Notenbanken, Konjunkturdaten und Geopolitik – in den vergangenen Wochen bestimmten an den Aktienmärkten vor allem diese drei Themenbereiche das Geschehen. Ab sofort stehen wieder mehr die Unternehmen und ihr operatives Geschäft im Fokus. Nur zwei Tage nachdem der Aluminiumkonzern Alcoa an der Wall Street die «Earnings Season» eingeläutet hatte – die Zahlen des ehemaligen Dow-Jones-Mitglieds lagen deutlich über den Erwartungen –, meldet sich Givaudan zu Wort.

Der Aromen- und Riechstoffehersteller meldet heute die Umsatzzahlen per 30. September. In der Publikation dürfte ein zentrales Thema der anrollenden Zahlenflut zum Ausdruck kommen: Die Folgen der jüngsten Aufwertung des US-Dollars. Im dritten Quartal legte der Greenback gegenüber dem Schweizer Franken um 7,7 Prozent zu.

Unternehmen profitieren jetzt vom Dollaraufschwung

«Nach Jahren deutlichen Gegenwindes verspüren viele Unternehmen erstmals Rückenwind», kommentiert Alfred Steininger, Leiter der Aktien- und Fondsanalyse bei der St. Galler Kantonalbank die jüngste Entwicklung am Devisenmarkt.  

Steininger zählt insbesondere die Indexschwergewichte Nestlé, Novartis und Roche zu den Profiteuren eines steigenden Dollars. Darüber hinaus rechnet er bei Banken und Versicherungen sowie bei den Luxusgüterherstellern mit positiven Effekten. «Insbesondere ab dem vierten Quartal wird der stark gestiegene US-Dollar die Unternehmensgewinne positiv beeinflussen», sagt der Analyst. Neben einer vorteilhaften Auswirkung durch die Währungsumrechnung erwartet er einen Schub beim Geschäftsvolumen. «Zum Teil dürften diese Effekte jedoch durch Absicherungsmassnahmen der Firmen verzögert eintreten», ergänzt Steininger.

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Eurozone – Konjunkturflaute hält an

Keinen oder nur einen geringen Rückenwind dürfen die heimischen Grosskonzerne aus der Eurozone erwarten. Das gilt sowohl in Bezug auf den Wechselkurs als auch auf das makroökonomische Umfeld. Die überraschende Zinssenkung der europäischen Zentralbank (EZB) von Anfang September drückte den Euro in Relation zum Franken auf das tiefste Niveau seit November 2012. Trotz der ultralockeren EZB-Politik verliert die Währungsunion an Schwung. Vor wenigen Tagen schraubte der internationale Währungsfonds (IWF) die Prognose für den Euroraum zurück. Er erwartet für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Wirtschaftsleistung um 1,3 Prozent expandieren. Zuvor hatten die Experten Steigerungsraten von 1,1 respektive 1,5 Prozent auf dem Zettel. In dieses Bild passen die jüngsten Aussagen von Adecco. Im September fiel die saisonal übliche Geschäftsbelebung beim führenden Personaldienstleister schwächer aus als üblich.

Die Meldung des besonders konjunktursensiblen und stark von Europa abhängigen Konzerns muss kein schlechtes Omen für die anstehende Quartalssaison sein. Zumal Adecco am Margenziel für 2015 festhält. Es gibt im SMI eine Reihe von Unternehmen, denen neben der Dollar-Aufwertung die relative Stärke der US-Wirtschaft in die Hände spielen dürfte. Der IWF hat die Prognose für die grösste Volkswirtschaft der Welt sogar erhöht. Schon in der kommenden Woche werden sich zwei heimische Unternehmen zu Wort melden, welche von dieser Gemengelage möglicherweise profitieren werden. Am 16. Oktober publizieren Roche und Nestlé Verkaufszahlen für das dritte Quartal. Ausserdem gibt das Top-Management beider Konzerne in Telefonkonferenzen Auskunft zum jüngsten Geschäftsgang. Da zudem Syngenta und Sulzer Einblick in die Bücher gewähren, steht Anlegern nächste Woche ein «heisser Donnerstag» ins Haus.

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Die Roche-Genussscheine hätten einen positiven Impuls aus dem am 16. Oktober anstehenden Zwischenbericht bitter nötig. Zuletzt hat das SMI-Mitglied innert einer Woche um mehr als 4 Prozent nachgegeben. Neben dem schwachen Marktumfeld lastete eine Studie von Morgan Stanley auf dem gesamten Sektor. Die US-Bank stufte die europäische Pharmabranche von «Equal-Weight» auf «Underweight» herab. Der Genussschein notiert an der unteren Begrenzung des Aufwärtstrends. Anleger spekulieren auf einen schnellen Rebound.

Der positive Effekt aus den überraschend starken Halbjahreszahlen sowie aus der Ankündigung eines Aktienrückkaufs ist verpufft. Nestlé scheiterte am Ausbruch über den laufenden Seitwärtstrend. Am 16. Oktober wird sich der weltweit grösste Lebensmittelkonzern erneut zu Wort melden. Nach der Veröffentlichung der Umsatzzahlen lädt das Top-Management um 8:30 Uhr zu einer Telefonkonferenz ein. Neben den Wechselkurseinflüssen, im ersten Halbjahr schmälerte der starke Franken die Umsatzausweitung um 8,8 Prozentpunkte, wird wohl die organische Wachstumsrate im Fokus stehen.

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Der Versicherungsvalor glänzt momentan mit relativer Stärke. Während der SMI innert eines Monats um mehr als 3 Prozent nachgegeben hat, legte Zurich zu und notiert im Bereich des Jahreshochs. Die St. Galler Kantonalbank zählt den Assekuranzkonzern zu den stärksten Profiteuren der Dollar-Aufwertung. Begründung: Mehr als 30 Prozent der Einnahmen kommen aus den USA. Daher könnte sich auch die starke Konjunktur in den Staaten positiv auf die Neunmonatszahlen auswirken. Am 6. November veröffentlicht Zurich die Quartalsbilanz.