Ob in Japan, in der Schweiz, in Deutschland oder in den USA: Anfang März spielten sich vor Elektroläden weltweit ähnliche Szenen ab. Lange Menschenschlangen waren vor den Läden zu sehen. Als die Türen sich dann öffneten, drängten die Wartenden rasch ins Innere. Auf den ihren Gesichtern war Spannung und Vorfreude zu sehen.

Grund für den Andrang: Nintendo brachte seine neue Konsole «Switch» auf den Markt. Der japanische Videospiel- und Konsolenhersteller hatte im Vorfeld ein «neues Spielerlebnis» versprochen. Der stolze Preis von rund 350 Franken schreckte die Kunden nicht ab, die Switch verkaufte sich in den ersten Tagen besser als jede andere Konsole zuvor. Allein in den USA ging die Konsole in sechs Verkaufstagen 600'000 Mal über die Ladentheken.

Neue Konsole kurbelt Aktie an

Nicht nur bei den Kunden, auch bei Anlegern kommt die Switch gut an: Direkt nach dem Verkaufsstart legte die Nintendo-Aktie innerhalb eines Tages um 3,65 Prozent zu. Nintendo scheint mit der Switch, die sowohl am heimischen Fernseher als auch unterwegs mit einem eingebauten Display funktioniert, den Nerv der aktuellen Spieler-Generation getroffen zu haben. Die Konsole könnte so langfristig zum Verkaufserfolg für das japanische Unternehmen avancieren.

Für Nintendo ist der erfolgreiche Start eine Möglichkeit aufzuatmen. In den vergangenen Jahren stand das Unternehmen unter enormem Erfolgsdruck. Seine besten Zeiten erlebte der Konzern in den Jahren 2008 und 2009, nachdem die Konsole Wii und etliche passende Spiele auf den Markt gekommen waren. Die innovative Spielkonsole, die sich mittels Bewegungen steuern lässt, kam damals ebenfalls sehr gut an. Nintendo legte in den Folgejahren immer neue Wii-konformen Spiele nach. Nach der Hochphase aber brachen die Umsätze und Gewinne des Unternehmens in der schwächsten Zeit um rund drei Viertel ein.

Lieber spät als nie

Die Wii-Erweiterung «Wii U», die im Jahr 2012 an den Markt ging, floppte völlig. Auch der Hype um die von Nintendo mitentwickelte Smartphone-App Pokémon Go hielt nur kurz. Das Handyspiel sorgte kurzzeitig für eine Kursexplosion der Nintendo-Aktie, schon bald aber ging es wieder abwärts. Die Erkenntnis, dass das Spiel nicht die Jahreszahlen Nintendos retten würde, sorgte für Ernüchterung bei den Anlegern: Trotz des Pokémon-Hypes musste Nintendo Mitte 2016 eine Gewinnwarnung abgeben, senkte seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr um ein Drittel. Investoren zogen ihr Geld aus der Aktie ab, der Valor verzeichnete zwischenzeitlich Kursverluste zwischen 13 und 18 Prozent.

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Mit der Switch will Nintendo nun den Konkurrenz-Konsolen Playstation von Sony und Xbox von Microsoft sowie den boomenden Smartphone-Spiele-Apps Marktanteile wegnehmen. Nintendo hatte den App-Trend lange verschlafen. Das Unternehmen begann erst spät und auf Druck von Investoren und Analysten, selbst Spiele-Apps zu entwickeln. Dabei war der japanische Hersteller von Videospielen und Spielkonsolen lange Vorreiter in seinem Gebiet gewesen. Nintendo hat Ikonen der Videospielkultur erschaffen, wie die Figuren Super Mario, Donkey Kong, Zelda und Pokémon

Gute Aussichten

Nun könnte der japanische Konzern zu alter Stärke zurückfinden. Zeitgleich mit der Switch kam der einstige Spiele-Hit Zelda in Neuauflage auf den Markt. Auch das könnte sowohl den Gewinnzahlen Nintendos als auch der Aktie einen Schub geben, schliesslich sind nun zwei neue und erfolgsversprechende Produkte am Markt. Zumal Nintendo nach eigenen Angaben künftig keine Spiele mehr für die Konsole Wii U entwickelt. Nintendo-Jünger werden sich also fast zwangsläufig Richtung Switch orientieren müssen. Gute Voraussetzungen, um langfristig noch mehr Käufer zu gewinnen. 

Der Nintendo-Aktie dürften die Positiv-Impulse gut tun. Zuletzt ging es für den Valor meist bergab. Erst mit dem Verkaufsbeginn der neuen Konsole konnte der Kurs ein Mehrjahreshoch erreichen. Dank der Switch könnte es weiter bergauf gehen, erwarten Analysten.

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