An der Deutschen Börse herrscht Partystimmung. Nicht nur, dass die Kurse in Frankfurt auf Rekordniveau notieren, zudem jährt sich am 21. Juni die Einführung des SDAX zum 15. Mal. Mitte 2013 hatte die Deutsche Börse bereits auf das 25. Jubiläum ihres Leitindex DAX anstossen können. Geht es nach der langfristigen Performance, hat das Small-Cap-Barometer aber die grössere Party verdient.

Seit seiner Lancierung erzielte der SDAX eine annualisierte Rendite von 6,7 Prozent. In diesem Zeitraum warfen die Blue Chips im DAX «nur» 4,2 Prozent p.a. ab. Zunächst setzte sich der SDAX aus 100 Mitgliedern zusammen. 2002 halbierte die Deutsche Börse die Zahl der Unternehmen. Dabei blieb es bis heute, der Index enthält 50 Valoren aus den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen. In puncto Grösse rangieren sie unterhalb von DAX und MDAX, dem Mid-Cap-Barometer des deutschen Aktienmarktes. Aussen vor bleiben Technologietitel, die sind im TecDAX zu finden.

Aufschwung mit den Hidden Champions

Gegenüber den Blue Chips konnten sich die deutschen Small Caps in der Vergangenheit vor allem in der Aufwärtsbewegung absetzen. Was darauf zurückzuführen ist, dass bei Investoren mit der Dauer einer Hausse die Risikoneigung grösser wird. Dann greifen sie verstärkt zu kleineren Titeln und forcieren deren Rally. Die Kehrseite zeigt sich in der Korrektur – dann fliegen nicht selten die Nebenwerte als Erste aus dem Portfolio. Zu beobachten ist dieses Verhaltensmuster übrigens nicht nur in Deutschland, sondern auch an anderen Börsenplätzen.

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Typisch für den SDAX ist eine Fülle an «Hidden Champions». Dabei handelt es sich um Unternehmen, die es in ihrer Nische relativ unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit zum international führenden Anbieter gebracht haben. Allerdings hat dieses Qualitätsmerkmal seinen Preis. Die Rally der vergangenen Jahre – gegenüber dem Tief aus 2009 hat sich der SDAX mehr als verdreifacht – sorgte für eine Ausweitung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Laut Bloomberg liegt die Kennziffer auf Basis der erwarteten Ergebnisse momentan bei knapp 19. Damit hat das KGV den langjährigen Durchschnittswert überschritten. Insofern sollten sich den Index als Ganzes derzeit nur Anleger mit einer positiven Erwartung für die Aktienmärkte ins Portfolio legen.

CTS Eventim – das Erfolgsticket gefunden

Voll auf ihre Kosten kommen im deutschen Small-Cap-Barometer nach wie vor die Stockpicker. Beispielsweise dürfte CTS Eventim vielen Anlegern zwar als Tickethändler und Konzertveranstalter bekannt sein, weniger verbreitet ist aber die Tatsache, dass der Konzern zu den absoluten Top-Performern des deutschen Aktienmarktes zählt. Allein seit der Aufnahme in den SDAX vor gut zehn Jahren legte der Kurs um knapp 1200 Prozent zu. Ein Ende der Wachstumsstory ist nicht in Sicht.

CTS Eventim ist beim Verkauf von Eintrittskarten in Europa führend. Dabei setzen die Münchner auf gezielte Zukäufe. In der Schweiz etwa griffen sie Anfang 2010 bei Ticketcorner zu. Der zentrale Gewinntreiber ist das besonders margenträchtige Internetticketing. Da auch die Veranstaltungssparte brummt, ist das Unternehmen auf dem besten Weg, Umsatz und Ergebnis 2014 prozentual zweistellig zu steigern. Das KGV von mehr als 20 dürfte den einen oder anderen Investoren abschrecken, doch zeigt der SDAX-Highflyer seit jeher eine ambitionierte Bewertung – der Rally konnte dies bisher keinen Abbruch tun.

Borussia Dortmund neu im SDAX

Deutlich günstiger ist die BayWa-Aktie zu haben. Dabei verfolgt auch das Management des Warenhändlers eine aggressive Wachstumsstrategie. Mehrere Akquisitionen sorgten dafür, dass der Konzern mittlerweile zu den weltweit grössten Brokern von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zählt. Ausserdem hat sich die BayWa, das Unternehmen agiert seit jeher als Ölhändler, auf dem Gebiet der erneuerbaren Energie positioniert. Ein eigenes Agrartechnikgeschäft rundet das Portfolio ab. Noch kann die Rentabilität nicht mit den akquisitionsbedingten Umsatzsprüngen Schritt halten. Allerdings gelobt das Management hier Besserung.

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Wenige Tage nach dem 15. Geburtstag kann der SDAX ein besonderes Neumitglied begrüssen. Mit Borussia Dortmund zieht die einzige deutsche Fussball-Aktie in das Börsenbarometer ein. Pünktlich zur Weltmeisterschaft nahm das Papier Fahrt auf. Was allerdings weniger mit dem Turnier in Brasilien als mit der Indexaufnahme sowie mit Spekulationen um einen Einstieg der Deutschen Bank zu tun hatte. Zwar ist dieser Deal gescheitert, doch der Club verhandelt nach eigenen Angaben weiterhin mit interessierten Unternehmen. Ähnlich wie beim nichtbörsenkotierten FC Bayern München, zum Gesellschafterkreis des Spitzenclubs zählen Adidas, Audi und Allianz, sollen sie dem Fussballunternehmen einen finanziellen Schub verleihen. Dabei locken die Dortmunder mit einer, im Vergleich zu anderen kotierten Vereinen, beispielsweise Manchester United, günstigen Bewertung.

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SDAX-ETF und aussichtsreiche Werte für Stock-Picker

Gegen eine Gesamtkostenquote von 0,70 Prozent p.a. bildet der Exchange Traded Fund den SDAX ab. Die Commerzbank-Tochter Comstage lancierte diesen passiven Fonds vor gut drei Jahren. An der Schweizer Börse läuft der Handel sowohl in der Indexwährung Euro als auch in Schweizer Franken.

Pro Jahr verkauft der Konzern mehr als 100'000 Tickets. Dabei hat der besonders rentable Absatzkanal Internet sukzessive an Bedeutung gewonnen. Das zweite Standbein, Veranstaltungen, ist zwar weniger profitabel, doch verbucht CTS Eventim auch mit der Organisation von Live-Entertainment prozentual zweistellige Wachstumsraten.

Das Agrar- und Bau-Handelshaus zählt zu den SDAX-Mitgliedern mit der günstigsten Bewertung. Dabei sind die mit mehreren Zukäufen forcierten Wachstumspläne bis dato aufgegangen. Analysten heben mehrheitlich den Daumen: Beispielsweise bestätigte Hauck & Aufhäuser nach den jüngsten Quartalszahlen die Kaufempfehlung. Das Kursziel erhöhte die Privatbank auf 49 Euro – ein Aufschlag von knapp einem Fünftel auf den aktuellen Kurs.

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Am 23. Juni steigt Deutschlands einzige Fussball-Aktie in den SDAX auf. Während der Club vor einigen Jahren noch um das nackte Überleben kämpfte, bewegt er sich sowohl sportlich als auch finanziell heute auf europäischem Top-Niveau. Entsprechend hat sich die Aktie von ihren Tiefstständen erholt.