Wie das in unregelmässigen Abständen immer wieder passiert, hat sich auch jüngst die Anleger-Karawane erneut in Bewegung gesetzt. Ein Exodus in Form von Kapitalabzug fand dabei vor allem an Europas Börsen statt, während im Gegenzug viel Geld in die Anleihen- und in die Aktienmärkte der Schwellenländer geflossen ist.

Damit schlagen die Marktteilnehmer ihre Zelte zur Abwechslung mal wieder in einem Segment auf, das sie zuletzt längere Zeit gemieden hatten. Bei der Suche nach Gründen dafür, stösst man auf verschiedene Erklärungsansätze. Einer davon ist sicherlich der zum Anlagegeschäft gehörende Zwang, immer wieder einmal eine andere «Weide abzugrasen». Sprich: Sobald ein Thema «durchgelutscht» ist, wenden sich die Anleger einem anderen Thema zu.

Sinneswandel unter den Marktteilnehmern

Das gilt erst recht im aktuellen Umfeld, in dem konservative Anlageformen wie erstklassige Staatsanleihen keine Zinsen mehr abwerfen. Der dadurch entfachte Jagdtrieb nach Rendite führt so manchen Investor auch in bisher gemiedene Anlagesegmente.

Losgelöst davon wird ein Sinneswandel unter den Marktteilnehmern, oft auch durch grundsätzliche Veränderungen im Umfeld, angestossen, die eine solche Massenbewegung als gerechtfertigt erscheinen lassen. In diesem konkreten  Fall hat das sowohl mit Gründen zu tun, die direkt in den Emerging Markets zu finden sind und mit externen Entwicklungen, welche die Schwellenländer indirekt begünstigen.

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Risikowahrnehmung wandelt sich

Der letztgenannte Punkt hängt auch stark mit der Politik zusammen. Schwellenländer gelten bekanntlich politisch vergleichsweise als instabil, doch in Zeiten wie heute fällt dieser Faktor vermutlich weniger stark ins Gewicht als früher. Schliesslich sind selbst in der führenden Weltmacht USA über eine wachsende Spaltung der Gesellschaft in den vergangenen Jahren die Risiken gestiegen.

Erst recht gilt das für Europa, ist auf dem alten Kontinent doch eine wachsende Kluft bei wichtigen Themen, wie beim Umgang mit dem Flüchtlingsstrom oder bezüglich der steigenden Diskrepanz beim Wohlstandsniveau festzustellen. Den medialen Höhepunkt erreichte diese Entwicklung mit dem Beschluss der Briten, aus der EU auszusteigen. Für die Schwellenländer ist das übrigens ebenfalls ein vorteilhafter Punkt, weil viele Marktteilnehmer der Ansicht sind, die Volkswirtschaften der Emerging Markets seien davon weniger negativ betroffen als die Konjunktur in Europa.

Makro- und mikro-ökonomische Verbesserungen

Mindestens ebenso wichtig sind abgesehen von diesen politischen Überlegungen volkswirtschaftliche Sachverhalte. So weist die UBS auf folgende positive Veränderungen bei den Rahmendaten hin. Erstens hätten sich die Einkaufsmanagerindizes in den Emerging Markets zuletzt im relativen Vergleich mit jenen in den entwickelten Ländern erstmals wieder verbessert. Zweitens hätten sich die Währungen der Schwellenländer nach einem Einbruch von rund 60 Prozent in den vergangenen fünf Jahren zuletzt stabilisiert.

Drittens sei der phasenweise geschmolzene Wachstumsvorsprung der Emerging Markets gegenüber den Industriestaaten jüngst wieder auf ein vor der Jahrtausendwende übliches Niveau gestiegen. Hinzu kämen, viertens, Verbesserungen auf der Unternehmensebene, indem nach 35 Monaten eine lange Phase mit nachlassendem Schwung auf der  Ergebnisseite beendet worden ist.

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Skeptiker verweisen auf Risiken

Trotz alledem ist nicht allen ganz geheuer mit Blick auf das etwas plötzlich anmutende Comeback der Schwellenländer. Skeptiker werden jedenfalls nicht müde, auf die aus ihrer Sicht derzeit völlig unterschätzten Risiken zu verweisen. Dazu zählen unter anderem die in vielen Schwellenländern in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Verschuldungen sowie der Verdacht, viele der während des Booms mit Hilfe des reichlich vorhandenen Kapitals aufgebauten Kapazitäten könnten überschüssig sein. Aspekte wie diese sollten, speziell in einer Zeit, in der ein gewisser Anlagenotstand herrscht, nicht vergessen werden.

Damit das Comeback der Schwellenländer anhalten kann, darf ausserdem in China nichts schiefgehen, die Rohstoff- und Ölpreise sollten nicht wieder in den Sinkflug übergehen und die US-Notenbank darf mit Zinserhöhungen nicht die Suppe versalzen, denn das könnte eine Umkehr des jüngsten Kapitalzuflusses bewirken.

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Aus 12 werden 3 plus 1

Derzeit laufen die Kapitalströme aber zugunsten der Emerging Markets, und so mancher Chart in der Region hat ein Kaufsignal generiert. Anleger, die das vorherrschende Momentum spielen, sich aber nicht direkt an Unternehmen aus den Schwellenländern beteiligen wollen oder können, steht alternativ der Zugang über Gesellschaften offen, die nennenswerte Umsätze und Ergebnisse in den Emerging Markets erwirtschaften. Zu einer solchen Vorgehensweise raten auch die Analysten der UBS. Wobei sie darauf hinweisen, dass solche westliche Aktien mit hohem Schwellenländer-Exposure bisher erst rund einen Fünftel ihrer Underperformance wieder aufgeholt haben, die zuvor registriert worden war.

StocksDigital hat einschlägige Listen von Instituten wie UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank, Morgan Stanley und J.P. Morgan mit dem Ziel durchforstet, daraus Schweizer Aktien mit einem hohen Emerging Markets-Exposure herauszufiltern. Erwähnung fanden folgende Unternehmen: DKSH, LafargeHolcim, Swatch, Richemont, Givaudan, SGS, Schindler, Temenos, Glencore, Clariant und Dufry.

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Schweizer Kaufkandidaten

Das sind immerhin zwölf Kandidaten, doch das Feld dünnt sich aus, wenn die bereits genannten Qualifikationskriterien noch um die Bedingung von völlig intakten, langfristigen charttechnischen Aufwärtstrends ergänzt werden. Dann bleiben mit dem Aufzug-Hersteller Schindler (ISIN: CH0024638196), mit dem Spezialisten für Banken-Software, Temenos (ISIN: CH0012453913), und mit dem Aromastoff-Produzenten Givaudan (ISIN: CH0010645932) nur noch drei Kaufkandidaten übrig. Konkret beziffert die UBS die Umsatzanteile, die Schindler und Givaudan abseits von Kontinentaleuropa, Grossbritannien und den USA im Rest der Welt erwirtschaften, auf 33 Prozent und 49 Prozent.

Bei Temenos taxiert Morgan Stanley den aus den Schwellenländern stammenden Umsatzanteil im Jahr 2016 auf 52 Prozent. Die intakten langfristigen Aufwärtstrends beweisen in allen drei Fällen, dass diese Gesellschaften auch ohne gehypte Schwellenländer zurechtkommen, wobei etwa mehr Schwung in dieser Zielregion die Geschäfte natürlich zusätzlich ankurbeln kann. Negativ zu erwähnen sind allerdings die bei diesem Triumvirat durch die Bank zu konstatierenden hohen Bewertungen.

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Besser sieht es bei LafargeHolcim aus

Besser sieht es in dieser Hinsicht bei LafargeHolcim (ISIN: CH0012214059) aus. Zumindest, falls die Prognosen der Analysten aufgehen. Denn im Konsens trauen sie dem französisch-schweizerischen Zementhersteller bis 2019 einen kontinuierlichen Gewinnanstieg auf 4.86 Franken zu.

Das wäre gleichbedeutend mit einem geschätzten KGV unter elf, und diese Perspektive könnte dazu führen, dass aus den jüngsten Kursgewinnen noch ein richtig überzeugender Aufwärtstrend wird. Eine anspringende Konjunktur in den Schwellenländern könnte dabei helfen, weil hier die Deutsche Bank das Umsatz-Exposure in den Schwellenländern auf 57 Prozent beziffert.