Zur Halbzeit des Börsenjahres 2014 zeigt das Ranking der wichtigsten Anlageklassen eine grosse Überraschung: An der Spitze stehen Rohstoffe. Beispielsweise legte der DJ-UBS-Commodity-Index gegenüber dem 2013er-Ultimo um knapp 9 Prozent zu. Diese Benchmark deckt das gesamte Warenspektrum ab. Dabei dominieren Agrarrohstoffe und Energieträger – die beiden Segmente stehen zusammen für mehr als 60 Prozent des Index.

Hinzu kommen Industrie- und Edelmetalle sowie Lebendvieh. Der Ausbruch des Gradmessers aus dem seit Herbst 2012 währenden Abwärtstrend steht auf einem breiten Fundament. Die Teilbereiche Agrar und Energie verteuerten sich prozentual zweistellig. Für Edelmetalle steht ein Plus von rund 8 Prozent zu Buche. Lediglich der Subindex für Industriemetalle hinkt mit einem Zwischengewinn von rund 2 Prozent hinterher.

Risiko im Angebot und höhere Nachfrage: Zwei Triebfedern der Preise

Auch die Gründe für die jüngste Verteuerung greifen quer durch alle Segmente. Anfang Jahr sorgten Wetterkapriolen für Aufregung an den Terminmärkten. Während der strenge Winter in Nordamerika die Energie- und Getreidepreise regelrecht befeuerte, trieb eine Dürre im Süden des Kontinents die Notierungen von «Soft Commodities» wie Kaffee und Zucker an. Im weiteren Verlauf tat die Ukraine-Krise ein Übriges.

Anzeige

Sie schürte Ängste, wonach die Getreidelieferungen des osteuropäischen Landes versiegen könnten. Ausserdem ist das beteiligte Russland führender Exporteur von Rohöl. Gerade, als sich in Osteuropa eine leichte Entspannung abzeichnete, rückte die Terrorgruppe Isis im Irak vor. Die Kämpfe stellen eine ernste Bedrohung für die anlaufende Ölproduktion des Landes sowie für die gesamte Region dar. Während die Avancen der vergangenen Monate also vor allem von Risiken beim Angebot ausgegangen sind, erwarten die Commodity-Analysten der Credit Suisse im zweiten Halbjahr auch von der Nachfrageseite her eine Besserung. Sie verweisen auf gezielte Stimulierungsmassnahmen in China und auf den robusten Verbrauch der USA und sehen die Durchschreitung der Talsohle in Europa.

Verkehrte Welt an den Terminmärkten

In einem aktuellen Marktausblick nennt die Credit Suisse darüber hinaus eine Verschiebung bei den Terminkurven als bestimmendes Thema für die kommenden Monate. In der Tat notieren auffällig viele Rohstoffe in einer Backwardation. Das heisst, eine Ware ist zu einem späten Liefertermin günstiger zu haben als zum nächstmöglichen Datum. Steigt der Preis hingegen mit dem Zeitverlauf, redet der Fachjargon von einem Contango.

Diese Konstellation ist normal, da die Märkte Lager- und Versicherungskosten in die Preise implizieren. Hingegen sind die Akteure des Rohstoffgeschäfts in der Backwardation bereit, für die sofortige Verfügbarkeit einen Aufschlag zu zahlen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Verknappung droht. Die Terminkurve für Rohöl neigt sich mittlerweile seit rund drei Jahren nach unten. «Wir gehen davon aus, dass es dabei bleiben wird», meint CS-Analyst Tom Kendall.

Anzeige

Backwardation bringt positive Rollrenditen

Für Anleger wäre dies positiv, da eine dauerhafte Positionierung am Rohstoffmarkt den regelmässigen Austausch des zugrunde liegenden Kontrakts erfordert. In der Backwardation fällt dabei – unabhängig von der generellen Preisentwicklung – eine positive Rollrendite an. Grund: Der Ertrag aus dem Verkauf des auslaufenden Futures übersteigt die für den Erwerb der nächsten Fälligkeit notwendige Summe. Allein dieser Umstand erhöht momentan den Anreiz für Investoren, sich in dieser Anlageklasse zu positionieren.

In der Vergangenheit dominierte jedoch der Contango und zerrte mitunter deutlich an der Performance. Daher gingen immer mehr Anbieter dazu über, rolloptimierte Rohstoffindizes zu entwerfen. Bereits 2007 lancierte die UBS zusammen mit dem US-Nachrichtendienstleister Bloomberg die CMCI-Familie. Dieses Konzept versucht, über den laufenden Austausch von Futures die Unwägbarkeiten des Terminmarktes zu glätten. Dadurch können zwar in der Backwardation Rollerträge verloren gehen, langfristig betrachtet, zahlt sich der Ansatz aber aus. CMCI hat gegenüber klassischen Rohstoffbarometern die Nase weit vorn.

Anzeige

Rolloptimierte Rohstoff-Zertifikate

Neben der UBS bieten weitere Emittenten Tracker-Zertifikate auf Indizes der zweiten Generation an. Während Vontobel ein Konzept von J.P. Morgan investierbar macht, arbeitet RBS seit jeher mit Jim Rogers zusammen. Der US-Investmentguru hat unter dem Label «Enhanced» eine rolloptimierte Variante seiner RICI-Familie aufgelegt.

Anleger, die über eine längerfristige Positionierung im Rohstoffmarkt nachdenken, sollten zu einem solchen Basiswert greifen. Kurzfristig könnte sich die Backwardation vor allem bei Öl halten. Wer die positive Rollrendite abgreifen möchte, setzt sich jedoch der Gefahr aus, dass der vermeintlich positive Effekt zum Nachteil wird, sobald die Terminkurve kippt.

Diese Benchmark deckt das gesamte Warenspektrum ab. Massgeblich für die Gewichtung sind Verbrauchswerte, Konjunkturindikatoren und das Handelsvolumen. CMCI positioniert sich über die komplette Terminkurve hinweg und setzt zudem einen kontinuierlichen Rollvorgang um. Durch diese Methodik soll der Einfluss aus dem Tausch der Kontrakte möglichst ausgeklammert werden. Die Gebühr für das währungsgesicherte Tracker-Zertifikat beträgt 0,84 Prozent p.a.

Anzeige

Seit 2011 bietet Vontobel diversifizierte Rohstoffinvestments an. Die Privatbank greift dabei auf ein von J.P. Morgan entwickeltes Konzept zurück. Der JPMCCI ist mit 36 Einzelrohstoffen besonders breit aufgestellt. In puncto Rollvorgang und Positionierung auf der Terminkurve besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit der CMCI-Familie. Für den auf die Rohstoffwährung US-Dollar lautenden Tracker veranschlagt Vontobel eine Managementgebühr von 1,0 Prozent p.a.

Das Goldman-Sachs-Produkt basiert auf dem nächstfälligen Kontrakt der US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI). Sobald dieser ausläuft, erfolgt der Wechsel in die kommende Frist. Die dabei im aktuellen Umfeld anfallenden Rollgewinne sorgten dafür, dass der in US-Dollar denominierte Open-End-Tracker im bisherigen Jahresverlauf eine Überrendite von knapp zwei Prozentpunkten gegenüber dem WTI erzielt hat.

Anzeige

Für das Industriemetall steht 2014 bis dato ein Minus von mehr als 6 Prozent zu Buche. Dies ist erstaunlich, da das globale Angebot im ersten Quartal um mehr als 200'000 Tonnen hinter der Nachfrage zurückgeblieben ist. Nicht nur der grösste Verbraucher, China, deckte sich mit Kupfer ein, auch in der EU sowie in Japan zog die Nachfrage prozentual zweistellig an. Sollte die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr weiter Fahrt aufnehmen, könnte das rote Metall vor einem Comeback stehen. Mit dem RBS-Partizipationsprodukt lässt sich der als besonders konjunktursensibel geltende Rohstoff rolloptimiert und gegen eine Gebühr von 0,85 Prozent p.a. ins Portfolio holen.