Keine zehn Monate sind seit dem Investorentag von Novartis vergangen. Dennoch lässt sich schon jetzt sagen, dass der Anlass die Wahrnehmung des Pharmakonzerns unter Börsianern nachhaltig verändert hat. CEO Joseph Jimenez hatte damals, am 22. November 2013, in London, nicht nur ein Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von fünf Milliarden US-Dollar sowie die Ankündigung einer «starken und wachsenden Dividende» im Gepäck, er machte zudem deutlich, dass das Unternehmen konsequent auf die drei Kernbereiche Pharma, Augenheilkunde und Generika ausgerichtet werden soll. Der Top-Manager liess diesen Worten auch Taten folgen. Im April kündigte Jimenez einen 27 Milliarden US-Dollar schweren Konzernumbau an.

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Mit dieser Strategie steht Novartis symbolhaft für viele grosse Pharmaunternehmen. Auslaufende Patente, zunehmende Konkurrenz durch Generikaprodukte sowie Sparmassnahmen im staatlichen Gesundheitssystem zwangen den Sektor in den vergangenen Jahren, sich neu zu erfinden. Glaubt man den Börsenkursen, dann ist die Renaissance gelungen: Auf Sicht von zwölf Monaten verteuerte sich der STOXX-Europa-Pharmaceuticals-Index um knapp einen Viertel. Zum Vergleich: Der marktbreite STOXX-Europe-600-Index gewann im selben Zeitraum rund 10 Prozent an Wert.

Emerging Markets – der Wachstumstreiber

Die Begeisterung für die «Big Pharmas» dürfte auch in einem direkten Zusammenhang mit den Wachstumsaussichten stehen. Das IMS Institute for Healthcare Informatics geht davon aus, dass die weltweiten Ausgaben für Medikamente bis 2017 um 230 bis 260 Milliarden US-Dollar zunehmen werden. Im laufenden Jahr soll der Gesamtmarkt die Schallmauer von einer Billion US-Dollar erreichen. Die Experten begründen ihre Prognose unter anderem mit einer weltweit rapide wachsenden Mittelschicht, die sich Medikamente leisten kann.

Insofern kommt das Wachstum vor allem aus den Schwellenländern. Nordamerika, Europa und Japan traut IMS nur eine jährliche Steigerungsrate von 1 bis 4 Prozent zu. Hingegen könnte das Plus in den Emerging Markets bei über 10 Prozent liegen. Was die einzelnen Anwendungsgebiete anbelangt, dehnt sich vor allem der Onkologiebereich rasant aus. 2013 lagen die globalen Umsätze mit Krebsmedikamenten bei 76 Milliarden US-Dollar. Bis 2020 sieht IMS einen Anstieg auf 120 Milliarden Dollar.

Roche vor dem Ausbruch aus der Seitwärtsrange

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass ein Schwerpunkt der Neuaufstellung von Novartis in diesem Sektor liegt. Die Basler kaufen für 14,5 Milliarden US-Dollar die Onkologie-Sparte des britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline. An der führenden Position von Roche in diesem Segment kann der Deal allerdings nicht rütteln. Auch der zweite Schweizer Pharmariese mischt bei der Übernahmewelle im Sektor munter mit. Kürzlich kündigte Roche an, für 8,3 Milliarden US-Dollar in bar die Biotechfirma Intermune kaufen zu wollen. Hauptprodukt der Kalifornier ist das Lungenmedikament Pirfenidone. Aufhorchen lässt auch das Chartbild von Roche. Die Genussscheine stehen kurz davor, aus ihrer kurzfristigen Seitwärtsrange nach oben auszubrechen. Mutige Anleger spekulieren mit einem Faktor-Zertifikat Long (Details siehe unten) auf dieses Szenario.

Derweil hat sich die Novartis-Aktie bereits von allen charttechnischen Fesseln befreit. Allein seit Anfang September verteuerte sich der Blue Chip um mehr als 6 Prozent. Auslöser dieser Rally waren Studienresultate zu einem neuen Herzmedikament. Nach Ansicht der Analysten von J. Safra Sarasin hat der Wirkstoff LCZ696 das Zeug zum Blockbuster. «Möglicherweise liegt das maximale Marktpotenzial über den Spitzenumsätzen von Diovan», schwärmen die Experten. Dieser Blutdrucksenker hatte 2011 Erlöse von nahezu sechs Milliarden US-Dollar erwirtschaftet, ehe der Patentschutz verloren ging. Ungeachtet dessen lässt sich beim Aktienkurs von Novartis eine gewisse Überhitzung nur noch schwer von der Hand weisen. Daher bietet sich eine teilgeschützte Positionierung als Alternative zum Direktinvestment an.

Sollte dem Roche-Genussschein der Ausbruch aus dem kurzfristigen Abwärtstrend gelingen, würde dieses Produkt überproportional profitieren. Das Zertifikat nimmt mit einem konstanten Hebel von drei an steigenden Notierungen des Blue Chips teil. Wichtig: Das Derivat eignet sich gut für kurzfristiges Trading. Eine dauerhafte Positionierung ist hingegen nicht sinnvoll. Geht das Kalkül steigender Kurse nicht auf, drohen hohe Verluste.

Diese Neuemission der Credit Suisse räumt einen Abschlag von knapp 6 Prozent auf den Kurs der Novartis-Aktie ein. In diesem Umfang ist der Produktinhaber vor Verlusten teilgeschützt. Der Höchstbetrag liegt bei 87.50 Franken. Solange der Basiswert die Laufzeit auf oder über dieser Marke beendet, wirft das Derivat die Maximalrendite von 6,31 Prozent p.a. ab.

In diesem Index sind nicht nur grosse Pharmaunternehmen, sondern auch Biotechgesellschaften, Klinikbetreiber oder sonstige Gesundheitsexperten vertreten. Mangels Alternativen eignet sich das Produkt aber dennoch, um auf weitere Avancen in diesem Sektor zu setzen. Mit Astrazeneca, Glaxosmithkline, Novartis, Roche und Sanofi ist das «Who's who» der europäischen Pharmaindustrie in der Benchmark zu finden. Die UBS bietet den Tracker überdies gebührenfrei an.

Tracker-Zertifikat auf International Sustainable Pharma Basket (ISIN CH0212295403)

Nach den Vorstellungen eines Kunden gestaltete Leonteq im Mai 2013 eine Auswahl an Pharmaunternehmen. Neben namhaften europäischen Sektorvertretern – darunter Novartis und Roche – umfasst der Korb «Big Pharmas» aus den USA wie Elli Lilly oder Merck & Co. Die japanischen Konzerne Takeda und Astellas runden das Portfolio ab. Die Performance kann sich sehen lassen, auf Sicht von zwölf Monaten legte der Tracker um einen Viertel zu. Zwar ist das Derivat nicht kotiert, es kann aber im ausserbörslichen Handel gekauft und verkauft werden.