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Ausblick
«Schwellenländer bleiben unser klarer Favorit»

São Paulo: In Schwellenländern locken bessere Gewinnperspektiven.  Pixabay

Die politische Grosswetterlage wird die Märkte weiter beschäftigen, sagt Franz Wenzel – auch durch höhere Risikoprämien. Was den Axa-Anlagestrategen bei Schwellenländern und Small Caps überzeugt.

Von Julia Fritsche
am 18.08.2017

Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Franz Wenzel*: Die politische Grosswetterlage ist und bleibt ein zentrales Thema an den Finanzmärkten. Insbesondere die vehementen Wortgefechte zwischen den USA und Nordkorea werden mit entsprechenden Auf- oder Abschlägen quittiert. Den nach wie vor guten konjunkturellen Daten kommt im Moment eher eine untergeordnete Bedeutung zu. Die Sorge um höhere Geldmarktzinsen in den USA ist im Moment vollkommen ausgeblendet, zumal die Inflation nach wie vor kaum Anlass zur Besorgnis bereitet.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die Schweizer Börsen werden, wie die anderen europäischen Börsen, vom politischen Geschehen geprägt bleiben. Dies wird sich in höheren Volatilitäten spiegeln. Die aktuelle Wechselkursentwicklung bietet allerdings eine willkommene Hilfestellung sowohl für die Notenbank als auch für die Schweizer Börsen. Die robusten konjunkturellen Daten in den USA, aber auch hier in Europa sind eine weitere Stütze, die im Falle einer Beruhigung der politischen Wortgefechte die europäischen und damit auch die Schweizer Börsen begünstigen sollte.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Langfristig sollte die ökonomische Grosswetterlage die Führung übernehmen und damit die Unternehmensgewinne weiter beflügeln. Allerdings sind die Schweizer Börsen mit einem 25-fachen Kurs-Gewinn-Verhältnis eher teuer. Die expansive Notenbankpolitik bleibt jedoch eine wichtige Stütze, selbst wenn die US-Notenbank ihren eingeschlagenen Weg fortsetzt. Investoren sollten Kurskorrekturen zum Auf- oder Ausbau von Aktienpositionen nutzen.

Der SMIM hat seit Jahresbeginn um 19 Prozent zugelegt. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?
In der Tat haben Small Caps ihren «grossen Brüdern» einiges an Performance-Länge voraus. Auch wenn die Bewertung mit nun beinahe dem 25x-fachen der für 2017 erwarteten Gewinne sicherlich nicht mehr als attraktiv bezeichnet werden kann, sehen wir doch einige positive Indikationen. Das höhere Wachstum spiegelt sich auch im erwarteten Gewinnwachstum von erwarteten 20 Prozent wider. Die Eigenkapitalrendite wird wohl weiter auf 10 Prozent gegenüber 8 Prozent in 2016 steigen und die Notenbank bleibt extrem expansiv.

Welcher Börsenplatz hat für Sie derzeit das grösste Potenzial?
Einen Börsenplatz speziell als Favoriten zu küren, ist bei der aktuell hohen Korrelation wenig ratsam. Vielmehr scheint es uns zielführender, sich auf grössere Regionen zu konzentrieren. Schwellenländer bleiben unser klarer Favorit trotz der guten Wertentwicklung im laufenden Jahr. Die sich bessernden Gewinnperspektiven, verbunden mit einer noch recht akzeptablen Bewertung etwa in Höhe des 15-Fachen der Gewinne, sind hierfür massgeblich.

Die Spannungen um Nordkorea und Trumps Reaktion darauf haben letzte Woche die Märkte stark beunruhigt. War das eine Überreaktion?
Da die Reaktion primär von politischer Stimmung getrieben war, ist eine ökonomische Wertung faktisch unmöglich. Gleichwohl wird man davon ausgehen müssen, dass die Finanzmärkte angesichts der latent höheren politischen Risiken nicht einfach nur auf «business as usual» umschalten werden, auch wenn kurzfristig Entspannung an den Börsen aufflackern mag. Man wird mit in der Tendenz höheren Risikoprämien rechnen müssen, die sich aus höheren Volatilitäten ableiten werden.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise: Welche wichtige Lektion ist heute bereits wieder in Vergessenheit geraten?
Man hat die Systemrelevanz von Banken im Allgemeinen unterschätzt. Dem ist man in Europa mit der Einführung des «Resolution Act» begegnet. Viel Arbeit steht aber noch an, aber man ist auf dem richtigen Weg. In den USA sind die politischen Bestrebungen anderer Natur. Dort drängt die Politik dazu, die nach der Finanzkrise eingeführten Restriktionen zurückzuführen, und bewegt sich damit zurück in eine Situation, in der die systemrelevanten Risiken wieder erhöht werden. Hier scheinen die Krise und ihr Ausmass in Vergessenheit zu geraten.

* Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

 

 

 

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