Es ist eine Frage der Interpretation, ob der Auftakt der Quartalssaison in der Schweiz gelungen ist oder nicht. Die Zahlen von Givaudan sprechen aber dafür, den Daumen nach oben zu richten. Von Januar bis März verbuchte der Aromen- und Duftstoffhersteller einen Umsatz von knapp 1,1 Milliarden Franken und übertraf damit die Erwartung der Analysten. Dennoch gab es eine Verlangsamung im Wachstum. Bereinigt um Wechselkurseinflüsse dehnte sich das Geschäft im ersten Quartal lediglich um 0,9 Prozent aus. Anfang 2014 kletterten die Erlöse noch um 5,7 Prozent. Neben der bestätigten Prognose fällt der relativ geringe Währungseffekt auf, der nur bei 50 Basispunkten liegt.

Der erste Zwischenbericht aus dem SMI in der laufenden Quartalssaison macht zwei zentrale Fragen deutlich: Wie und wo können die Grosskonzerne wachsen, und welche Folgen hat der durch die SNB ausgelöste «Franken-Schock»? Neben Givaudan könnten weitere Unternehmen über zunehmenden Gegenwind aus den Schwellenländern Asiens und Osteuropas berichten. Vor allem in China zeigte die Wirtschaft zuletzt eine langsamere Gangart. Während die Russland-Krise die Konjunktur im Osten des alten Kontinents drosselt, nimmt die Eurozone Fahrt auf. Anfang März und damit praktisch zeitgleich mit dem Start ihres gross angelegten Anleihenkaufprogramms schraubte die EZB ihre Prognosen nach oben.

Adecco: Rückenwind aus Europa

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Für Aufsehen könnten daher insbesondere Konzerne sorgen, die in Europa stark vertreten sind. Beispiel Adecco (ISIN CH0012138605): 2014 erwirtschaftete der Personalvermittler mehr als 60 Prozent seiner Umsätze auf dem alten Kontinent. Insofern wird wohl der Aufschwung dem zyklischen Unternehmen voll in die Hände spielen. Bereits im vierten Quartal des vergangenen Jahres schaffte Adecco beim Betriebsgewinn eine Rekordmarge von 5,3 Prozent. Im laufenden Jahr möchte CEO Patrick De Maeseneire diese zentrale Kennzahl auf mehr als 5,5 Prozent erhöhen.

Allerdings müssen sich Anleger noch gedulden, bis der Job-Dienstleister Einblick in den Geschäftsgang gewährt. Erst am 7. Mai liegt der Zwischenbericht vor. Möglicherweise wird sich De Maeseneire aber bereits am kommenden Dienstag, 21. April, bei der Generalversammlung, zur jüngsten Entwicklung äussern. Wie auch immer: Investoren setzen seit längerem auf das Europa-Momentum des Unternehmens. Auch wenn sie seit einigen Wochen stagniert – seit Jahresanfang führt die Adecco-Aktie die Performance-Liste im SMI mit einem Plus von rund 20 Prozent an. Starke Zahlen oder möglicherweise sogar einer Erhöhung der Prognose könnten den nächsten Schub auslösen.

Geberit: Qualitätstitel mit stolzem Preis

Mit Geberit (ISIN CH0030170408) ist ein weiteres Unternehmen mit signifikanten Geschäftsanteilen in Europa im vorderen Drittel der SMI-Jahresperformance zu finden. Im vergangenen Jahr lag der Umsatzanteil des Konzerns aus Rapperswil–Jona bei mehr als 90 Prozent. Sowohl mit den Erlösen als auch beim Ergebnis übertraf der Sanitärtechnikspezialist die Erwartungen. Am 28. April darf zum ersten Mal der seit Anfang Jahr amtierende CEO Christian Buhl die Quartalszahlen präsentieren. Im Mittelpunkt des Interesses dürfte bei der Telefonkonferenz zum einen die Integration von Sanitec stehen. Gerade hat Geberit den mehr als eine Milliarde Franken schweren Kauf des finnischen Keramikherstellers vollzogen.

In puncto Prognose bietet die Zahlenvorlage kaum Überraschungspotenzial. Es ist gerade einmal fünf Wochen her, dass der Konzern einen vorsichtigen Ausblick für 2015 präsentierte. Demnach sieht das Management im Übertreffen der Vorjahresresultate eine Herausforderung. Wer sich die Geberit-Aktie in der Hoffnung auf einen starken Jahresauftakt ins Portfolio holen möchte, muss einen stattlichen Preis bezahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2016 liegt bei 23,6 und damit deutlich über dem SMI-Durchschnitt. Allerdings sind ausgedehnte Bewertungen im aktuellen Börsenumfeld, gerade bei solchen Qualitätstiteln, fast schon normal.

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Novartis: Offensive Prognose

Das gilt auch für Novartis. Der SMI-Krösus bringt mittlerweile ein 2016er-KGV von gut 18 mit. Am 23. April präsentiert das Pharmaunternehmen Zahlen für das erste Quartal. Dabei dürfte der vor einem Jahr angekündigte Konzernumbau eine wichtige Rolle spielen. Novartis hat Einmaleffekte aus den mittlerweile abgeschlossenen Transaktionen angekündigt. Wichtig ist zudem die operative Entwicklung. CEO Joseph Jimenez hat für 2015 ehrgeizige Ziele ausgegeben.

Während der Umsatz unter Ausschluss von Wechselkurseffekten um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag wachsen soll, rechnet er beim bereinigten operativen Gewinn sogar mit einer Steigerung im hohen einstelligen Prozentbereich. An der Börse konnte Jimenez damit punkten. Die Novartis-Aktie verteuerte sich 2015 bis dato um 8 Prozent und übersprang sogar erstmals die 100-Franken-Marke.

Richemont: Analyst hebt den Daumen

Hingegen hat Richemont den Kontakt zum dreistelligen Kursbereich zuletzt verloren. Bei einem aktuellen Kurs von 84 Franken notiert der Luxusgüterkonzern um 5,7 Prozent unter dem Vorjahresultimo. Im SMI schnitt nur SGS schwächer ab.

Die am 22. Mai zur Veröffentlichung anstehende Bilanz für die Fiskalperiode 2014/15 (per 31. März) wird zeigen, ob sich die Absatzschwäche in Asien Anfang Jahr fortgesetzt hat. Nach Ansicht von Sarasin-Analyst Michael Romer ist das schwierige Geschäftsumfeld mehr als im Kurs eingepreist. Die Privatbank hat Richemont daher vor kurzem in ihren Top-Picks-Basket aufgenommen. Vorsichtige Anleger, welche dem Blue Chip ebenfalls ein Comeback zutrauen, können mit dem Einstieg warten, bis er die 200-Tage-Linie überschreitet. An diesem gleitenden Durchschnitt beisst sich die Aktie seit Ende Februar sprichwörtlich die Zähne aus.