Zugegeben – die hohe Outperformance von 9,3 Prozentpunkten in nur sechs Monaten war bisher auf den ersten Blick nicht wieder drin. Dafür liefen die vor drei Monaten empfohlenen Top-RSL-Aktien aus dem SMI noch nicht gut genug. Anfang April wiesen Adecco, Geberit, Julius Bär, Swiss Re und UBS mit Werten zwischen 1,1 und 1,15 die höchsten RSL-Zahlen des Index aus. Mit einer Performance aller fünf Titel inklusive Dividende von nur 0,2 Prozent liegt die Kursentwicklung jetzt auch nur minimal über dem SMIC – also dem SMI mit Dividende – von +/- 0 Prozent.

Dieses Ergebnis relativiert sich allerdings, wenn man berücksichtigt, dass mit Adecco und Geberit ausgerechnet zwei RSL-starke Titel im April und Mai kursmässig zusammenbrachen. Und zwar aus fundamentalen Gründen. So enttäuschte Geberit mit ihren Zahlen zum ersten Quartal und verlor dabei Ende April und Anfang Mai innert weniger Tage rund 11 Prozent an Wert. Der Personaldienstleister konnte hingegen zwar mit seinen Zahlen zum ersten Quartal überzeugen, doch der überraschende Abgang des langjährigen Adecco-CEO Patrick G. De Maeseneire und seines CFO Dominik de Daniel setzte auch hier den Kurs Anfang Mai gewaltig unter Druck und brachte bei der Aktie ein schnelles Minus von rund 10 Prozent.

Über Börsenweisheiten: «The trend is your friend» und «greife nie in ein fallendes Messer»

Bereinigt um diese zwei unerwartet negativen News-Kandidaten brachten die anderen drei RSL-Empfehlungen in den drei Monaten aber immerhin ein Plus von 5,7 Prozent und damit doch wieder eine klare Überrendite gegenüber dem breiten Aktienmarkt.

Anzeige

Damit bestätigt sich also erneut eine altbekannte Börsenerfahrung: «The trend is your friend.» Das bedeutet: Anleger, die auf einen bestehenden Kurstrend bei einer Aktie oder einem Index setzen, erzielen damit oft gute Resultate. Oder im Umkehrschluss: Greife nie in ein fallendes Messer! Aktien mit schlechtem Chartverlauf könnten diesen auch noch weiter fortsetzen.

RSL – auf den Trend setzen

Die Auswirkungen eines positiven Kursverlaufs auf die weitere Kursentwicklung hat hingegen der US-Börsenexperte Robert Levy schon 1966 untersucht. In seiner Studie «The Relative Strength Concept of Common Stock Price Forecast» analysierte Levy die Kursverläufe von 200 Aktien der New Yorker Börse zwischen 1960 und 1965 und entdeckte dabei einen Zusammenhang zwischen einer positiven Kursentwicklung in der Vergangenheit und einer positiven Performance in den darauf folgenden Zeiträumen. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte der Börsianer den Indikator der Relativen Stärke nach Levy, kurz RSL.

Levy teilte dabei den aktuellen Kurs einer Aktie durch den Kursdurchschnitt der vorhergehenden 26 Wochen. Ein Wert über 1 signalisiert, dass sich der Kurs überdurchschnittlich gut entwickelt und damit relative Stärke besitzt. Laut RSL laufen Aktien in den folgenden Wochen und Monaten umso besser, umso weiter der Indikatorwert über 1 liegt.

Aufwärtstrend und relative Stärke – Anleger springen auf einen fahrenden Zug auf

Der Hintergrund der positiven Entwicklung von RSL-starken Titeln dürfte unter anderem die oben genannte Börsenweisheit – «the trend is your friend» sein. Viele Anleger – insbesondere die vorsichtigeren Naturen – orientieren sich danach und steigen oft erst nach einer längeren Aufwärtsbewegung einer Aktie ein. Sie springen auf den bereits fahrenden Zug auf. Das hält eine Aktie am Laufen – zumindest so lange, bis beispielsweise fundamentale Entwicklungen – siehe Adecco und Geberit – dem Aufschwung ein Ende bereiten.

Anzeige

Ähnlich verhält es sich ja auch mit grundsätzlich starken und langen Aufwärtsbewegungen am breiten Aktienmarkt. So lautet eine Beobachtung bei stetig steigenden Kursen: Die Hausse nährt die Hausse – soll heissen: Umso weiter die Kurse schon gestiegen sind, umso mehr vorsichtige oder neugierige Anleger steigen erst jetzt ein. Wenn nicht fundamental bedingt – etwa durch schlechte Nachrichten konjunktureller oder politischer Natur –, dann werden solche Bewegungen oft erst nach starken Übertreibungsphasen, beispielsweise mit extrem hohen Bewertungskennzahlen, beendet.

RSL – neue Favoriten

Auf jeden Fall überzeugt das RSL-Modell. Deshalb wählt die Redaktion von stocksDIGITAL jetzt weitere RSL-Favoriten aus. Um diesmal negative Folgen von ungewöhnlichen Ausrutschern à la Adecco und Geberit auf die Gesamtperformance zu reduzieren, weiten wir bei den aktuellen RSL-Favoriten die Zahl von fünf auf zehn aus und konzentrieren uns diesmal nicht auf den SMI, sondern auf den wesentlich breiteren SPI. Zu spekulative Werte – etwa kleinere Forschungsunternehmen aus dem Bereich Pharmazie und Gesundheit – werden dabei allerdings nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie Titel mit einem Börsenwert von weniger als 100 Millionen Franken.

Anzeige

Betrachtet man die RSL-Werte im SPI, fallen dabei Molecular Partners – aktueller RSL 1,24 – und BVZ Holding – RSL 1,22 – heraus. Mit dem höchsten RSL im SMI rutscht dadurch Actelion gerade noch mit einem Wert von 1,16 auf Rang zehn in die Auswahl, ebenso wie die Bergbahnen Engelberg-Truebsee-Titlis (ISIN: CH0214706357) mit einem RSL von 1,17 auf Rang neun.

Die Top 10

Mobilezone (ISIN: CH0276837694): RSL: 1,25

VZ Holding (ISIN: CH0028200837): RSL: 1,23

Lifewatch (ISIN: CH0012815459): RSL: 1,22

Meyer Burger (ISIN: CH0108503795): RSL: 1,22

U-Blox (ISIN: CH0033361673): RSL: 1,18

Orell Füssli (ISIN: CH0003420806): RSL: 1,17