Geprägt wurde der Begriff «Frontier Markets» 1992 von der Ökonomin Farida Khambata, als zum ersten Mal Daten zu kleineren Kapitalmärkten wie z.B. zu Kuwait und Qatar veröffentlicht wurden. Als Frontier Markets gelten Länder, welche Teil des Emerging-Markets-Universums sind, die jedoch unterentwickelte Finanzmärkte mit geringer Marktkapitalisierung und knapper Liquidität aufweisen. Ausserdem werden sie unterhalb Investment Grade gehandelt.

Angesichts der Entwicklung von Emerging Markets im letzten Vierteljahrhundert lohnt es sich, Frontier Markets genauer zu betrachten. Sie sind die nächste Emerging-Markets-Generation. Es sind aufstrebende Volkswirtschaften mit einer jungen Bevölkerung und einer wachsenden Mittelschicht. Die Lohnkosten sind im Verhältnis zu Emerging Markets tiefer. Diese Gegebenheiten führen zu steigender Attraktivität für Direktinvestitionen. China zum Beispiel investiert schon seit langem in Rohstoff- und Infrastruktursektoren in Afrika.

Hohes Wachstum in Frontier Markets 

Die Wachstumsaussichen der Frontier Markets sind vielversprechend. Während bei Emerging Markets das Wachstum des Bruttosozialproduktes auf ansprechendem Niveau konsolidiert, steigt es in den Frontier Markets weiter. Der Verschuldungsgrad dieser Märkte ist mit 48 Prozent des Bruttosozialproduktes klein und gibt mit den prognostizierten Aussichten auch keinen Anlass zur Besorgnis.

Anzeige

Afrikanische und südasiatische Länder expandieren schneller. Für diese Länder prognostiziert der internationale Währungsfonds IWF bis 2030 ein jährliches Wachstum von 6 bis 7 Prozent. Für die Emerging Markets rechnet der IWF in diesem Zeitraum immerhin noch mit Zuwächsen von rund 5 Prozent im Jahr, bei den Industriestaaten hingegen nur mit einem Plus von 2 Prozent im Jahr.

Risikostreuung mit den kleinen Kapitalmärkten

Frontier Markets bieten nicht zuletzt dank ihrer Intransparenz attraktive Renditemöglichkeiten. Voraussetzung für ein erfolgreiches Investieren sind Kenntnisse der lokalen Gegebenheiten. Ob die Suche nach Rendite in Frontier Markets wirklich endet, muss der Anleger selbst einschätzen. Die Frontier Markets tragen mit niedrigen Korrelationen gegenüber anderen Anlageklassen zur Diversifikation und somit zu einem attraktiveren Risiko/Rendite-Verhältnis bei. Des Weiteren gilt es, den «early mover»-Vorteil nicht zu vernachlässigen.

Christoph Tanner, Client Service und Relationship Manager ING Investment Management Schweiz