Zwischen 56 und 57 Dollar ist ein Deckel drauf. Seit Dezember konnte Brent diese Zone nicht mehr überspringen. Dabei lief die Nordsee-Ölsorte sogar zwischen Ende November und Anfang März in einer engen Handelsspanne zwischen 55 und 57 Dollar je Barrel und war im April sogar erneut kurz davor aus dieser Trading-Range nach oben auszubrechen. Seither allerdings ist der Preis für das 159-Liter-Fass erodiert und notiert fast 20 Prozent unter dem Aprilhoch. Bei WTI sieht die Lage ähnlich aus, nur verlaufen dort Preisniveau und Trading-Range etwa zwei bis drei Dollar tiefer als bei Brent.

Nach dem Motto «buy on rumors sell on the news», bei Gerüchten kaufen, bei Fakten aussteigen, verlief die Preisentwicklung von Rohöl nach der beschlossenen Verlängerung der Förderkürzung durch die Opec Ende Mai. Nach dem erwarteten Beschluss der Förderländer des Ölkartells ging es mit dem schwarzen Gold nämlich wochenlang nach unten.

USA – alte Förderhochs aus 2015 sind fast wieder erreicht

Die zeitlich verlängerte Förderkürzung um 1,8 Millionen Barrel am Tag durch das Kartell ist auch nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht: In den USA wird wieder zunehmend mehr Öl gefördert. Gab es nach Angaben der US-Energiebehörde EIA in den Staaten im Oktober 2015 einen absoluten Förderrekord von 9,6 Millionen Barrel am Tag, so führte der Ölpreisverfall Ende 2015/Anfang 2016 zwar zu einem Rückgang der Förderung bis Jahresmitte 2016 auf nur noch rund 8,5 Millionen Barrel.

Doch die Erholung beim Ölpreis in 2016 führte dann auch wieder zu einer Ausweitung insbesondere bei Fracking-Bohrungen. Seit September nimmt die Ölförderung in USA so auch beständig zu und liegt inzwischen bereits wieder bei 9,4 Millionen Barrel täglich. Und mit mehr als 13 Millionen Barrel am Tag hat die Ölförderung von Kanada und USA zusammen jetzt sogar einen neuen Rekord erreicht.

Short-Volumen auf Rekordniveau

Dazu kommt: Mitte 2016 kam es nicht nur zum Förderrückgang in den Staaten. Zusätzlich verbuchten die beiden Opec-Ländern Nigeria und Libyen – beide allerdings ohne Förderquote – einen Produktionseinbruch von 1,7 Millionen Barrel täglich. Sorgte beides zusammen ab Sommer 2016 wieder für deutlich steigende Ölpreise, so pumpen jetzt auch diese beiden Staaten Afrikas wieder Woche für Woche mehr Öl aus dem Boden. Die Produktion ist dadurch bereits wieder um rund 1,0 Millionen Barrel am Tag gestiegen.

Anzeige

Wegen der Expansion in USA und Afrika gingen viele Spekulanten deshalb in den letzten Wochen und Monaten davon aus, dass die Opec den Ölpreis nicht in die gewünschte Richtung zwischen 55 und 60 Dollar für das Fass bringen kann. Und so liegt das Short-Volumen von Fonds, die auf fallende Ölpreise setzen, jetzt mit rund 500 Millionen Barrel Öl nach Angaben von BNP Paribas auf einem neuen Allzeithoch.

Das Wachstum bei neuen Bohrtürmen geht zurück

Allerdings könnte dem Aufschwung der Produktion in den USA jetzt langsam die Luft ausgehen. «Die Zuwachsrate bei neuen Bohrtürmen verlangsamt sich. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass es beim aktuellen Ölpreis aus ökonomischer Sicht dort eine Grenze für weitere Fracking-Bohrungen gibt», vermutet Edmund Shing, Branchenanalyst bei BNP Paribas. Das heisst: Wenn der Preis nicht deutlich steigt, scheint eine weiter wachsende Ölflut aus wirtschaftlichen Gründen eher unwahrscheinlich.

Möglicherweise bringt die beschlossene Verlängerung der Förderkürzung durch die OPEC damit doch den gewünschten Erfolg und auf Sicht von einigen Monaten wieder Ölpreise über 55 Dollar. Immerhin: Die Länder des Kartells hielten sich zwischen März und Mai diszipliniert vollständig an die Quoten.

Die Unterstützung ist fast erreicht

Für Trading-orientierte Spekulanten ist Brent jetzt sogar kurzfristig interessant. Denn das Barrel notiert nur knapp über der Unterstützung bei rund 47 Dollar. Von dort konnte die Notierung in den letzten zwölf Monaten bereits fünfmal abheben und rasch auf 50 Dollar je Fass oder sogar noch weiter klettern. Um auch an einem vergleichsweise kleinen Preisanstieg von Öl von etwa fünf auf diese Schwelle ordentlich zu verdienen, greifen risikofreudige Anleger zu einem Call auf Brent mit hohem 14er-Hebel (ISIN: DE000VS82KF9, Knock-out und Basis jeweils 44,7 Dollar, Laufzeit endlos, Bezugsverhältnis 1:1). Seigt Brent schon bald auf 50 Dollar, dann winken mit dem Call Gewinne von 50 Prozent und mehr. Fällt Brent allerdings unter die Unterstützung, dann treten Anleger bei 46,50 Dollar auf die Bremse.