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Rückversicherer – gebeutelt und doch eine Anlage wert

Stürme, Fluten oder Brände - Naturkatastrophen gibt es regelmässig. keystone

Die Rückversicherer kämpfen mit Preisdruck und gegen wachsende Konkurrenz. Dennoch bleiben die Aktien von Swiss Re, Munich Re und anderen Katastrophen-Versicherern attraktiv – die Gründe.

Von Annika Janssen
am 15.09.2016

«Rendez-Vous de Septembre»: Ganz so romantisch wie es der Veranstaltungsname vermuten lässt, ging es beim Treffen der Rückversicherungsbranche in Monte Carlo in der vergangenen Woche nicht zu. Jedes Jahr im September kommen in der französischen Kasino-Stadt Vertreter der Rückversicherungsbranche mit Rang und Namen zusammen. Hier sondieren sie mit Erstversicherern Preise und Bedingungen – und diskutieren über die Chancen und Herausforderungen der Branche.

Auch dieses Jahr ging es in den Gesprächen um mehr als nur Vertragskonditionen: Die Rückversicherer sind schwer gebeutelt. Preiskampf mit den Wettbewerbern, harte Verhandlungen mit Erstversicherern und der zunehmende Wettbewerbsdruck durch branchenfremde Akteure, die in den Markt drängen, machen den arrivierten Unternehmen zu schaffen.

Preise im Sinkflug

Die Preise für Rückversicherungen befinden sich bereits seit drei Jahren im Sinkflug. Dank vergleichsweise geringer Schäden etwa aus Naturkatastrophen haben die Unternehmen sich zwar dicke Kapitalpolster geschaffen. Aufgrund der dauerhaft niedrigen Zinsen drängen aber immer mehr branchenfremde Akteure in den Markt – zum Beispiel Hedgefonds und Pensionsfonds.

Doch damit nicht genug: «Herausfordernd sind nicht nur die Preise, auch das Wachstum wird voraussichtlich moderat bleiben», sagt Stefan Schürmann, Analyst der Bank Vontobel. Der Rückversicherungsmarkt dürfte schwierig bleiben, erwartet er.

Aktien bleiben interessant

Die Aktien von Rückversicherern sind für Anleger trotzdem interessant. Die grössten Unternehmen der Branche bieten oft sehr hohe und stabile Dividendenrenditen, seit Jahren finden regelmässig Ausschüttungen an die Aktionäre statt. Zudem sind die Konzerne meist gut aufgestellt und nach Einschätzung von Analysten in der Lage, die Herausforderungen zu meistern.

Mit Swiss Re steht ein Schweizer Konzern weit oben auf der Favoritenliste der Analysten. Michael Huttner von der US-Investmentbank JP Morgan bestätigte jüngst seine «Overweight»-Einschätzung für den Valor des Rückversicherers mit Sitz in Zürich. Er setzte das Kursziel bei 101 Schweizer Franken fest. Derzeit notiert der Valor bei etwa 77 Franken.

Auch Thorsten Wenzel von der DZ Bank hat eine Kaufempfehlung für Swiss Re ausgesprochen. Zwar befinde sich der Konzern derzeit in einem schwierigen Marktumfeld: «In Kombination mit einer Normalisierung der Grossschadenbelastung wird dies voraussichtlich im laufenden Jahr zu einem deutlichen Gewinnrückgang führen», sagt Wenzel. Andererseits sei die Profitabilität von Swiss Re hoch genug, um weiterhin eine attraktive Dividendenrendite zu gewährleisten. «Die exzellente Kapitalausstattung eröffnet zudem die Möglichkeit zu weiteren Aktienrückkäufen», sagt der Analyst. Insgesamt sei der Valor deshalb trotz der aktuellen Schwäche attraktiv.

Optimismus bei der Swiss Re

Auch die Swiss Re selbst versprühte im Rahmen des Branchentreffens in Monte Carlo Optimismus. Man rechne mit einer baldigen Stabilisierung der Preise für Rückversicherungsdeckung, hiess es. Zudem denkt Swiss Re an die Zukunft und erschliesst neue Geschäftsfelder: Seit einigen Tagen können sich deutsche Unternehmen bei Swiss Re gegen Netzkriminalität versichern, also zum Beispiel gegen Hackerangriffe. Mit Einführung der «CyberSolutions Germany» in Zusammenarbeit mit dem deutschen Softwareriesen IBM stärkt der Rückversicherer sein Standbein im Wachstumsmarkt Internetkriminalität.

Für die Schweiz gibt es bislang noch kein derartiges Angebot. Kurz- bis mittelfristig will Swiss Re aber auch eidgenössische Unternehmen gegen Angriffe aus dem Cyberspace absichern.

Schwergewichtige Konkurrenz

Zu den grössten Konkurrenten des Schweizer Rückversicherers zählen die deutschen Branchenschwergewichte Munich Re und Hannover Re sowie der französische Rückversicherungskonzern Scor. «Weltweit spielt ausserdem die Berkshire Gruppe eine wichtige Rolle», sagt Vontobel-Analyst Schürmann. Der Konzern zählt zum Firmenimperium des US-Grossinvestors Warren Buffett.

Die schwergewichtigen Konkurrenten haben mit den gleichen branchenweiten Problemen zu kämpfen wie Swiss Re – und sind dafür ähnlich gut gewappnet, sagen Analysten. So setzen etwa auch Munich Re und Hannover Re zunehmend auf das Geschäft mit Cyberversicherungen.

Regelmässige Erträge können erwartet werden

Immense Kurssteigerungen sollten Anleger von den Valoren nicht erwarten. Dafür ist das Umfeld zu herausfordernd, die Chancen auf Gewinnsteigerungen zu gering. Wer sich Titel von Swiss Re, Munch Re oder einem anderen Rückversicherungskonzern ins Depot legt, kann sich aber auf regelmässige Erträge freuen: Den Aktionären der Swiss Re winkt für das Jahr 2016 eine Dividendenrendite von 5,68 Prozent, im Jahr 2017 sind sogar 6,03 Prozent zu erwarten. Ähnlich hoch ist die Dividendenrendite der Munich Re mit 5,17 Prozent. Aktionäre von Hannover Rück können 5,30 Prozent einstreichen.

Auf eines können sich Anleger ohnehin verlassen, wenn sie in Rückversicherer investieren: Ihr Geschäft bleibt stabil. Denn Naturkatastrophen gibt es relativ regelmässig – ob Stürme, Fluten oder Brände. Damit ist das Geschäftsmodell von Swiss Re und Co. langfristig gesichert.

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