Starker Franken, internationale Krisen, zähe Wirtschaftsschwäche in Europa – Anleger fragen sich: Was ist los mit dem Schweizer Tourismus? Geht es der Branche schlecht? Nimmt man die Aktie von Kuoni, könnte man diesen Eindruck bekommen, denn der Kurs des Reiseveranstalters hat allein in den letzten fünf Monaten 35 Prozent an Wert verloren und notiert nun auf dem Niveau von Anfang 2013.

Dann die Jungfraubahn. Der Betreiber von Bergbahnen notiert zwar noch 10 Prozent über dem Jahresstart von 2013, hat aber in den letzten drei Monaten 10 Prozent an Wert eingebüsst. Die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis hingegen steigen seit Anfang 2014 steil nach oben und zeigten in den letzten Wochen nur eine minimale Kursschwäche.

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Tourismusindustrie – stabil im ersten Halbjahr

Und schliesslich der Subindex BEKB Tourismus. Die rund 50 Tourismusaktien im ausserbörslichen Handel der Berner Kantonalbank verzeichneten in den letzten zwölf Monaten ein Kursplus von rund 10 Prozent, der Chart des Index zeigt dabei beständig nach oben, Kurseinbrüche sind überhaupt nicht zu erkennen.

Und die Lage? Wie das Bundesamt für Statistik berichtet, gab es in der Hotellerie in der Schweiz im Juni zwar ein leichtes Minus von 2,5 Prozent, doch im ersten Halbjahr hielt sich die Zahl der Übernachtungen im Land mit 17,1 Millionen fast exakt auf dem Vorjahresniveau. 38,0 Prozent davon gehen übrigens auf das Konto heimischer Gäste.

Titlis-Bahn mit gutem Start in die Sommersaison

Bei den Titlis-Bergbahnen zeigt sich im ersten Halbjahr per Ende April hingegen ein leicht gemischtes Bild. Dort stieg der Umsatz mit den Bahnen im genannten Zeitraum zwar um 3,3 Prozent auf 20,2 Millionen Franken, die Hotels und Restaurants am Berg verbuchten aber ein Minus von 3,1 Prozent. Per Saldo verbuchte das Unternehmen aus Engelberg wegen des Verkaufs von Wohnungen im Titlis-Resort im Volumen von 3,7 Millionen Euro jedoch einen Anstieg im Betriebsertrag im Volumen von rund 13 Prozent auf 34,1 Millionen Euro. Wie das Management der Bahn berichtet, ist der Start in die Sommersaison sehr gut verlaufen, das Unternehmen rechnet mit der Stabilisierung der Gäste auf einem hohen Niveau.

Für Anleger spannend, sind Bergbahnen wie die Jungfraubahnen, aber auch viele kleine Titel aus dem ausserbörslichen Handel wie etwa Bergbahnen Wildhaus (ISIN: CH0045885032) – wegen ihrer grundsoliden Bilanzen. Die Jungfraubahnen und Bergbahnen Wildhaus verfügen nicht nur über Eigenkapitalquoten von knapp 80 und rund 70 Prozent, sondern sie notieren nicht selten weit unter Buchwert. Bei den Jungfraubahnen beträgt dieser Discount derzeit rund 10 Prozent, bei den Bergbahnen Wildhaus sogar rund 35 Prozent. Dabei bieten die Bahnen sogar Wachstum. So konnten etwa die Jungfraubahnen in den letzten fünf Jahren ihren Umsatz um rund 20 Prozent und ihren Gewinn um rund 50 Prozent ausbauen.

Dufry will Synergien heben, Kuoni besitzt hohes Rebound-Potenzial

Ziemlich weit abgehoben von der Entwicklung im Schweizer Tourismusmarkt laufen die Geschäfte hingegen bei Dufry und Kuoni. Während der international tätige Einzelhändler mit seinen Läden beispielsweise an Flughäfen seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 6,7 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken steigern konnte, verbuchte der Reiseveranstalter Kuoni einen Umsatzrückgang um 6,1 Prozent auf 2,5 Milliarden Franken. Angesichts des vom Zürcher Konzern für 2014 prognostizierten Rückgangs im operativen Ergebnis von 154,2 auf 85 bis 95 Millionen Franken, ist der Kuoni-Kursrückgang der letzten Monate nicht verwunderlich.

Trotz eines erwarteten KGVs von über 20 in diesem Jahr bleibt Dufry hingegen spannend. Der Einzelhändler will bis 2016 Synergien in der Höhe von rund 70 Millionen Franken erschliessen. Die Eröffnung weiterer Filialen weltweit dürfte zusätzlich für Umsatzsteigerungen und für eine noch höhere Gewinnbasis sorgen. Kuoni besitzt übrigens trotz der im Moment etwas flauen Geschäfte spekulatives Potenzial. In den letzten Jahren konnte der Reiseexperte sein Ergebnis nach schwachen Jahren teilweise kräftig steigern. Die Aktie weist einen entsprechend volatilen Kursverlauf auf. So folgten allein in den letzten fünf Jahren auf Kurstiefs wie derzeit schnelle Erholungsphasen mit Kurssteigerungen nicht selten von 30 Prozent und mehr und das oft innert weniger Monate. Anleger setzen auch jetzt auf eine solche Rebound-Chance. Die Aktie notiert derzeit, abgesehen von den Tiefs im 2012, auf dem niedrigsten Niveau seit 2003.