Mit Öl ist nichts mehr los. Seit einem Jahr läuft die Notierung der wichtigsten Sorten Brent aus der Nordsee und WTI West Texas Intermediate aus den USA mehr oder weniger seitwärts. Ganz anders war das in der Vergangenheit. 2008 gab es extreme Kursausschläge mit weit mehr als einer Preisverdopplung je Barrel Rohöl (159 Liter). Danach folgten eine gnadenlose Talfahrt der Notierungen um zwei Drittel und zwischen 2009 und 2011 eine erneute Kursverdopplung.

Doch seit 2013 dümpelt der Ölpreis in einer Spanne von kaum mehr als 10 bis 20 Prozent. WTI schwankt dabei zwischen Preisen von 90 bis 110 Dollar je Barrel, bei Brent liegt die Spanne zwischen 100 und 120 Dollar je Fass. Auch ist von den ursprünglichen euphorischen Kursprognosen früherer Jahre nichts mehr zu hören. 2008 beispielsweise kündigten Experten für das Jahr 2018 noch einen Ölpreis von 200 Dollar je Barrel an. Manche Fachleute sagten sogar 250 Dollar für das 159-Liter-Fass voraus.

Nachfragesteigerung im laufenden Jahr

Die immensen Gewinne, die viele Börsianer in den letzten Jahren mit dem Energieträger verbuchen konnten, sind mit dem Seitwärtslauf auch vorbei. Anleger fragen sich nun: Soll man Öl vergessen, oder stecken in dem Rohstoff noch ungeahnte Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten? Zuerst ist die Nachfrage nach Öl zu beachten.

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In ihrer aktuellen Markteinschätzung erwartet die internationale Energieagentur IEA wegen der globalen Wachstumsbeschleunigung der Konjunktur weltweit einen Anstieg des durchschnittlichen täglichen Ölverbrauchs von 91,4 Millionen Barrel 2013 auf 92,5 Millionen Barrel. Das entspricht einem Anstieg um 1,2 Prozent. 2015 soll es mit 1,3 Prozent ein ähnlich moderates Plus geben. Für das laufende Jahr wird der stärkste Nachfrageschub in Brasilien, Russland, Saudi-Arabien und China prognostiziert, mit Zuwächsen von 2,9 bis 3,6 Prozent.

Fracking-Boom sorgt für Angebotsschub

Von der Versorgerseite her erwartet die Organisation vor allem in Nordamerika ein starkes Wachstum. So soll das Angebot aus den USA und aus Kanada in diesem Jahr zusammen um rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag zulegen. Auslöser dafür ist der Fracking-Boom, insbesondere in den USA. Die Staaten wollen sich durch diese neue Art der Ölgewinnung schon in einigen Jahren völlig unabhängig von Ölimporten machen.

Entsprechend der stark gestiegenen Fördermenge im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht die IEA bei der Öl-Produktion in den Nicht-OPEC-Staaten in diesem Jahr von einem Plus um 3,1 Prozent auf 56,4 Millionen Barrel pro Tag und 2015 von einem weiteren Anstieg um 2,8 Prozent auf dann 58,0 Millionen Barrel am Tag aus. Von den OPEC-Staaten wird hingegen eine leicht fallende Produktion erwartet. So gibt es beispielsweise Produktionsausfälle in Libyen, im Irak, in Nigeria und im Iran.

Keine Erwartung grosser Preissprünge 

Immerhin ist damit zu rechnen, dass Saudi-Arabien wie schon in der Vergangenheit in einem gewissen Umfang Schwankungen in der OPEC-Produktion mehr oder weniger durch eine flexible Senkung oder Erhöhung der eigenen Förderung ausgleichen wird. Insgesamt ist daher mit einer eher ausgeglichenen Entwicklung zwischen Ölangebot und -nachfrage in diesem Jahr zu rechnen.

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Der Konsens der Analysten erwartet deshalb auch 2014 eine Fortsetzung des Seitwärtslaufs beim Preis. Bis ins zweite Quartal 2015 sehen die vom Datenlieferanten Bloomberg befragten Experten Brent-Notierungen zwischen 100 und 105 Dollar je Barrel und von 93 bis 97 Dollar je Barrel bei WTI.

Für Spannung könnten lediglich unvorhersehbare politische Krisen in Nahost oder aber die Entwicklung des Dollars sorgen. Denn das langsame Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik in den USA dürfte tendenziell eine steigende Dollarnotierung bringen. Ein höherer Dollar sollte dann aber auch den Notierungen von Rohstoffen – wie Öl – Rückenwind geben.

Rund 50 Prozent Gewinne für Anleger

Zwar erwartet der Expertenkonsens keine hohen Kurssteigerungen beim Ölpreis. Trotzdem notiert beispielsweise Brent im Bereich der unteren Begrenzung des Seitwärtstrends und knapp über der Unterstützung von Mai/Juni 2013 um 105 Dollar je Barrel. Beispielsweise mit einem Mini-Future Long von Vontobel (ISIN: CH0210969082, Knock-out-Level 96,26 Dollar, Basispreis 93,45 Dollar) setzen Anleger gegen Kurse unter 100 Dollar und damit auf einen Rebound von der Unterstützung. Steigt Öl der Sorte Brent wieder an das obere Ende der Handelsspanne um 115 Dollar, sind mit dem Zertifikat bei konstantem Dollarkurs Gewinne von rund 50 Prozent zu erwarten.

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