2010 war es so, 2011 und 2012 ebenfalls, 2013 war auch keine Ausnahme – in den letzten Jahren machte die Aktie von Bellevue Group Jahr für Jahr in den Wochen vor dem Generalversammlungstermin im März kräftige Sprünge nach oben, von 10 Prozent und mehr. Grund war die hohe Dividende der Finanzgruppe aus Küsnacht. Zweistellige Renditen waren nicht selten drin.

Börsianer kennen das: Dividendenjäger positionieren sich bei dividendenstarken Aktien kurz vor dem Aktionärstreffen und spekulieren auf den Dividendeneffekt. Er besteht in der erhöhten Beachtung eines Unternehmens in den Medien wegen hoher Dividendenrendite oder wegen Ereignissen an der Generalversammlung, und infolgedessen kommt es zu schnell steigenden Kursen.

Dividendeneffekt im SPI

Neben der Bellevue Group konnten Anleger in den letzten Jahren auch bei anderen Titeln von Dividendeneffekten  profitieren. Es gab eine Reihe ähnlicher Kurssteigerungen bei Top-Dividendenwerten kurz vor der Generalversammlung, mit anschliessender Dividendenzahlung. Darunter waren neben Blue Chips aus dem SMI wie Zurich, Swiss Re oder Swisscom auch SPI-Unternehmen wie Banque Cantonale Vaudoise und Mobilezone. Diese Werte brachten es in den letzten Jahren immerhin ebenfalls auf Dividendenrenditen von 5 Prozent und mehr und tauchten in den Dividenden-Rankings der Finanzmedien entsprechend weit vorne auf. Folge: Anleger werden auf diese Titel im Laufe der Dividendensaison verstärkt aufmerksam, steigen ein und sorgen so häufig für schnelle Kurssteigerungen.

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Zwar hat beispielsweise Swiss Re schon vor wenigen Tagen eine Sonderdividende von 4.15 Franken je Aktie erklärt – insgesamt können Anleger nach der Generalversammlung am 11. April 2014 mit 8 Franken und damit mit einer Rendite von 9,6 Prozent rechnen – doch für den Einstieg bei Swiss Re dürfte es noch nicht zu spät sein. Nach der Ankündigung hoher Zahlungen waren auch in den letzten Jahren bei den Top-Dividendenaktien häufig bis zum Aktionärstreffen weitere Kurssteigerungen drin.

Auf Sonderzahlungen bei Kardex und Transocean setzen

Aber nicht nur reguläre Dividenden, auch Sonderdividenden, haben einen kurstreibenden Einfluss. Nach dem Verkauf einer Tochter und einem Mittelzufluss von rund 76 Millionen Franken schüttete SPI-Mitglied Kardex Ende September 2013 nach einer ausserordentlichen Generalversammlung 4 Franken je Aktie aus. Die Zahlung wurde Ende Juli bekannt. Bis zur Generalversammlung des Logistikkonzerns kletterte die Aktie dann aber noch in weniger als zwei Monaten um rund 10 Prozent. Da Kardex trotz der Dividendenzahlung von 30,9 Millionen Franken nach wie vor auf einem hohen Cashbestand von etwa 65 Millionen Franken sitzen dürfte, könnte es bei der wahrscheinlich im April stattfindenden nächsten regulären Generalversammlung noch einmal hohe Dividende geben. Die Bekanntgabe könnte den Kurs erneut antreiben.

Auf eine Sonderzahlung warten Anleger jetzt auch bei Transocean. Offensichtlich hat sich beim Bohrunternehmen US-Grossinvestor Carl Icahn mit seinen Forderungen durchgesetzt. Die Generalversammlung des Konzerns mit Sitz in Zug, vom 16. Mai, dürfte eine Ausschüttung von 3,0 Dollar je Aktie – rund 2.65 Franken – beschliessen. Die Zahlung soll anteilig quartalsweise im Juni, September, Dezember 2014 und im März 2015 fliessen. Zwar ist der Dividendeneffekt bei Quartalszahlungen möglicherweise weniger stark – doch Transocean sitzt auf hohen Cashreserven – Ende 2012 waren das noch mehr als 5 Milliarden Dollar. Möglicherweise war das nicht die letzte Sonderdividende des Unternehmens. Anleger spekulieren darauf, dass sich das Transocean-Management vielleicht schon beim bevorstehendem Aktionärstreffen dahingehend äussert.

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Bellevue Group – spekulative Chancen

Und Bellevue Group? Dieses Jahr mussten Anleger bei der Finanzgruppe einen Schock verdauen. Am Montag meldete das Unternehmen trotz eines Anstiegs des operativen Ergebnisses von 46 Prozent auf 7,7 Millionen Franken die Halbierung der Dividende auf nur noch 1 Franken. Die Zahlung wird nach der Generalversammlung am 17. März fällig. Anleger, die von Bellevue in den letzten Jahren Renditen von über 10 Prozent gewohnt waren, schmissen die Aktie fast panikartig aus dem Depot und brachten dem Titel so bis Mitte der Woche Kursverluste von 20 Prozent.

Da bestehen nun allerdings für Dividendenjäger wieder Chancen. Denn Bellevue bringt es trotz der Dividendenkürzung auf eine Rendite von 6,7 Prozent. Das macht das Unternehmen zu einem Top-Dividendenwert. Spekulativ orientierte Anleger steigen deshalb nach dem Kursrutsch jetzt schon wieder ein, vorsichtigere Börsianer warten auf einen möglichen Dividendeneffekt in zwölf Monaten und kaufen die Aktie rund vier Wochen vor der Generalversammlung von 2015. Die Versammlung dürfte wohl wieder etwa Mitte März stattfinden.

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Acht renditestarke Aktien für den Dividendeneffekt

Zurich

Der Versicherer will wie in den Vorjahren 17 Franken je Aktie auszahlen. Eine Rendite von 6,4 Prozent verspricht wie schon mehrmals in den letzten Jahren einen schönen Dividendeneffekt noch bis zur Generalversammlung vom 2. April.

Swiss Re

Der Rückversicherer schüttet nach der Generalversammlung vom 11. April zusätzlich zur regulären Dividende von 3.85 Franken 4.15 Franken Sonderbonus aus. Die Rendite von 9,6 Prozent lässt in den nächsten Wochen steigende Kurse erwarten.

Banque Cantonale Vaudoise

Die Bank will zur regulären Dividende von 22 Franken weitere 10 Franken Sonderbonus bezahlen. In den letzten Jahren war hier häufig ein Dividendeneffekt mit steigenden Kursen in den Wochen vor der Generalversammlung zu beobachten. Das Aktionärstreffen findet am 1. Mai statt. Rendite: 6,3 Prozent.

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Swisscom

Der Telefonkonzern lockte in den letzten Jahren mehrmals mit einer hohen Dividende Anleger zum Kauf vor der Generalversammlung. Am Tag nach dem diesjährigen Aktionärstreffen am 7. April warten 22 Franken oder 4,2 Prozent Rendite auf die Anleger.

Transocean

Der Bohrspezialist will an der Generalversammlung vom 16. Mai eine Sonderzahlung beschliessen. 6,3 Prozent Rendite mit der Chance auf weitere Zahlungen in den nächsten Jahren könnten den Kurs beflügeln.

Kardex

Der Logistikkonzern schüttet möglicherweise nach der letzten Sonderzahlung erneut einen Bonus aus. Anleger spekulieren auf eine Überraschung bei der Präsentation der Jahreszahlen an der Analysten- und Medienkonferenz vom 13. März.

Mobilezone

Der Telefondienstleister verwöhnt seine Anleger seit Jahren mit hohen Dividenden. Nach der Generalversammlung vom 9. April warten 6,3 Prozent Rendite. Möglicherweise fängt der Kurs in den Wochen vorher, wie des Öfteren in der Vergangenheit, an zu laufen.

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Bellevue Group

Nach der überraschenden Dividendenkürzung nutzen risikofreudige Anleger den Kursrückschlag und spekulieren wegen der hohen Rendite von 6,7 Prozent auf einen Rebound von der Unterstützung bei 15 Franken. Ansonsten ist möglicherweise in zwölf Monaten trotz gekürzter Zahlung wieder der typische Dividendeneffekt bei Bellevue zu beobachten.