Jetzt ist Schluss! Die Griechen bekommen kein Geld mehr. Nach wochen- und monatelangem Hin und Her zwischen den Geldgebern aus dem Euro-Raum und dem IWF ums Sparen stellte Hellas seinen Schuldendienst per Ende Juni ein. Nachdem die Bankschalter zuvor schon vorübergehend ganz geschlossen worden waren und die Griechen nur noch einen beschränkten Zugang am Geldautomaten haben, droht nun Chaos.

Sparen fällt jetzt schwer. Die Griechen hatten sich an ihren komfortablen Lebensstil auf Pump gewöhnt. Die Entwicklung von Schuldenstand und Wirtschaftswachstum spricht eine klare Sprache. Wuchs das Land vor dem Euro zwischen 1990 und 2001 mit jährlich rund 3,0 Prozent, so gab es nach der Einführung des Euro im Jahr 2002 einen Wachstumsschub. 2002 bis 2004 explodierte die Wirtschaft der Hellenen mit Raten von 12, 20 und 30 Prozent, und bis zur Finanzmarktkrise im 2008 gab es einen weiteren Wachstumsschub im Land um 48 Prozent. Das waren noch einmal rund 10 Prozent pro Jahr.

Wachstum und Wohlstand auf Pump

Mit Tourismus und Landwirtschaft sind diese Steigerungen jedoch schwer zu erklären, aber leicht mit Kreditaufnahme. Während für Hellas vor dem Euro der Zugang zum Kapitalmarkt schwierig und mit hohen Zinsen verbunden war, brachte der Euro billiges Geld. Der Schuldenstand bezogen auf das Bruttoinlandprodukt kletterte so von 101 Prozent im 2002 auf 130 Prozent im 2009. Dabei hatte sich die Wirtschaftsleistung des Landes im selben Zeitraum sogar um den Faktor 2,5 erhöht, die Schulden stiegen damit in etwa auf das Dreifache. Die kreditfinanzierte Geldschwemme hatte Folgen auf die Realwirtschaft. Wegen stark gestiegener Einkommen kauften die Griechen fortan lieber Gemüse aus den Niederlanden, als selber zu produzieren, und die Baumwollfelder liegen brach. Statt der im Land erzeugten Kleider gab es solche aus New York, Paris und Rom.

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Will man da noch sparen? Die Schuldenquote liegt inzwischen bei 180 Prozent. Am Sonntag stimmt das Wahlvolk ab. Ein «Ja» bedeutet Sparen im Gegenzug für Hilfsgelder der Eurozone und ein Verbleib im Euro, ein «Nein» bringt das Aus im Währungsraum. Wie sich ein Aus der Griechen aus dem Euroraum für die anderen Länder und global auswirken wird, muss sich zeigen. Genau betrachtet ist Hellas klein. 10,8 Millionen Einwohner haben eine Wirtschaftskraft von etwa 300 Milliarden Dollar. Die noch kleinere Schweiz bringt es hingegen auf eine doppelt so hohe Wirtschaftsleistung. Dennoch sind Börsianer verunsichert.

Hohe Volatilität

Das wochenlange Hin und Her zwischen den Geldgebern und der Regierung Tsipras um das Sparprogramm oder den Ausstieg aus dem Euro lastet auf den Börsen, die Volatilität ist hoch. Der VSMI als Mass für die Kursausschläge im SMI notiert derzeit bei rund 20 Prozent und damit – abgesehen vom Crash im Januar – so hoch, wie seit 2013 nicht mehr. Im deutschen DAX sind die Kursschwankungen noch höher. Der VDAX bringt es aktuell auf einen Wert von 28 Prozent. So schwankungsfreudig war der deutsche Leitindex zuletzt im Juni 2012. Derzeit scheinen offensichtlich die Skeptiker in der Überzahl zu sein, die den Ausstieg der Griechen aus dem Euroraum erwarten. Immerhin notiert der DAX rund 10 Prozent unter seinem Hoch vom Mai, und im Juni gab es mehrmals Schwankungen innert weniger Tage um rund 500 Punkte, entsprechend 5 Prozent.

Wie könnte es am Sonntag laufen? 36 Prozent bekam die linksextreme Partei Syriza im Januar für ihre Wahlversprechen: Kein Spardiktat mehr durch die Euroländer und ein Ende der Enthaltsamkeit.

«Ja» zum Euro – Anleger setzen auf den Verbleib im Euroraum

Für ein «Nein» zum Euro und gegen die Sparsamkeit wären 50 Prozent erforderlich. Jetzt gab es aber schon Unruhen, leere Kassen und Chaos. Wie es in Hellas ohne Euro weitergehen wird, ist ungewiss. Harte Zeiten stehen dann aber zumindest vorerst bevor. Ökonomen würden dann aber nach etwa zwei Jahren ein Ende der Krise erwarten.

Da Syriza im Januar aber ohnehin noch weit von der absoluten Mehrheit entfernt war und auch die Angst vor dem Wechsel und dem Neuen, Ungewissen, mögliche «Nein-Sager» von ihrem Votum abhalten dürfte, setzen Anleger auf ein «Ja» der Griechen zum Euro und spielen dieses Szenario mit einem Call (ISIN: CH0262567933, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 10'383 Punkte, Hebel 13,8) auf den zuletzt sehr schwankungsfreudigen DAX. Einstieg noch heute, diesen Freitag. Da ist zwar nicht unbedingt ein wochenlanger Schub zu erwarten, doch ein «Ja» der Griechen am Sonntag könnte den Index zumindest am Montag schön beflügeln. Klettert der DAX dann um 300 Punkte entsprechend rund 3 Prozent, sind mit dem Zertifikat rund 40 Prozent drin. Geht die Abstimmung wider Erwarten negativ aus, hilft nur der Ausstieg mit Verlust.

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