An den Aktienmärkten t ging es in den vergangenen Monaten meist bergauf. Überraschungssieger der weltweiten Rally waren die Schwellenländer: Der Aktienindex MSCI Emerging Markets kletterte seit Jahresbeginn um mehr als 25 Prozent nach oben, während der globale Index MSCI World und der MSCI Europe ein Plus von je 13 Prozent schafften. Grund dafür war hauptsächlich ein milliardenschweres Konjunkturprogramm in China, das die dortige Wirtschaft stützte und die Rohstoffpreise nach oben trieb.

Das aktuelle Programm zum Ausbau der chinesischen Infrastruktur soll im Jahr 2018 auslaufen. Schwellenländeraktien werden sich in den kommenden Monaten trotzdem weiter gut entwickeln, erwarten Marktbeobachter: «Dafür sprechen besonders die steigenden Unternehmensgewinne», erklärt der Fondsanbieter Capital Group. In diesem Jahr dürften die Gewinne von Schwellenländerunternehmen im Schnitt um 17 Prozent steigen, schätzt das US-Analysehaus FactSet Research. So stark waren die Gewinne von Firmen in Emerging Markets seit sieben Jahren nicht gestiegen.

Seit Jahresbeginn stieg der Aktienkurs um 73 Prozent

Auch andere Marktbeobachter rechnen damit, dass der Aufwärtstrend in den Schwellenländern sich fortsetzt. Die Schweizer Grossbank UBS hat jüngst eine Liste mit 40 aussichtsreichen Emerging-Markets-Valoren veröffentlicht. Auf ihr finden sich sowohl bekannte und etablierte Schwellenländerfirmen als auch vergleichsweise unbekannte attraktive Titel. Die UBS-Analysten halten auf asiatische Titel grosse Stücke, ebenso wie auf ausgewählte russische und brasilianische Valoren.

Auf der Liste finden sich allein zehn chinesische Unternehmen. Ein alter Bekannter ist der Internetriese Alibaba, das chinesische Pendant zum US-Onlinehändler Amazon. Alibaba ist seit nicht einmal drei Jahren an der Börse kotiert, zählt aber längst zu den Stars unter den Schwellenländeraktien. Seit Jahresbeginn stieg der Aktienkurs um 73 Prozent. Die UBS-Analysten sehen offenbar weiteres Aufwärtspotenzial. Genauso wie bei der Suchmaschine Baidu, einem weiteren IT-Giganten aus China. Mit ICBC und Ping An Insurance stehen zudem zwei chinesische Finanzdienstleister auf der UBS-Liste.

Weitere asiatische Lieblings-Länder der UBS-Analysten sind Korea, Taiwan und Indien. Aus Korea sind die Elektronikkonzerne Samsung und LG dabei, die taiwanesische IT-Industrie ist mit TSMC und ASE vertreten. Mit der State Bank of India und der ICICI Bank stehen zwei Titel aus der indischen Finanzbranche auf der Liste, dazu kommen der IT-Dienstleister Tata Consultancy und der Konsumgüterhersteller Marico.

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UBS-Analysten sehen Chancen im IT-Sektor

Aktien aus Brasilien haben Anlegern in der Vergangenheit nicht immer Freude gemacht. Die UBS zeigt sich nun optimistisch und hat zwei grosse Werte aus dem südamerikanischen Land neu auf die Liste gesetzt: Den Mineralölkonzern Petrobras und die Bank Itaú Unibanco. Petrobras stand lange im Zentrum einer Korruptionsaffäre, die Brasilien erschütterte. Zuletzt überraschte der Konzern aber wieder mit positiven Nachrichten, vermeldete einen hohen Gewinn. Künftig könnte es auch an der Börse wieder besser laufen.

Insgesamt sehen die UBS-Analysten Chancen vor allem in der Finanz- und Telekommunikationsbranche sowie im IT-Sektor. Industriewerte und Aktien aus der Konsumgüterbranche spielen dagegen eine kleinere Rolle.

Bei Anlegern sind Schwellenländer-Fonds im Übrigen schon seit längerem wieder gefragt. Marktbeobachter lobten in den vergangenen Monaten immer wieder die günstigen Bewertungen der Schwellenländeraktien und die gute Konjunkturentwicklung in vielen Emerging Markets. Nach der Schwächephase der vergangenen Jahre spricht mancher gar schon von «Remerging Markets». Anleger sollten die aufstrebenden Volkswirtschaften im Auge behalten und können bei ausgewählten Titeln zugreifen. Wie immer bei Schwellenländeraktien gilt es aber, genau hinzusehen.