Auch 2017 wird nicht frei von Rückschlägen, Dramen und Sorgen sein. Diese vorherzusagen, ist nicht möglich. Das alternierende Muster von Finanzmarktschocks und -paniken, gefolgt von langsamen, aber breiten Erholungen, in deren Folge wieder neue Index-Hochstände erreicht werden, charakterisiert den Aufstieg der globalen Aktien von 2009 bis heute.

An diesem Muster wird sich nichts ändern. Das nächste Gewitter könnte schon morgen über die Börsen herziehen. Doch die Aussichten für ein gesamthaft gutes, vielleicht sogar ein aussergewöhnlich gutes Börsenjahr 2017 für Schweizer Anleger scheinen besser denn seit langem.

Aktienmärkte in Erholungsphase

Kurz: Die globalen Aktienmärkte befinden sich seit 2009 in einer Erholungsphase. Sie ist getragen von a) einem positiven Weltwirtschaftswachstum, b) einer expansiven Geldpolitik und c) rekordhohen ­Aktienrückkäufen von Unternehmen. Solange die Weltwirtschaft weiter wächst, dürfte dieses alternierende, langfristig ­positive Muster («ein Schritt zurück, zwei Schritte vorwärts») fortbestehen. Denn die Auslöser echter Aktienbaissen sind fast immer Rezessionen.

Doch zurzeit ist a) keine Rezession sichtbar, b) der Zinsanstieg so moderat, dass die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Bonds sogar steigt, und c) ist selbst ohne Aktienrückkäufe von Unternehmen eine anhaltend starke Nachfrage nach Aktien wahrscheinlich, weil Investoren bislang noch kaum An­lageumschichtungen von Bonds in ­Aktien vorgenommen haben.

Risiken im Börsenjahr 2017

Was sind die Risiken im Börsenjahr 2017? Ein Überschiessen der Inflation, eine Kreditkrise in China, geopolitische Spannungen und eine erneute Vertrauenskrise beim Euro. Diese Risiken sind real und ermahnen zur Diversifikation – insbesondere auch in Obligationen.

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Aber was geschieht, falls die französischen Präsidentschaftswahlen ein positives Signal für den Euro aussenden? Dann könnte sich der Euro sehr rasch aufwerten. In Deutschland würden die Kapitalmarktrenditen vom Negativen ins Positive drehen, europäische Aktien würden profitieren, der Schweizer Franken würde sich abwerten und Schweizer Aktien wären die Gewinner. Wir haben für dieses ­Szenario unsere Einstufung europäischer Aktien auf Neutral hochgestuft und unsere Übergewichtung von Schweizer Aktien bestätigt.

In diesen Zeiten sollten Investoren durchhalten und diversifiziert in Risikoanlagen investiert bleiben. Das ist nachhaltiger als Liquiditätshaltung. Und es ist vorteilhafter als ein abwechselndes Ein- und Aussteigen aus den Märkten. Weil 
es sich selten lohnt, in vorauseilender ­Ergebenheit vor möglichen Rückschlägen in Cash zu flüchten. Denn langfristig stammen unsere Wertsteigerungen von dem, was wir besitzen – nicht von jenem, was wir verkaufen. Das unscheinbare ­Geheimnis erfolgreicher Anleger besteht in der Fähigkeit, systematische Risiko­prämien nachhaltig und diversifiziert zu verdienen.

«Die Geschichte wiederholt sich nicht»

Schon in der Vergangenheit dauerten säkulare Haussen oft länger, als die meisten Anleger sich vorstellen konnten. Genau hierin liegt die charakteristische Gemeinsamkeit dieser Haussen. Jede durchläuft – aus der Ferne betrachtet – immer dieselben vier Phasen. Haussen werden erstens zunächst in Krisen geboren, wachsen zweitens an einer sprichwörtlichen «Mauer der Skepsis» (die sich zurzeit in den unverändert tiefen Aktienquoten der meisten Anleger spiegelt), reifen drittens im Optimismus und enden viertens mit einer ­Euphorie.

Das ändert auch nichts daran, dass es innerhalb jeder dieser vier typischen Phasen auch Zyklen aus Angst und Gier gibt. So befinden sich globale Aktien seit der Finanzmarktkrise 2009 in einem langsamen Aufstieg. Die sprichwörtliche Mauer der Skepsis ist zu einem guten Teil erklommen, aber noch nicht überwunden.

Bereits zwischen 1955 und 1968 fixierte in den USA eine vergleichbar akkommodierende Geldpolitik die langjährigen Zinsen während 13 langen Jahren auf einem künstlichen Niveau von 2,5 Prozent. In der Folge verzehnfachte sich der amerika­nische Dow-Jones-Index von 100 Punkten (1955) auf 1000 Punkte (1968). Erst als ­diese Geldpolitik 1968 verworfen wurde, begann für Bond-Anleger eine schwierige Phase (die Zinsen stiegen bis 1982 auf 17 Prozent) und eine Reise ins Ungewisse für Aktieninvestoren (der Dow-Jones notierte auch 1982 immer noch auf 1000 Punkten). «Die Geschichte wiederholt sich nicht, doch manchmal reimt sie sich», soll Mark Twain gesagt haben.

*Burkhard Varnholt, CIO Schweiz, Credit Suisse, 
Zürich.