Kursraketen? Anleger denken da an Aktien wie Autoneum oder Leonteq. Der Autozulieferer brachte den Aktionären in den letzten zwölf Monaten ein Plus von 190 Prozent – fast eine Kursverdreifachung. Beim Finanzdienstleister Leonteq gab es im selben Zeitraum die Kursexplosion um 240 Prozent. Als Kursrakete könnte man auch EMS Chemie bezeichnen. Hier stehen in den letzten Jahren 325 Prozent Gewinn zu Buche – mehr als die Vervierfachung im Kurs.

Doch die Aktie glänzt erst seit 2009 mit exzellenter Performance. Oder Implenia. Der Bauspezialist hebt ab, aber eben auch erst seit zwei Jahren mit der Kursverdreifachung seit 2012. Aber trotz des starken Laufs erreichte der Wert erst im Januar 2013 sein Langzeithoch aus 1998.

Anleger achten auf eine lange Historie

Solche Entwicklungen sind per Saldo eher enttäuschend. Denn wer bei Implenia vor 15 Jahren eingestiegen ist, brauchte viel Geduld. Auch bei Autoneum oder Leonteq könnten die Kursschübe der letzten zwölf Monate eine Ausnahme und ein Strohfeuer sein. Das muss  natürlich nicht der Fall sein, aber: Die beiden Titel sind erst seit wenigen Jahren – konkret seit 2011 und 2013 – an der Börse. Da fehlt einfach eine verlässliche Historie und damit die Möglichkeit, die Entwicklung dieser Aktien langfristig einschätzen zu können. 

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Wer wirklich starke Titel fürs Depot sucht – einerseits eine Kursrakete mit guter Performance, andererseits mit den Eigenschaften eines Dauerläufers – der muss schon weiter zurückblicken. Solide Aktien mit beständigem Lauf nach oben, die nicht gleich nach dem ersten Höhenflug wieder steil zu Boden stürzen, findet man kaum auf eine Sicht von fünf Jahren.

2008er-Crash verzerrt das Bild

Ganz besonders fand man sie nicht in den vergangenen fünf Jahren, hatte doch der Markt infolge der Finanzkrise 2008 reichlich verloren. Von den Hochs im Juni 2007 halbierte sich der SMI bis Februar 2009. Von diesem tiefen Kursniveau aus betrachtet, sind die Kurssteigerungen von Schweizer Blue Chips und Nebenwerten im SPI von 75 Prozent in den letzten fünf Jahren nichts Besonderes. Die ursprünglichen Kursverluste sind damit nämlich oft noch nicht einmal wieder ausgeglichen.

Interessant sind deshalb Titel, die nicht nur von den 2009er-Tiefs nach oben kommen, sondern höher stehen als im Rekordjahr 2007. Und da zählt eben nicht die Entwicklung über drei oder fünf Jahre, sondern eine langfristigere Performance von 10, 15 oder 20 Jahren. In diesem Zeitraum konnten nicht nur die Aktien, sondern vor allem die jeweiligen Unternehmen beweisen, dass sie ihr Geschäft nachhaltig erfolgreich beherrschen.

Ein Drittel der SPI-Titel mit hohen Kursverlusten

Gesucht sind also nachhaltige Kursraketen mit beständigem Vorwärtsdrang und gleichzeitig ohne lange Schubaussetzer. Wenig interessant für langfristig orientierte Anleger sind auch Titel, die zwar vielleicht früher stark gestiegen sind und auf Sicht von zehn Jahren hohe Gewinne bringen, die jedoch seit einigen Jahren von diesem Gewinnpolster zehren und nur noch fallen.

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Im SPI haben 61 der 210 Indexmitglieder – rund 30 Prozent in den letzten drei Jahren – Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich gebracht.

Stark zyklische Werte: Sie kommen nicht ins Dauerläuferdepot

Aber auch stark zyklische Titel, die langfristig betrachtet ein Plus abliefern, wie beispielsweise Flughafen Zürich, sind für ein Dauerläufer-Depot wenig geeignet. Zwischen den Jahren 2000 und 2003 etwa verlor der Flughafen an der Börse 95 Prozent an Wert.

Blendet man die Eintagsfliegen aus, die schnell steigen und schnell wieder abstürzen, sowie die extremen Zykliker oder Werte mit langer Durststrecke, bleibt nicht mehr viel übrig von den 210 Titeln im SPI, die das Prädikat Kursrakete wirklich verdienen. 

Langfristiger Aufwärtsschub – zehn Kursraketen fürs Depot

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 140 Prozent – 6,1 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 bis 3 Prozent. Rendite gesamthaft: Etwa 8 bis 9 Prozent pro Jahr. Der Nahrungsmittelspezialist ist seit vielen Jahren im Aufwärtstrend. Es gab nur kurze Phasen der Korrektur oder mit einer Seitwärtsbewegung.

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Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 180 Prozent – 7,1 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 3 bis 4 Prozent. Rendite gesamthaft: 10 bis 11 Prozent pro Jahr. Die Aktie der Bank weist einen der stabilsten langfristigen Aufwärtstrends auf, ohne grosse Rücksetzer.

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 210 Prozent – 7,8 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 1 bis 2 Prozent. Rendite gesamthaft: 9 bis 10 Prozent pro Jahr. Das höchste Kursminus des Immobilienunternehmens seit 1999 lag im 2011 bei rund 15 Prozent (SMI: –30 Prozent).

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 230 Prozent – 8,3 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 bis 3 Prozent. Rendite gesamthaft: 10 bis 12 Prozent pro Jahr. Wer würde hinter einem vermeintlich langweiligen Titel wie dem Betreiber von Ausflugsbahnen und Wintersportanlagen so einen stabilen Dauerläufer vermuten? 

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Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 330 Prozent – 10,2 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 bis 3 Prozent. Rendite gesamthaft: 12 bis 13 Prozent pro Jahr. Gegessen wird eben immer!

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 400 Prozent – 11,4 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 Prozent. Rendite gesamthaft: 13 bis 14 Prozent pro Jahr. Die Aktie des Spezialisten für medizinische Artikel ist seit vielen Jahren in einem stabilen Aufwärtstrend.

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 420 Prozent – 11,6 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 bis 3 Prozent. Rendite gesamthaft: 14 bis 15 Prozent pro Jahr. Die Aktie des Technologieunternehmens hat eine für einen Einzelwert sehr niedrige Volatilität von nur 13,1 Prozent (VSMI: 12,1 Prozent).

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Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 550 Prozent – 13,3 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 2 Prozent. Rendite gesamthaft: rund 15 Prozent pro Jahr.

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 710 Prozent – 15,0 Prozent pro Jahr. Dividende: Etwa 1 bis 2 Prozent. Rendite gesamthaft: 16 bis 17 Prozent pro Jahr.

Kursgewinn der letzten 15 Jahre: 1090 Prozent – fast das 11-Fache oder 18,0 Prozent pro Jahr! Dividende: Etwa 1 bis 2 Prozent. Rendite gesamthaft: 19 bis 20 Prozent pro Jahr. Der Gesundheitskonzern zählt zu den stabilsten Top-Performern auf dem Kurszettel.