Hepatitis-C-Medikament Sovaldi  84'000 Dollar kostet. Medizin, so die Kritik der Demokraten, müsse für alle Einkommensschichten zugänglich sein. Nach dieser Bemerkung sackte der NASDAQ-Biotechnology-Index noch am gleichen Tag um mehr als 4 Prozent ab. Neue Medikamente durchlaufen eine kostspielige und langwierige Entwicklungs- und Zulassungsphase. Eine hohe Preisfestsetzungsmacht gilt in der Branche daher als selbstverständlich. Wenn daran gerüttelt wird, löst dies nicht nur in den Firmen, sondern auch an der Börse Unbehagen aus.

Einzelwerte mit Potenzial

Bleibt festzuhalten: Der bislang so sonnige Biotech-Himmel hat sich etwas eingetrübt. Ganz verzichten sollte man auf Investments aber nicht, zumal auch Übernahmen in diesem Bereich weiterhin eine grosse Rolle spielen werden. Allerdings kommt es auf eine gute Aktienauswahl an. Als äusserst riskant sind Unternehmen einzustufen, die Wirkstoffe einsetzen, die sich zum grössten Teil noch in der Entwicklungsphase befinden.

Stattdessen sind Unternehmen vorzuziehen, die bereits eine gewisse Grösse erreicht haben, die kontinuierliche Cashflows generieren und deren Kurs-Gewinn-Verhältnisse noch nicht ganz die Bodenhaftung verloren haben. Auf der Basis dieser Kriterien gehört der US-Biotech-Konzern Celgene zu den Favoriten der Analysten. 25 von 29 Experten stufen die Aktie mit «Buy» oder «Outperform» ein. Eine positive Kursentwicklung wird auch Gilead Sciences und Biogen Idec zugetraut, während der Branchenriese Amgen unter der Analystenschar an Strahlkraft verloren hat. Last, but not least, sollten Anleger auch die heimische Actelion weiter auf dem Radar haben. Das Unternehmen überzeugte zuletzt mit guten Geschäftszahlen.

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Günstige Titel – mit 20er-KGV noch moderat bewertet

Celgene (ISIN: US1510201049)

Das Unternehmen hat im Januar die Umsatzziele für diverse Medikamente angehoben, unter anderem für die Krebsmedikamente Revlimed und Pomalyst, und ist mit einem 20er-KGV nicht teuer.

Gilead Sciences (ISIN: US3755581036)

Für Schlagzeilen sorgte zuletzt ein neues Hepatitis-C-Medikament, das nach Analystenschätzung im ersten Jahr bis zu 9 Milliarden Dollar einbringen könnte. Der Wert ist mit einem 18er-KGV vergleichsweise moderat bewertet.

Biogen Idec (ISIN: US09062X1037)

Mit einer Marktkapitalisierung von 73 Milliarden Dollar gehört Biogen zu den Biotech-Schwergewichten. Im 2014 plant das Unternehmen die Einführung von drei neuen Medikamenten. Die wichtige Unterstützung um 300 Dollar muss halten.

Actelion (ISIN: CH0010532478)

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Die Aktie gilt als wachstumsstark und mit einem KGV von 22 dennoch als günstig bewertet. Auch deshalb hat sich der Titel während der jüngsten Marktschwäche sehr gut gehalten.