Eine Million Einträge auf Google, Thema vieler Bücher, alte Börsenweisheit und eine Angst, die viele Anleger schon im April befällt: «Sell in May and go away!»

Börsianer vermuten: Ab Mai beginnt für viele die Ferienzeit – Manager, Anleger und institutionelle Investoren fahren in Urlaub und schliessen vorher ihre Bücher und Positionen. Eine folgende Meldungsflaute von Unternehmensseite und mangelnde Impulse sowie eine fehlende Nachfrage am Aktienmarkt könnten die Kurse dann drücken, der Mai könnte zu einem schwachen Aktienmonat werden.

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Diese Frage quält Börsianer: Soll man im April oder spätestens Mai aussteigen und erst nach dem Sommer wieder in Aktien investieren?

Börsenmonat Mai – meist positive Kursentwicklung

Die Kurs-Realität sagt – nein! Im vergangenen Jahr und auch 2013 notierte der SMI jeweils Ende Mai um rund 2 Prozent höher als zu Beginn des Monats. Damit hat sich die positive Mai-Bilanz seit dem Start des SMI im 1988 weiter verbessert: In 18 der 27 Jahre gab es im Wonnemonat Kursgewinne. Zwei Drittel der Mai-Monate weisen damit steigende Notierungen aus.

Seit dem Start des SMI gab es zwar auch ein paar wirkliche Katastrophen-Mai-Monate, mit hohen Kursverlusten, oder, in denen sogar ein gewaltiger Kursrutsch eingeleitet wurde – ganz besonders 2001 und 2002 –, aber auf der anderen Seite gab es auch Jahre mit Mai-Monaten, in denen der Markt nach oben schnellte. Im Mai und Juni 1998 etwa brachte der Index ein Plus von 10 Prozent, und 1997 kletterte die Schweizer Börse im selben Zeitraum sogar um 20 Prozent.

Und vor allem: Dass es zu steigenden Kursen kommt, ist fast logisch. Denn langfristig geht der Markt nach oben: Es gibt einen technologischen Fortschritt, neue Produkte und Erfindungen oder Kostensenkungen, die Umsatz und Gewinn erhöhen. Diesem langfristigen Trend kann sich auch ein Monat Mai nicht widersetzen.

Charttechnik – Mai 2015 könnte neue Rekorde bringen

Wer sich an der Statistik und an der Wahrscheinlichkeit orientiert, sollte damit auch in diesem Jahr dabei bleiben. Und vor allem: Dieser Mai könnte sogar einen Schub nach oben und neue Kursrekorde bringen, denn charttechnisch besteht Hochspannung im SMI. Zwar ist der Index seit Juli 2013 schon vielfach von der jeweils gültigen oberen Begrenzungslinie seines Aufwärtstrends wieder nach unten abgeprallt, doch der Markt konnte sich dabei in diesen zwei Jahren sukzessive immer weiter nach oben hocharbeiten.

Nach dem jüngsten Rücksetzer von der Begrenzungslinie vor zwei Wochen verläuft die Begrenzung nun ziemlich genau bei 9500 Punkten. Schon mit dem nächsten Anlauf können Schweizer Blue Chips vielleicht gleich beide Marken überwinden und dann ganz schnell das Allzeithoch bei 9531 Punkten erreichen. Möglicherweise reicht die Kraft der Börsen-Bullen dann sogar schon kurzfristig zum Sturm auf die grosse 10'000-Punkte-Marke.  

Für Vorsichtige – ruhiger schlafen mit Puts

Anleger, die trotz der positiven Kurs-Bilanz und der Charttechnik jetzt für den Mai fallende Kurse erwarten und in der Urlaubszeit ruhig schlafen wollen, sollten ihr Depot aber nicht leerräumen, denn beim Verkauf und späteren Wiedereinstieg fallen Gebühren, häufig im Bereich von 2 Prozent, an. Und ob man dabei den idealen Aus- und Einstiegszeitpunkt erwischt, ist eher fraglich. Möglicherweise laufen einem im Sommer bei der Rückkehr aus den Ferien dann die Kurse davon.

Eine bewährte Alternative sind Puts wie ein Bear-Zertifikat mit Basis- und Knock-out jeweils bei 10'500 Punkten und einer Laufzeit bis 17.9.2015 (ISIN CH0278856320, Bezugsverhältnis 500:1). Bei einem Hebel von 7,4 lässt sich da bereits mit vergleichsweise geringem Einsatz schon ein guter Teil des Depots gegen Kursverluste absichern. Sollte der SMI jedoch die 10'000-Punkte-Marke knacken und dann weitere Dynamik entwickeln, wäre zwar der Knock-out des Zertifikats möglicherweise bald erreicht und das Papier würde wertlos verfallen, dafür aber würden auch die Aktien im Depot nach oben mitlaufen. Hektisches Umschichten würde einem so auf jeden Fall erspart bleiben.