Im Sport ist die Rangordnung eindeutig: Wer das grössere Talent und die bessere Kondition mitbringt, der gewinnt in der Regel. Gegen einen Champion wie Roger Federer hat man als normal begabter Tennisspieler keine Chance. An der Börse ist es zum Glück anders. Da können Sie auch ohne spezielles Talent gut abschneiden. Diese Aussage überrascht Sie vielleicht. Viele meinen, der Börsenerfolg sei das Resultat einzigartiger Fähigkeiten. Doch das ist falsch: Einen «Roger Federer der Börse» wird es nie geben.

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Weshalb? Tennis ist ein Gewinnerspiel (Winner’s Game): Sieger wird, wer die meisten Punkte gewinnt. Die Geldanlage hingegen folgt den Regeln eines sogenannten Verliererspiels (Loser’s Game). In einem solchen Spiel gilt das Ziel, möglichst wenige Punkte zu verlieren. Der Grund: Die Börsenkurse widerspiegeln stets die aktuell verfügbaren Informationen und Erwartungen sämtlicher Marktteilnehmer. Und weil niemand die künftige Börsenentwicklung voraussagen kann, hat man als Anleger auch keine Gewissheit, die Marktrendite übertreffen zu können.

Zu viel Ehrgeiz und Aktivismus schaden dem Börsenerfolg

Die richtige Strategie, um als Anleger in einem «Loser’s Game» bestehen zu können, lautet somit: Statt vermeintlichen Gewinneraktien nachzujagen, sollten Sie vielmehr versuchen, die Zahl Ihrer Fehlentscheide zu minimieren. Das erreichen Sie, indem Sie diszipliniert darauf hinarbeiten, den Rückstand auf die Performance des Gesamtmarktes so gering als möglich zu halten – was kein besonderes «Börsentalent» erfordert.

Entscheidende Faktoren für den Anlageerfolg sind: Eine langfristige Ausrichtung, eine breite Diversifikation und eine wirksame Kontrolle der Risiken. Im Gegensatz zum Tennis, wo Sie nach einem missglückten Satz wieder bei null beginnen können, lässt sich ein grosser Verlust an der Börse kaum noch aufholen.

Die sieben Tabus für Anleger

Diese Rezepte tönen zwar einfach, in der Praxis jedoch kommt uns oft die eigene Psyche in die Quere. Ehrgeiz und Aktivismus verleiten uns dazu, übermässige Risiken einzugehen. Lesen Sie dazu unsere Liste mit den «Sieben Tabus für Anleger».

Genauso, wie man reinfällt, wenn man die Geldanlage als «Winner’s Game» auffasst, scheitert ein Tennisspieler, wenn er die Strategie des «Loser’s Games» anwendet: Stellen Sie sich vor, Roger Federer würde statt seiner spektakulären Volleys am Netz das ganze Spiel defensiv von der Grundlinie aus bestreiten. Am US Open oder in Wimbledon käme er so nie zum Erfolg – an der Börse hingegen schon.

Albert Steck, Markt- und Produktanalyse Migros Bank