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Aufstrebend
Schwellenländer geben Grund für gute Börsenlaune

Börse São Paolo: Der brasilianische Leitindex ist nach oben ausgesbrochen. Keystone

Nach schwächeren Börsenjahren steigen die Aktienkurse in den Schwellenländern wieder. Das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht.

Von Georg Pröbstl
am 06.10.2017

Die Zinsen sind im Keller, die globale Konjunktur nimmt an Tempo zu, und die Börsen steigen und steigen. Der weltweite Leitindex Dow Jones hangelt sich seit vielen Monaten konstant von einem neuen Allzeithoch zum nächsten. Der Euro Stoxx 50 notiert auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren und in der Schweiz klettert der breite Aktienmarkt mit dem SPI seit 2017 ebenfalls von einem Rekordlevel zum nächsten.

In diesem Umfeld sind Anleger schon seit einiger Zeit wieder bereit höhere Risiken einzugehen. Und das zeigt sich an der Entwicklung der Emerging Markets. Zwar laufen auch die wichtigen Börsen in den alten Industriestaaten derzeit richtig gut. So bringt der Dow Jones seit Jahresbeginn ein Plus von 15 Prozent und seit Anfang 2016 sogar Kurssteigerungen von 30 Prozent.

Doch viele Börsen in den Schwellenländern liefern noch deutlich höheren Gewinn. Der Bovespa in Brasilien beispielsweise bringt in diesem Jahr bereits ein Plus von 25 Prozent und hat sich seit Anfang 2016 schon fast verdoppelt. 

Hohe Kursgewinne in Emerging Markets

Die Börsen in Thailand und Indien bescheren ihren Anlegern Gewinne alleine seit Jahresstart jeweils von rund 20 Prozent und der Hang Seng in Hongkong kletterte in diesem Jahr bereits um ein Viertel. Und der MSCI Emerging Markets Index bringt auf Dollarbasis in den letzten neun Monaten sogar einen Anstieg um 30 Prozent. 

Das dürfte aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. «Historisch betrachtet hatten die Performancezyklen der Börsen in den Schwellenländern im Vergleich zu Aktien aus den Industrieländern eine Dauer von fünf bis acht Jahren», weiss Marco Bonaviri, Portfolio Manager bei der Bank Reyl-Group.

Und da gibt es wohl noch einiges aufzuholen. «Zwischen 2011 und 2015 lag die Performance der Industrieländer um fast 70 Prozent über der von Börsen in den Schwellenländern. Die Phase der Outperformance der Schwellenländer dürfte aber erst jetzt Anfang 2016 losgegangen sein», vermutet der Aktien-Experte.

Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern nimmt deutlich zu

Schwellenländer profitieren nun aber nicht nur von der steigenden Risikobereitschaft der Investoren, sondern auch von knallharten Fakten. So zeigen die Emerging Markets zunehmend dynamisches Wachstum.

Schon jetzt wachsen die Schwellenländer doppelt so schnell wie die Industriestaaten und nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds IWF soll sich der Wachstumsunterschied in den nächsten vier Jahren bis 2021 sogar auf 3,3 Prozent erhöhen. 

Trotz der Kurssteigerungen an wichtigen Börsen der Emerging Markets ist die Bewertung derzeit noch moderat. «Das erwartete Kurs/Gewinn-Verhältnis bei Aktien aus den Schwellenländern liegt bei 12,7. Dabei soll der Gewinn je Aktie in den Emerging Markets den Konsens-Schätzungen der Analysten zufolge in diesem Jahr bei 20,6 Prozent liegen», berichtet Börsenkenner Bonaviri

Die Mittelabflüsse der letzten Jahre sind erst zur Hälfte aufgeholt

Immerhin haben internationale Investoren trotz der Kurssteigerungen der letzten Zeit immer noch erheblichen Nachholbedarf bei Investments in den Schwellenländern. «2015 gab es aus Schwellenländern Mittelabflüsse in Höhe von 64 Milliarden Dollar. 2016 war die Bilanz in etwa ausgeglichen und 2017 gab es Zuflüsse von rund 62 Milliarden Dollar.

Doch damit ist nur in etwa die Hälfte der Mittelabflüsse seit 2013 wieder ausgeglichen», erklärt der Stratege von Reyl. Mittelfristig ist also mit einer weiteren Outperformance der Börsen in den Schwellenländern zu rechnen.

Aber schon kurzfristig besteht Kursphantasie. Etwa im Bovespa. Der brasilianische Leitindex ist nämlich erst Anfang September über das bisherige Allzeithoch vom Mai 2008 nach oben ausgebrochen. Die Party in São Paulo könnte damit also jetzt erst so richtig losgehen. Mit einem ETF (ISIN: FR0010408799) auf den Index können Anleger dieses Thema spielen. 

Hang Seng – das Allzeithoch im Visier

Auch der Hang Seng ist derzeit in einer spannenden charttechnischen Konstellation. Der Index hat jetzt nämlich wieder das Zehnjahreshoch und den Widerstand vom April 2015 bei 28442 Punkten erreicht.

Fällt die Hürde, könnte die asiatische Börse möglicherweise ganz schnell Fahrt aufnehmen in Richtung 30000 Punkte und dann vielleicht sogar auf das Allzeithoch vom Oktober 2007 bei 31638 Indexzählern springen. Auch hier bilden Anleger den Index mit einem ETF (ISIN: LU0488316729) im Verhältnis 1:1 ab.

Dass es an den Börsen der Schwellenländer derzeit rund läuft, zeigt übrigens auch der MSCI Emerging Markets Index. Das ETF (ISIN: IE00B0M63177) auf den Index auf Dollarbasis hat nach den Kurssteigerungen seit 2016 jetzt nämlich den starken Widerstand im Kursbereich von 45 Dollar wieder erreicht. Fällt diese Begrenzung, wäre das Hoch aus 2011 bei rund 50 Dollar die nächste Zielmarke. Beim ETF winken schnelle Gewinne von zehn Prozent und mehr.

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