«Kraftproben finde ich langweilig, dabei gewinnt niemand» – das sagte Schauspieler Michael Douglas alias Grossspekulant Gordon Gekko im Börsenfilmklassiker «Wall Street».

Was vielleicht an der Börse gelten mag, wenn es um das eigene Geld geht, ist möglicherweise nicht unbedingt in der Politik zutreffend. So setzt nun die Europäische Union die Kraftprobe mit Russland – in Form von Sanktionen – weiter fort. Nachdem schon seit Monaten diverse kleinere Strafen – anfänglich gegen Einzelpersonen, dann mehr und mehr gegen Industrie- und Finanzunternehmen – laufen, kommt jetzt der nächste Sanktionsschub: Ab heute gibt es neue Sanktionen gegen 24 weitere Personen und sechs zusätzliche russische Unternehmen.

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Rosneft und Transneft auf der Sanktionsliste

Da Russland nach Ansicht der EU-Politiker seine Anstrengungen im Friedensplan mit der Ostukraine nicht genug vorantreibt, sind von den neuen Sanktionen beispielsweise auch die beiden russischen Ölkonzerne Rosneft und Transneft betroffen.

Nun zeigt sich aber mehr und mehr, dass der Spruch von Gordon Gekko nicht ganz korrekt ist. Denn Gewinner scheint es im Sanktionskampf zwischen EU und Russland – nur schon wirtschaftlich betrachtet – zu geben. An vorderster Front steht da etwa die USA. Die Staaten haben nämlich einerseits Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, wenn auch nur geringe, profitieren aber schon jetzt von der verfolgten Annäherung zwischen dem Westen und der Ukraine. Der Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden beispielsweise wurde bereits im Mai Mitglied im Direktorium des grössten privaten Gasunternehmens der Ukraine und übernahm dort die Rechtsabteilung des Konzerns sowie die Vertretung des Unternehmens im Verkehr mit internationalen Organisationen.

Gegenreaktion: Risiken für Airlines und Rohstoffe

Abgemachte Sache scheint jetzt schon zu sein: Russland dürfte sich hinsichtlich Öl- und Gaslieferungen gen Europa künftig mehr und mehr zurückziehen. In diese Bresche springen die USA mit ihren gewaltigen Vorkommen an Fracking-Energie und dürften in nicht allzu ferner Zukunft Flüssiggas nach Europa liefern.

Auf jeden Fall betrachtet sich Moskau als unschuldig, bezeichnet die neuen EU-Sanktionen als «unfreundlich» und will nun seinerseits Gegenstrafen einleiten. Zuletzt angedeutet hatte der Kreml beispielsweise die Einführung eines Überflugverbotes für westliche Fluggesellschaften sowie eines Einfuhrstopps für westliche Autos und ein Exportverbot für Rohstoffe.

Von der Sanktionsspirale profitieren – Put auf Airlines, Call auf Metalle

Die Sanktionsspirale könnte damit mehr und mehr in Gang kommen. Börsianer reagieren darauf mit zwei Massnahmen: Zum einen mit einem Put auf Lufthansa (ISIN: CH0248894864, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis 16,01 Euro, Abstand zum Knock-out 18,2 Prozent). Denn sollte Russland ein Überflugverbot für sein Land aussprechen, würden Flugstrecken, beispielsweise von Frankfurt nach Peking, Seoul oder Tokio, um etwa 2000 Kilometer länger werden. Die längere Flugzeit und wahrscheinliche Preissteigerungen der Tickets dürften das Verkehrsvolumen der Lufthansa nach Asien wohl deutlich beeinflussen.

Kommt es zum Exportverbot bei Rohstoffen, könnten Industriemetalle ganz oben auf der Liste stehen. Russland ist bei einer Reihe von Metallen wie Palladium, Platin und Nickel weltweit einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Produzent, mit Weltmarktanteilen von rund 25 bis etwa 50 Prozent. Exportbeschränkungen könnten die Preise der jeweiligen Metalle massiv nach oben treiben. Palladium-Call (ISIN: CH0214859248, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis 688,11 Dollar, Abstand zum Knock-out 19,1 Prozent), Platin-Call (ISIN: CH0214863273, Laufzeit endlos, Knock-out und Basis 1248,28 Dollar, Abstand zum Knock-out 9,8 Prozent), Nickel-Tracker-Zertifikat (ISIN: GB00B0WJ6289, Laufzeit endlos).