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Schluss mit Billig-Öl: Wieso der Opec-Plan aufgehen kann

Neue Hoffnung für das schwarze Gold
Ölproduktion: Die Preise könnten wieder steigen. Keystone

Die Opec-Staaten halten an ihrer Förderbremse fest. Das spricht für eine Stabilisierung des Ölpreises. Allerdings gibt es zwei unberechenbare Produzenten, die das Ziel der Opec durchkreuzen könnten.

Von Julia Groth
2017-06-01

Die Organisation erdölexportierende Länder (Opec) hat sich Ende Mai auf ein klares «Weniger ist mehr» verständigt. Bei ihrem Treffen in Wien beschlossen die Mitglieder, die freiwillige Einschränkung der Fördermenge zu verlängern.

Weitere neun Monate lang werden die Opec-Mitglieder nun weniger Öl fördern als sie könnten, um den Preis zu stabilisieren. Die von Staatskrisen und Terrorismus geschüttelten Mitgliedstaaten Libyen und Nigeria sind von der Vereinbarung aus politischen Gründen ausgenommen. Dafür schloss sich Russland, das nicht zur Opec-gehört, der Vereinbarung an.

Bislang kein Erfolg

Erklärtes Ziel des Ölkartells ist es, den Ölpreis in eine Spanne zwischen 55 und 60 US-Dollar je Barrel zu halten. Das sei ein vernünftiger Marktpreis, erklärte Ecuadors Ölminister Carlos Pérez. Bislang hat der Opec-Plan allerdings nicht gefruchtet.

Unmittelbar nach dem Treffen in Wien sackte der Ölpreis ab, zuletzt lag er bei rund 52 US-Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent. Grund dafür seien übertriebene Hoffnungen der Anleger gewesen, heisst es von Analysten. Investoren hatten offenbar mit energischeren Schritten vonseiten der Opec gerechnet. Zudem hatten sie eine Verlängerung der Förderkürzung bereits im Vorfeld des Treffens eingepreist.

Es zählt die lange Sicht

Die gute Nachricht: Kurzfristige Schwankungen sind nur für Spekulanten von Bedeutung. Langfristig orientierten Anlegern können sie egal sein. Für Langfrist-Investoren haben die Opec-Länder in Wien gute Bedingungen geschaffen. Die Öllagerbestände waren bereits vor dem Treffen leicht gesunken. Das ist nicht zuletzt der Politik des Ölkartells zu verdanken, sagt UBS-Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo.

Weil die Ölförderung weiterhin gedrosselt wird, dürfte sich der Angebotsüberhang weiter verringern. Hinzu kommen saisonale Effekte – im zweiten Jahresquartal zieht die Öl-Nachfrage üblicherweise an. «Die Angebotsseite wird in der kommenden Zeit weniger stark steigen als die Nachfrageseite», sagt Staunovo.

Ölpreis dürfte steigen

Auf lange Sicht dürften die Bemühungen, die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu verringern, dazu führen, dass der Ölpreis wieder klettert. Davon geht auch David Donora aus, Leiter des Rohstoffbereichs beim Fondsanbieter Columbia Threadneedle.

Er rechnet ebenfalls damit, dass die Lagerbestände in der kommenden Zeit weiter und auch rascher sinken. «Die Ankündigung der Opec stützt unsere Annahme, dass die Ölpreise weiter steigen werden», sagt Donora. Columbia Threadneedle hat deshalb in seinen Portfolios auf Öl basierende Energiewerte übergewichtet.

US-Produzenten als Störfaktor

Zwei Faktoren könnten Anlegern, die auf einen steigenden Ölpreis setzen, einen Strich durch die Rechnung machen. Der erste: die US-Schieferöl-Produktion. Die Vereinigten Staaten, in früheren Zeiten einer der besten Kunden der Opec, holen seit Jahren immer grössere Mengen an Schieferöl aus dem Boden. Diese Entwicklung war einer der Hauptgründe für die Förderkürzungen des Ölkartells, das so das Überangebot ausgleichen wollte.

Steigt der Ölpreis, haben US-Ölproduzenten einen Anreiz, ihre Produktion weiter zu steigern. Das könnte den Preis in der Folge erneut drücken. Nicht zuletzt aus diesem Grund würden sich die Opec-Mitglieder mit einem Ölpreis im Bereich von 60 Dollar je Barrel zufriedengeben. «Steigt der Preis massiv über diese Marke, führt das zu einem Förderanstieg in den USA», sagt UBS-Analyst Staunovo.

Was macht der Iran?

Der zweite Risikofaktor liegt im Nahen Osten. Das Opec-Mitglied Iran war bereits von den im vergangenen Jahr beschlossenen Förderkürzungen ausgenommen. Statt die Ölfördermenge drosseln zu müssen, bekam das Land nach zähen Verhandlungen vom Kartell die Erlaubnis, sie sogar noch zu steigern.

Marktbeobachter befürchten, dass Iran auch die jüngste Förderkürzung in anderen Staaten dazu nutzen wird, mehr Öl aus dem Boden zu holen. Das könnte den Effekt des jüngsten Opec-Beschlusses zumindest teilweise zunichtemachen.

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