1. Home
  2. Invest
  3. Roche unter Druck: Rivale Novartis zieht davon

Pharma
Roche unter Druck: Rivale Novartis zieht davon

Imported Image
Roche-Turm in Basel: Novartis liegt derzeit vorn. Keystone

Im Rennen der Basler Pharmariesen hat Novartis derzeit die Nase vorn. Vor dem Chefwechsel klappen wichtige Projekte. Bei Roche dagegen herrscht Unruhe: eine Studienpleite jagt derzeit die nächste.

Von Annika Janssen
2017-09-14

Roche und Novartis sind beinahe Nachbarn. Die Hauptsitze der beiden Pharmariesen in Basel liegen nur wenige hundert Meter auseinander. Während der Roche-Turm stolze 178 Meter in die Höhe ragt und die Skyline mitprägt, ist der Novartis-Campus mit seinen vielförmigen Glasbauten eine eigene Stadt in der Stadt. An der Börse waren die beiden SMI-Schwergewichte sich zuletzt nicht so nahe: Der Chart der Novartis-Aktie zeigt seit Monatsbeginn eine stetige Aufwärtsbewegung, allein in den vergangenen vier Wochen stieg der Kurs um 3,2 Prozent. Für den Roche-Valor ging es im selben Zeitraum mal bergauf, mal bergab. Zuletzt kam der Kurs kaum vom Fleck.

Die unterschiedliche Entwicklung der sonst oft im Gleichschritt marschierenden Pharma-Titel hat mit der Nachrichtenlage der vergangenen Wochen zu tun. Während Novartis überwiegend Gutes zu vermelden hatte, musste Roche gleich mehrere Rückschläge verkraften. Analysten trauen dem Novartis-Valor deshalb momentan mehr zu als der Aktie des Basler Konkurrenten.

Neuer Novartischef – ein Brancheninsider

Anfang September hatte Novartis mit einem personellen Paukenschlag für Aufsehen gesorgt: CEO Joseph Jimenez wird den Konzern Anfang 2018 nach acht Jahren im Amt verlassen. Sein Nachfolger steht schon in den Startlöchern: Im Februar 2018 wird der 41-jährigen Vas Narasimhan das Ruder übernehmen. Narasimhan arbeitet bereits seit zwölf Jahren in der Pharmaforschung bei Novartis und gilt anders als Jimenez als Brancheninsider. Er soll den Konzern fit für die Zukunft machen und sich dazu unter anderem um den Ausbau der Krebssparte kümmern. In diesem Bereich konnte Novartis vor kurzem mit der Zulassung des gentherapeutischen Krebsmittels Kymriah einen grossen Erfolg verbuchen.

2018 wird für Novartis also ein Jahr des Umbruchs – und das nicht nur, weil mit Narasimhan ein neuer Chef an der Konzernspitze steht. Der Konzern muss im Laufe des kommenden Jahres auch entscheiden, wie es mit der Augenheilsparte Alcon weitergeht. Noch stehen viele Optionen offen, etwa ein Verkauf oder auch ein Börsengang der Sparte. Novartis hatte Alcon im Jahr 2010 übernommen. Marktbeobachter halten das rückblickend mehrheitlich für eine Fehlentscheidung, weil die Augenheilsparte kaum Wachstum gebracht hat.

Neues Blockbuster-Medikament

Zudem muss Novartis bald ein neues Blockbuster-Medikament am Markt etablieren. Der Patentschutz für das umsatzträchtigste Medikament des Konzerns, das Leukämie-Mittel Glivec, ist nämlich im Jahr 2016 abgelaufen. Sobald die Konkurrenz nun günstigere Generika lanciert, könnte es zu Umsatzeinbussen kommen.
Analysten bewerten den Novartis-Valor mehrheitlich positiv. Stephen McGarry, Analyst von HSBC, rät mit Blick auf die Zulassung des Krebsmittels Kymriah in den USA zum Kauf: «Das Umsatzpotenzial der Gentherapie ist deutlich höher als es der Markt derzeit erwartet», sagt McGarry.

Auch die US-Investmentbank Morgan Stanley blickt positiv in die Zukunft, vor allem, weil der neue CEO Narasimhan medizinisches Fachwissen mitbringt. «Wir glauben, dass Vas Narasimhan die Fähigkeiten und die Führungskraft einbringen wird, um die Herausforderungen von Novartis zu bewältigen», heisst es dort. Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), nennt Narasimhan gar «eine exzellente Wahl».

Gemischte Gefühle beim Blick auf Roche

Auf den Novartis-Konkurrenten Roche blicken Marktbeobachter dagegen mit gemischten Gefühlen. Das liegt vor allem an den jüngsten Nachrichten zu Lampalizumab. Der Wirkstoff gegen die sogenannte geografische Atrophie – eine genetisch bedingte Augenkrankheit – galt lang als Hoffnungsträger des Konzerns. Analysten hatten dem Wirkstoff ein Umsatzpotenzial in Milliardenhöhe zugetraut. Studien zu dem Wirkstoff verliefen nun allerdings enttäuschend; ebenso wie eine weitere Studie zu einem Hautkrebs-Medikament. Das gab Roche vor wenigen Tagen bekannt.

Viele Analysten haben das Kursziel für den Titel daraufhin gesenkt.  Keyur Parekh, Analyst der US-Investmentbank Goldman Sachs, rät zwar noch zum Kauf des Valors, hat das Kursziel aber jüngst von 335 auf 325 Franken herabgesetzt. Auch Emmanuel Papadakis von der britischen Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Roche von 305 auf 295 Franken gesenkt. Die Baader Bank sieht das Kursziel nur noch bei 231 statt bei 241 Franken. Aktuell steht der Valor bei 243 Franken.

Auch andere Medikamentenforschungen verliefen für Roche zuletzt wenig zufriedenstellend. Dabei kämpft der Konzern ebenso wie Konkurrent Novartis darum, möglichst bald ein neues Blockbuster-Medikament zu präsentieren – also ein besonders erfolgreiches Medikament, das jährlich einen Umsatz in Milliardenhöhe in die Kasse spült. Marktbeobachter sehen Novartis in diesem Forschungsrennen aktuell vorne. Aus Anlegersicht scheint der Novartis-Valor momentan also attraktiver als der Titel von Roche. Was nicht heisst, dass Anleger Roche gänzlich abschreiben sollten: Wer bereit ist, auf den nächsten Erfolg zu warten, kann bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 derzeit relativ günstig einsteigen.

Abonnieren Sie unseren stocksDIGITAL-Newsletter und erhalten Sie jede Woche die besten Invest-Tipps per E-Mail. Der StocksDIGITAL-Newsletter ist ein kostenloser Informationsdienst der Handelszeitung und wird jeden Freitag versendet: Hier geht es zur Anmeldung.

Anzeige